Haustür-Schlüssel
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Wohnst du schon oder suchst du noch?

Die Suche nach einer neuen Bleibe kann verdammt schwierig sein. Zu klein, zu teuer, zu dreckig, unliebsame Mitbewohner – die Liste der Gründe, die gegen den Einzug sprechen können, ist lang. Und wenn man schließlich glaubt, die perfekte WG  gefunden zu haben, heißt das noch lange nicht, dass Mitbewohner und Vermieter das genauso sehen.

Diese Erfahrung musste ich selbst vor kurzem machen, als ich für meinen Master nach Mainz gezogen bin. Anfangs war ich noch motiviert. Meine letzte Suche nach einer WG in Bonn war bereits einige Jahre her. „Einfach mal bei WG-Gesucht schauen und dann wird schon was Passendes dabei sein“, dachte ich also. Und freute mich zu früh.

Von Dusche in der Küche bis 500 Euro kalt

Mindestens 100 Wohnungen und WGs schrieb ich an. Eine Antwort erhielt ich von höchstens einem Drittel. Anschauen durfte ich mir etwa zehn, bei einem Besichtigungsmarathon am Wochenende. Es war alles dabei: von heruntergekommenen WGs, in denen der Vormieter im Zimmer geraucht hatte und die gelblichen Tapeten von den Wänden blätterten, bis zu kernsanierten Studentenwohnungen für rund 500 Euro – „dafür in Top-Lage“, wie mir der Vermieter versicherte. Rein gepasst hätten in das 12-Quadratmeter-Zimmer neben der Küchenzeile gerade mal ein kleines Bett und ein Kleiderschrank, gegessen hätte ich dann wohl im Bett. Mein persönliches Highlight war jedoch eine Ein-Zimmer-Wohnung ohne Badezimmer, dafür mit Toilette im Treppenhaus und einer großen Küche, in die praktischerweise auch die Dusche passte.

Studentenstädte sind überdurchschnittlich teuer

Dass die Wohnungssituation in Studentenstädten immer schwieriger wird, hat auch das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) erkannt. In Städten wie Bonn, Köln und Mainz fehlt vor allem bezahlbarer Wohnraum. Immer mehr Studierende ziehen in Uninähe, doch diese Lage ist auch für Auszubildende und junge Erwerbstätige attraktiv. Und während das Angebot an bezahlbarem Wohnraum immer knapper wird, treiben möbliert vermietete Wohnungen die Preise zusätzlich in die Höhe.

All das geht aus dem kürzlich veröffentlichten Studentenwohnpreisindex des IW hervor. Seit 2010 seien die Mieten in Bonn um knapp 25 Prozent gestiegen, für eine 20 Quadratmeter große Wohnung in Uninähe zahlt man aktuell 422 Euro. Köln ist mit durchschnittlich 403 Euro sogar günstiger. Besonders teuer ist das Wohnen in München: Hier werden im Schnitt 18,40 Euro pro Quadratmeter verlangt, in der zweitteuersten Stadt Stuttgart sind es 14,90 Euro. Für Bonn und Köln geht das Institut von ca. elf Euro pro Quadratmeter aus.

Zum Vergleich: Gerade einmal 250 Euro beträgt die Wohnpauschale beim BAföG. Zwar gibt es in Bonn und Sankt Augustin insgesamt 59 Studentenwohnheime, in denen es sich so günstig wohnen lässt. Die Zimmer reichen jedoch nur für etwa elf Prozent aller Studierenden aus der Region.

Was verspricht Jamaika?

Das Thema Wohnen wurde auch in den Bundestagswahlprogrammen der wahrscheinlichen Koalitionspartner Union, FDP und Grüne aufgegriffen. Von Union und FDP ist allerdings keine große Verbesserung für Studierende zu erwarten. Die FDP möchte die Mietpreisbremse ganz abschaffen und stattdessen den Kauf von Immobilien mit einem Steuerfreibetrag erleichtern. Das kommt Familien zugute, ebenso wie die Forderung der Union nach einem Baukindergeld (1.200 Euro jährlich pro Kind für einen Zeitraum von zehn Jahren). Allerdings möchte die Union 1,5 Millionen neue Wohnungen bauen und so auch mehr studentischen Wohnraum schaffen. Lediglich die Grünen setzen sich für eine Mietpreisbremse ohne Hintertür ein, wollen eine Million dauerhaft günstige Wohnungen bauen und außerdem das Wohngeld verdoppeln.

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