Quelle: http://www.woki.de/event/13918
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WOKI – Das Beste Kino Deutschlands im Interview

Was wir Bonner schon lange wissen, ist nun amtlich: Unter 1600 teilnehmenden Kinos, wurde das WOKI zum ‚Lieblingskino Deutschlands 2017‘ gekürt. Wie genau es dazu kam, welche Prozesse hinter den Kulissen abliefen und was sich seitdem getan hat, erzählt uns Felix Bresser.

Ein Interview mit Felix Bresser, Theaterleitung und Marketing im WOKI Bonn

Wie wurdet ihr über die Aktion ‚Deutschlands Lieblingskino 2017‘ informiert?

Wir  haben vor einigen Monaten eine E-Mail bekommen, wo wir über die Aktion informiert worden sind. Das ganze ist eine Sache von moviepilot, einem sehr großen Forum für das Thema Film im Allgemeinen, aber auch das Thema Kino. Dahinter steckt noch die Agentur HERZ&SÄLE, die sitzen in Berlin und sind sehr engagiert wenn es um Promotion- und Marketing Aktionen rund ums Kino geht. HERZ&SÄLE kümmern sich sehr um Kinos, arbeiten immer mit den Kinos zusammen und entwickeln ganz tolle Konzepte, was man so mit seinen Gästen alles machen kann. Sie haben dann darüber informiert, dass sie zum ersten Mal in Deutschland so eine Aktion machen wollen, weil sie ein bisschen „Awareness“ für das Thema Kino schaffen wollten und sich gedacht haben, dass das etwas wäre, wo man die Kinobetreiber am Ehrgeiz packen könnte und sagen könnte – jo, wir tun mal ein bisschen was und bringen das Thema nach vorne – und da ist natürlich moviepilot ein sehr starker Partner für, der natürlich, aufgrund der großen Reichweite dafür sorgen kann, dass viele Leute von dieser Aktion mitbekommen.

Wie habt ihr für Euer Kino geworben?

Ganz am Anfang war es so, dass wir gar nicht großartig viel machen mussten, denn sämtliche Kinos in Deutschland wurden  auf einer Internetseite angelegt, d.h. das waren um die 1600 Kinos, die darin eingebettet worden sind. (wo das Publikum für abstimmen konnte.) Rein theoretisch lief es so, dass wir auch nichts hätten machen müssen. Wären irgendwelche Leute auf die Internetseite aufmerksam geworden, dann hätten sie vielleicht für uns abgestimmt oder eben nicht. Wir haben uns dann dazu entschieden, die Aktion ein bisschen öffentlich zu machen und auf unsere Gäste zuzugehen und dachten uns, es wäre schön eine nette Platzierung bei der ganzen Sache zu bekommen. Wir haben das ganze individuell gemacht. Wir hätten auch Vorlagen gehabt, um das ganze copy&paste bei Facebook einsetzen zu können, um das dann irgendwie zu bewerben. Das haben wir nicht gemacht, sondern wir haben es tatsächlich so gemacht, wie wir immer sind, nämlich mit Teamfoto und persönlichem Texten dazu. Das ist ganz gut angekommen. Das ist sogar zu dem Zeitpunkt schon so gut angekommen, dass die Leute, die dahinter steckten, schon darauf aufmerksam geworden sind, dass das Thema in Bonn ganz groß war und das auch die Reichweite der Fabebook-Posts ziemlich groß war und das hat die schon damals sehr begeistert. Es gab eine gewisse Phase, in der man als Kunde abstimmen konnte, das ging bis zum 30.11.2017, und danach ging es dann eine Runde weiter.

Wann habt ihr eine erste Rückmeldung zu eurem Ranking bekommen?

Wir haben am 30.11.2017 noch gar nicht groß erfahren, was für ein Ranking wir gemacht haben, und waren da natürlich schon die ganze Zeit gespannt, weil wir echt viel zu dem Thema gemacht haben und die Kunden auch immer wieder daran erinnert haben, dass sie abstimmen können. Dann haben wir die Meldung bekommen, dass wir in die Top 100 gekommen sind – da waren wir schon ziemlich aus dem Häuschen! Was uns noch mehr begeistert hat, ist, dass diese Meldung, dass wir in die Top 100 gekommen sind, auch dazu geführt hat, das sich die lokale Presse in Form von General Anzeiger und Express auch des Themas angenommen hat, und sofort darüber berichtet hat, sowohl Online als auch in den Print-Ausgaben und das sind natürlich Sachen, wo wir uns extrem drüber freuen können! Wir haben zu dem Zeitpunkt schon bemerkt, dass das Thema in Bonn ziemlich gut ankommt, und haben uns dann mit einer E-Mail auseinander setzen müssen, wo uns erklärt worden ist, wie es weitergeht, wenn wir weitermachen wollen.  Man hätte auch sagen können – ‚Ja, dankeschön, man ist unter den Top 100 und das wars‘  – und da haben sich auch ein paar Kinos für entschieden, weil der Dezember der stressigste Monat ist, den man im Kino haben kann. Da haben wir die meisten Besucher und auch die meisten Filme. Viele Zulieferer haben geschlossen, man muss viel Ware bestellen, man muss die ganzen Urlaube koordinieren, die ganzen Gäste koordinieren, man hat unheimlich viel zu tun.

Ihr habt Euch entschieden weiterzumachen. Was waren die nächsten Schritte?

In der E-Mail hieß es, es gibt einen Fragebogen, den man nach gewissen Kriterien ausfüllen kann. Dort wurde man über sein Kino befragt, und diesen Fragebogen musste man bis zum 31.12. 2017 bei der Jury abgeben oder man konnte optional etwas einreichen. Was man einreichen wollte, war relativ egal, es wurde auch geschrieben, man kann Videos einreichen, oder Bilder, oder Gedichte, wo einem auch der Sinn nach steht, wenn man sagt, man möchte sein Kino repräsentieren. Wir haben uns dazu entscheiden ein Video zu drehen und da wir ohne unsere Kunden gar nichts sind, haben wir uns dazu entschieden unsere Kunden über uns sprechen zu lassen. Wir haben da keine Vorgaben gemacht, sondern gute Freunde des Hauses angeschrieben, und gesagt, wir würden uns freuen, wenn Du uns ein bisschen was über unser Kino erzählen würdest. Daraus haben wir dann in Windeseile ein Video zusammen geschnitten und das am 31.12.2017, am Stichtag der Aktion, zusammen mit unseren Bewerbungsunterlagen nach Berlin geschickt. Dann haben wir erstmal gar nichts mehr gehört, wir haben nur mitbekommen, dass die Dateien heruntergeladen worden sind, mehr wussten wir nicht.

Wann habt ihr erfahren, dass ihr gewonnen habt?

Letzte Woche, vom 16.1 – 19.1.2018  war eine große Branchenveranstaltung, die Filmwoche in München, da trifft sich immer die gesamte Kinobranche, d.h. sowohl die Filmverleiher als auch die Kinobetreiber, denn dort werden die Filmstaffeln der Major-Labels vorgestellt. Das bedeutet, wir sitzen da zu 1500 Leuten und schauen von Dienstag bis inklusive Freitag Kurzausschnitte, Trailer und alles Material, was eben schon zur Verfügung steht und im Rahmen dieser Veranstaltung gab es dann auch einen kurzen Slot, wo das Deutsche Lieblingskino präsentiert wurde. Wir saßen im Publikum und waren ziemlich aufgeregt, weil wir nicht wussten wohin die Reise geht. Das Ganze wurde auch anmoderiert und die Moderatoren sagten dann, dass es eine Vorauswahl gab, eine Top 10 in Deutschland. Und diese Top 10 wurde dann nach und nach eingeblendet, und Name nach Name kam auf diese Leinwand und es standen schon neun Namen da, und ich saß im Kino und dachte mir – ‚Ok, dankeschön, das wars dann‘. Und dann stand als zehnter Name tatsächlich unser Name da! Und dann hab ich mich natürlich schon extrem gefreut, dass wir in die Top 10 gekommen sind. Die nächste Chart auf dem Bildschirm war dann ein schwarzer Hintergrund mit goldenen Buchstaben »And The Winner Is…« – und auf einmal stand da riesengroß unser Name auf der Leinwand! Und da waren 1500 Kinobetreiber und Verleiher, die applaudiert haben und dann standen meine Kollegen schon neben mir und haben gesagt, ‚Du musst aufstehen! Du musst aufstehen!‘. Ich hab da nicht direkt so ganz verstanden, was da gerade passiert und im nächsten Moment stand ich auf der Bühne. War ziemlich abgefahren – war crazy!

Was hat sich seitdem für euch verändert? Habt ihr neue Anfragen von Sponsoren, Filmverleihern oder ähnlichem bekommen?

Es ist ja erst eine Woche her. Wir sind gerade in einer Phase in der sich sehr, sehr viel tut. Erstmal hat sich natürlich die Presse auf das Thema gestürzt, also nicht nur die Print-Medien oder die Online-Medien, sondern auch das Fernsehen. Die WDR Lokalzeit hat darüber berichtet, das Radio hat berichtet, Radio Bonn/Rhein-Sieg hatte es an einem Tag in jeden Hauptnachrichten und hat noch ein Feature dazu gebracht und am Mittwoch kommt die Regionalzeit aus SAT1 und wird dann auch noch Interviews machen, also da tut sich schon mal sehr viel. Was uns sehr freut, ist, dass wir da natürlich auch einen gewissen Bekanntheitsgrad noch erreichen. Wir finden es besonders schön für die Stadt, natürlich ist es auch für unseren Standort schön, aber für die Stadt ist es noch toller. Und was sich desweiteren tut, das habe ich schon in München gemerkt, ist, dass uns unheimlich viele Leute gratuliert haben und zwar ehrlich gratuliert haben. Uns haben auch Leute gratuliert, die ich vorher noch nie in meinem Leben gesehen hatte, und die sich dann auch vorgestellt haben. Worüber ich mich ich sehr gefeut habe,ist,  dass da auch Kinobetreiber waren, die das ganz, ganz toll fanden, dass ein unabhängiges Haus und kein großes Ketten-Kino diesen Preis gewonnen hat und die uns auch gefragt haben, wie wir unser Haus führen, und das ist natürlich eine große Ehre und das freut dich natürlich auch extrem. Ja, es ist auch so, dass Firmen auf uns zukommen, mit uns zusammen arbeiten wollen,  und die sich auch irgendwie in unserem Haus platzieren wollen, weil sie merken, dass das eine starke Marke ist, mit der man auch gut zusammenarbeiten kann. Ja, also es tut sich gerade einiges, über ein paar Sachen kann man noch nicht sprechen, weil es noch nicht spruchreif ist.

Was erhofft ihr euch durch den Preis für das Jahr 2018?

Wir haben ein sehr schönes Jahr vor uns, weil wir dieses Jahr 20 Jahre WOKI haben und können dementsprechend mit diesem Titel auch nochmal gucken, wie wir unsere Zwanzig-Jahr-Feier gestalten können und hoffen, dass wir da auch ein bisschen mit den Filmverleihern checken können, ob wir dieses Jahr nicht Filmpremieren hierher bekommen, wo vielleicht auch Schauspieler, Darsteller usw. hinkommen. Das wäre natürlich eine sehr schöne Sache für die Stadt, würde ich toll finden, das große Premieren nicht nur in Hamburg oder München, sondern auch mal in einer mittelgroßen Stadt wie Bonn sind.

23.01.2018

 

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