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Zero Waste – Blanke Utopie oder eine echte Alternative?

Seit ich mich intensiver mit dem Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit auseinandersetze, habe ich damit angefangen meinen eigenen Lebensstil genauer unter die Lupe zu nehmen und mir bewusst zu werden, mit welchen Produkten ich mich im Alltag umgebe. Dabei ist mir aufgefallen, dass mein Plastikkonsum wahnsinnig hoch ist, obwohl ich versuche auf plastikfreie Alternativen umzusteigen – die mit einem Studentenbudget manchmal aber einfach nicht drin sind – und das ist ziemlich frustrierend. Diese Unzufriedenheit hat mich zu meiner heutigen Buchempfehlung geführt: Zero Waste Home von Bea Johnson!

topic of the day: zero waste

Die Zero Waste Bewegung ist erst seit einigen Jahren in der Öffentlichkeit angekommen und setzt sich dafür ein, so wenig Müll wie möglich entstehen zu lassen. Leider finden in den Medien häufig nur Hardliner Nennung, die komplett auf Müll verzichten und von jedem anderen Menschen dasselbe erwarten! Das ist aber nicht bedingungslos möglich, denn es hängen einige Faktoren davon ab, ob unser Wohnort ein weitestgehend müllfreies Leben zulässt oder eben nicht. In Bonn gibt es meines Wissens nach beispielsweise keinen Unverpackt-Laden und ich habe leider nicht die Zeit, extra nach Köln zu gurken, um meinen Wocheneinkauf zu erledigen… Bea Johnson hat diese Abhängigkeiten erkannt und zeigt Euch praktikable Alternativen auf. Vorweg möchte ich anmerken, dass mir das Buch besonders wegen der positiven Einstellung der Autorin gefallen hat! Ihr geht es nicht darum, dass man seinen Lebensstil auf Biegen und Brechen völlig umkrempelt, nur um diesem Ideal gerecht zu werden. Das hat sie selbst erlebt und war mit ihrem neuen hardcore zero waste lifestyle völlig überfordert. Vielmehr möchte sie das Bewusstsein für den eigenen Lebensstil schärfen und aufzeigen, welche Vorteile ein nicht auf Konsum, sondern auch Erfahrungen ausgerichtetes Leben hat.

Buchtipp: zero waste home

Auf meiner Arbeit bin ich über den Blog „Zero Waste Home“ von Bea Johnson gestolpert, auf dem sie ihr Buch vorgestellt hat. Da mir, wie oben bereits geschildert, meine Unmengen an Plastikmüll tierisch auf den Keks gingen, war ich begeistert davon, einen kleinen und kompakten Ratgeber zu finden und habe mir das Buch bestellt. Darin beschreibt die Autorin ihre Lebensgeschichte und Ursprünge der zero waste Bewegung. Bea Johnson kommt aus einer wohlhabenden Familie und hatte ein scheinbar sorgenfreies Leben. Doch ihr Alltag war ziemlich anstrengend – immer auf der Suche nach neuer Kleidung, neuen Heimtextilien, neuer Deko, neuen Autos und so weiter. Quasi ein waschechter Kapitalist, der Lebensfreude über Konsum generiert hat – bis bei ihr eingebrochen und wertvolles Hab und Gut gestohlen wurde. Durch dieses Schlüsselerlebnis hat sie ihren Alltag und ihre Gewohnheiten auf den Prüfstand gestellt und nach nachhaltigen Alternativen Ausschau gehalten.

In ihrem Buch mit dem englischen Titel „zero waste home: the ultimate guide to simplifying your life“ (dt.: zero waste home – glücklich leben ohne Müll) beschreibt sie diesen Prozess, bei dem es ihr gelingt, nicht mehr als ein Marmeladenglas voller Müll im Jahr zu produzieren, und das bei einem 4-Personen-Haushalt! Jedoch reicht das den „Hardlinern“ der Szene nicht aus, sie wird bspw. dafür kritisiert, dass sie nicht auf Klopapier verzichtet. Genau diese Haltung ist der Knackpunkt der ganzen Bewegung und führt dazu, dass sich viele vom Thema abwenden – den meisten geht es um maximale Umsetzung, womit man den Großteil der Menschen abschreckt, die entweder nicht die Zeit dazu haben, ihren kompletten Alltag von heute auf morgen umzustellen oder schlichtweg nicht die finanziellen Mittel, um ausschließlich Bio- und FairTrade-Produkte zu kaufen. Doch Bea schafft es alle mit ins Boot zu holen! Aus meiner Sicht ist das Buch deshalb sehr lesenswert, da der Autorin bewusst ist, dass zero waste in unserer heutigen Zeit leider nur ein unerreichbares Ideal bleiben kann, aber eins, für das es sich zu kämpfen lohnt! Denn neben den gesundheitlichen Vorteilen, die ein müll- und vor allem plastikfreier Alltag mit sich bringen, spart sie auch noch bis zu 40 % von ihren Ausgaben ein, die sie mit ihrem vorigen Lebensstil hatte. Zero waste ist also nicht teurer, wie die meisten wohl denken, sondern viel günstiger! Es ist definitiv einen Versuch wert!

Und die Moral von der Geschicht?

Letztens bin ich über einen Artikel gestoßen, der sich mit dem Plastikkonsum der Deutschen beschäftigte, und in einer Untersuchung kam raus, dass in keinem anderen EU-Staat so viel Plastik verbraucht wird wie in Deutschland! Dabei meinen wir doch immer, dass sich die ganze Welt eine Scheibe von unserer Nachhaltigkeitsnation abschlagen sollte, weil wir unseren Müll trennen… Tja, weit gefehlt, denn mit unserer deutschen Arroganz und Ignoranz tragen wir massiv dazu bei, dass jedes Jahr pro Kopf rund 40 kg Plastikmüll im Meer landen! 82 Millionen mal 40 kg ergibt unglaubliche 3.280.000.000 kg Plastikmüll pro Jahr! Bei dieser unfassbaren Menge ist es natürlich kein Wunder, dass man auch schon in der Arktis Unmengen an Plastikpartikeln gefunden hat… Diese Entwicklung können wir nicht mehr rückgängig machen, aber noch bleibt uns Zeit, die Umweltschäden in Grenzen zu halten. Zero Waste kann dabei eine reale Alternative sein, denn indem wir uns als Verbraucher von Dingen fernhalten, die Plastik enthalten, tragen wir dazu bei, dass die großen und kleinen Unternehmen umdenken. Sie wollen schließlich weiterhin Marktführer bleiben und ihre Produkte an den Mann bringen! In einem früheren Artikel von mir habe ich ja schon einige Tipps mit auf dem Weg gegeben, wie Ihr Plastik reduzieren könnt. Probiert es einfach mal aus!

 

 

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