Mai 2016: Im Verborgenen

Der Saatguttresor von Spitzbergen

Eingang des Svalbard Global Seed Vault Bild: ILRI/Jean Hanson / flick.com unter CC-BY-NC-SA
Eingang des Svalbard Global Seed Vault
Bild: ILRI/Jean Hanson / flick.com unter CC-BY-NC-SA

Handelt es sich dabei um verborgene Schätze unserer Gesellschaft, die das Leben auf der Erde bei einem Notfall retten können? Oder eher um den utopischen Versuch, Menschen die Angst vor der Zukunft zu nehmen – ohne eine Gebrauchsanweisung zu liefen?

In einem unterirdischen Bunker auf der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen findet man ein Projekt des Welttreuhandfonds für Kulturpflanzenvielfalt zur Aufbewahrung von Saatgut. Mehrere Tausend unterschiedliche Samen aus den verschiedensten Ländern warten hier auf ihren Einsatz. Darunter befinden sich Nutzpflanzenarten wie Mais, Kartoffeln, Reis oder Weizen. Eine Welt ohne diese Lebensmittel ist kaum vorstellbar, sowohl hier in Deutschland als auch anderswo kann man sich nur schwer vorstellen, auf sie zu verzichten.

Das Ziel des Projektes ist es, eine Kopie des Saatgutes als Reserve sicher aufzubewahren. Zur Anwendung kommen die Samen im möglichen Ernstfall. Diese können durch die Umwelt ausgelöst werden, wie beispielsweise durch eine Dürre oder die Klimaerwärmung. Oder aber Bürgerkriege, wie in Syrien, machen es irgendwann nötig, auf die Reserven zurückzufreifen. Das heißt der Tresor ist zwar für die Zukunft gebaut, diese kann aber schon morgen beginnen.

Solche Aussagen sind immer angsteinflößend. Da klingt es schon ein wenig beruhigend, wenn uns vermittelt wird, dass es für den Notfall einen “Plan B” gibt. Doch sollten wir uns auf diesen Weg verlassen, oder den Fokus nicht lieber auf andere Maßnahmen legen?

Saatguttresor von Innen Bild: Global Crop Diversity Trust/ flickr.com unter CC-BY-NC-SA
Saatguttresor von Innen
Bild: Global Crop Diversity Trust/ flickr.com unter CC-BY-NC-SA

Dieses scheinbar futuristische Unternehmen soll eine Saatenvielfalt für die nächsten Generationen bieten. Wird jemand in der Lage sein den Tresor nach einer Katastrophe zu öffnen? Braucht man für den Fall eine Gebrauchsanweisung?

Zu vergleichen ist dieses Projekt mit der Arche Noah aus der Bibel. So wie Noah  Menschen und Tiere vor einer Flut rettete, wird in dem Tresor Saatgut gerettet. Hier ist es geschützt vor einer möglichen Katastrophe, von der wir noch nicht wissen wann, wo und in welcher Form sie kommen wird.

Seit 2006 befindet sich der Tresor, auch Svalbard Global Seed Vault genannt, in der arktischen Kälte, durch Betonwände von äußeren Einflüssen behütet. Doch die Klimaerwärmung könnte für den Tresor zu einer großen Gefahr werden. Denn ändert sich die Umgebung, sind die Voraussetzungen für die Aufbewahrung der Samen nicht mehr optimal.

Durch den Klimawandel oder andere Umwelt Einflüssen kann es außerdem dazu kommen, dass das Saatgut, wie es momentan vorliegt, nicht mehr genutzt werden kann. Es wäre also von Vorteil eine Methode zu finden, die es ermöglicht, die Samen zu schützen und gleichzeitig an die neuen Umwelteinflüsse zu gewöhnen. Doch ist dies anscheinend nicht möglich – oder einfach zu arbeitsintensiv.

Der kleine persönliche Garten Bild: Franziska Venjakob
Der kleine persönliche Garten
Bild: Franziska Venjakob

Auf der anderen Seite ist es heutzutage mindestens genauso wichtig, die globalen Umweltprobleme zu bekämpfen, indem man die finanziellen und politischen Mittel dafür einsetzt, Ökosysteme und Schutzgebiete zu sichern. Denn wenn man dafür sorgt, dass Nutzpflanzen erst gar nicht aussterben, muss man auch keinen Plan B haben.

Doch dazu lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt nur sagen, dass es enorm wichtig ist, zu handeln, um den Pflanzen wie dem Planeten eine Zukunft zu ermöglichen – damit wir auch in Zukunft von großen Kartoffelfeldern wie dem Garten vor unserem Haus profitieren können.

Dazu sagte schon Franklin D. Roosevelt:

Im Leben gibt es Schlimmeres als keinen Erfolg zu haben: Das ist, nichts unternommen zu haben.

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