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[Rezension] Die Spiegelreisende von Christelle Dabos

Ophelia, eine junge Animistin, Spiegelreisende und Leserin lebt auf der Arche Anima. Sie versteckt sich hinter einer großen Brille, einem dicken Schal und leisen Worten. Doch so unscheinbar wie sie zu glauben scheint, ist sie nicht. Schließlich gibt es einen Grund dafür, dass sie für den Adligen Thorn als Gemahlin ausgewählt wird. Nun heißt es zur Arche Pol – doch was dort auf sie wartet, ist niemand vorbereitet…

 

Von Nadja Hochholz

Ein Riss hat die Welt zerteilt. Nun besteht sie nur noch aus einzelnen Inseln, Bruchstücken, sogenannten Archen, welche um den Erdkern kreisen. Ophelia lebt auf der Arche Anima, wessen Bewohner für ihre Leser-Gabe bekannt sind; die Gabe die Vergangenheit von Gegenständen lesen zu können. Ophelia beherrscht das Lesen, denn in die unterschiedlichen Vergangenheiten dieser Welt einzutauchen ist ihr lieber, als der Kontakt mit ihren Mitmenschen. So wird ihr die wichtige Aufgabe der Leitung des Museums, welches die Geschichte Animas und der Welt beherbergt, zugetragen. Das Museum ist ihr Ein und Alles, doch das soll sich nun ändern.

Ophelia soll zur Arche Pol, hoch im Norden, und verheiratet werden. Der Verlobte Thorn ist ein großer Mann weniger Worte und so kalt wie der Ort, an welchen Ophelia sich begeben soll. Die junge Animisten versteht die Welt nicht mehr – warum wurde sie auserkoren? Was hat es mit dieser Verlobung auf sich? Jedoch ahnt sie nicht welche tödlichen Intrigen und Offenbarungen auf sie warten. Selbst ihre künftige Schwiegerfamilie, der Klan der Drachen, scheint gegen sie zu arbeiten – wie lange es wohl dauert, bis sie ihre Krallen zu spüren bekommt?

Zusammen mit Ophelia entdeckt man beim Lesen von Die Verlobten des Winters immer neue Geheimnisse. Je mehr man liest, umso tiefergehend wird die Geschichte gesponnen, immer wieder werden neue Details aufgegriffen und phantasievoll ausgeführt. Ophelia ist eine ungeschickte Antiheldin, mit der man sich schnell identifizieren kann, da man erst im Laufe der Geschichte feststellt, was sie eigentlich ausmacht. Auch dem Verlobten Thorn nähert man sich weiter an und man lernt seine Art nachzuvollziehen. Christelle Dabos schreibt die Geschichte sehr einfühlsam und sensibel, nichts wird einfach übergangen. Vor allem das Zusammenspiel von Bedrohlichkeit und Charme wird immer wieder hervorgehoben, sei es auch nur in einem liebevollen, aber auch tödlichen Schal.

Mich persönlich hat das Buch sofort überzeugt. Christelle Dabos hat eine einzigartige Welt mit komplexen Charakteren und Gegenständen geschaffen. Die detailreiche Erzählung führt zwar dazu, dass sich die Geschichte streckt und einige Informationen auf sich warten lassen – doch macht dies, meiner Meinung nach, den Reiz aus. Wie sehr mir Die Verlobten des Winters gefallen hat, zeigt sich wohl daran, dass ich mir schon den zweiten Band gekauft und gelesen habe. Spoiler: Auch der zweite Band hat meine Begeisterung für die Geschichte nicht erloschen.

Vielleicht kann sie Dich ja auch in ihren Bann reißen?

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