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Aktuelles Alltag Frauenfrage - Kolumne Gesellschaft

Wüstenblumen

Genitalverstümmelung, Zwangsernährung mit 16.000 Kalorien am Tag oder Kinderhochzeiten. Weltweit werden Tag für Tag Mädchen ihrer Rechte beraubt und ihrer Zukunft und Freiheit beraubt- um den Männern zu gefallen.

„Frauenfrage“, eine Kolumne von Louisa Albrecht

Aufmerksam auf das Thema Genitalverstümmelung wurde ich die Verfilmung von „Wüstenblume“ der Biografie von Waris Dirie, die als Model und Menschenrechtsaktivistin bekannt berühmt wurde. In ihrem Buch schildert sie ihren Weg von Somalia nach London, den sie antrat, als sie im Alter von 14 Jahren an einen wesentlich älteren Mann verheiratet werden sollte. Beschnitten war sie zu diesem Zeitpunkt schon lange- die Klitoris und Teile der Schamlippen wurden entfernt und anschließend eng zusammengenäht, damit niemand außer ihrem späteren Ehemann mit ihr schlafen kann. Damit er dies tun kann, muss das Mädchen erstmal wieder aufgeschnitten werden.

In Kenia schenken Männer Mädchen Perlen um sie für sich zu reservieren- für Sex. Heiraten werden diese Mädchen jedoch niemals den Mann, der ihnen Perlen schenkte, sondern einen anderen.
Ebenso müssen in Mauretanien Mädchen leiden- knapp 16.000 Kalorien müssen dort Mädchen ab dem Alter von teilweise 7 Jahren täglich zu sich nehmen um später schön fett zu sein. Denn eine fette Frau gilt als Statussymbol dafür, dass der Mann mehr als genug Geld hat und wird für fähig gehalten, gesunde Kinder zu gebären.

Dies sind nur drei Beispiele von unzähligen Ritualen, die Mädchen für ihr ganzes Leben lang zeichnen und teilweise in Lebensgefahr bringen, damit Männer sie schön finden.
Dass Männer die Schönheitsideale für Frauen diktieren ist nichts neues und im Westen wird sich dagegen auch zunehmend gewehrt (mit durchmischtem Erfolg), doch wie lange wird es noch so weltweit weitergehen, dass Frauen ihren Körper ruinieren müssen?

Gesellschaftlicher Wandel vollzieht sich langsam und von unserem Standpunkt aus können wir vermutlich nicht viel mehr für die Mädchen in beispielsweise den afrikanischen Ländern tun, als Organisationen, die Aufklärungs-, Hilfs- und Schutzarbeit leisten zu unterstützen (UNRIC, Care, Unicef, Terre des Femmes etc.) und hier zu uns selber zu stehen, uns zu lieben und nicht von den Schönheitsidealen anderer abhängig zu machen. (Und ja, mir ist klar, dass das viel, viel leichter gesagt ist, als getan.)

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