Bonner Studierende im Gespräch bei der BILD-Zeitung. Quelle: Sarah Herpertz
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„Wir wollen, dass Sie unseren Fakten vertrauen“ – was die BILD-Zeitung gegen Fake News unternimmt

Obwohl die BILD-Zeitung seit Jahrzehnten mit über 1,6 Millionen verkauften Exemplaren Deutschlands auflagenstärkste Zeitung ist und auch online sehr erfolgreich funktioniert, gibt es sicher keinen Publisher, der so oft mit Fake News oder pietätlosem Journalismus in Verbindung gestellt wird. Dagegen hat die BILD allerdings einiges im Petto.

Von Sarah Herpertz

Christian Stenzel Foto: Christian Knieps
Christian Stenzel: Ressortleiter der Redaktion Politik und Wirtschaft bei der BILD-Zeitung.
Foto: Christian Knieps

Bei Facebook Live stellen sich die BILD-Redakteure der Kritik der Leser

Als selbsternannter „First Mover“ ist sich die BILD-Zeitung über den Vorwurf der Fake News, die für alle Medien gleichermaßen gilt, sehr wohl bewusst und stellt sich seit einiger Zeit live in aller Öffentlichkeit der Kritik der Leser. Bei Facebook Live können Leser und User täglich mit dem Autor des Kommentars auf Seite 2 der Tageszeitung diskutieren. Eine Art der Interaktion, die wir so noch nicht gesehen haben. Doch warum macht die BILD-Zeitung das und wie muss sich ein Redakteur vor einer großen, anonymen Facebook-Gemeinde fühlen? Immerhin folgen schon alleine der Haupt-Facebook-Seite der BILD-Zeitung über zwei Millionen Menschen.

Die Diskussion bei Facebook Live wird derzeit testweise durchgeführt. Es handelt sich dabei vorrangig um ein Angebot der Interaktion für Leser und User, wie mir Christian Stenzel, Ressortleiter der Redaktion Politik und Wirtschaft bei der BILD-Zeitung erklärt. Die ersten Zahlen sprechen auf jeden Fall für das neue ‚Format‘. Doch es kommt in diesem Chat nicht nur darauf an, dass der Autor eines Kommentars (freiwillig) seine Meinung diskutieren bzw. rechtfertigen kann. „Manchmal ist es auch spannend, einfach zuzuhören. Die Leser berichten uns im Chat auch von ihren eigenen Erfahrungen, ihrem eigenen Erleben, was für jeden Journalisten ein wertvoller Input ist.“

In seinem Kommentar über die schlechte Bezahlung von Pflegepersonal am Tag der Pflege hat Stenzel zum Beispiel über Facebook Live mit Pflegern selbst gesprochen, die sich in den Chat eingebracht haben. „Ich habe zum Beispiel in meinem Freundeskreis keine Pfleger. Wenn ich also etwas über Pfleger und ihre Sorgen wissen will, muss ich einen Experten fragen oder ich frage einfach die Leute selbst, zum Beispiel bei Facebook Live.“

Tatsächlich schreiben ihm in den Kommentaren seines Facebook-Live-Videos viele betroffene Pfleger, die über die schlechte Bezahlung und Arbeitszustände berichten. Ebenso schreiben ihm auch junge Menschen, die gerne in der Pflege arbeiten würden, aber nicht wissen wie.

Genau das ist laut Stenzel auch das Erfolgsgeheimnis der BILD-Zeitung. „Wir haben keinen Dünkel. Wir gehen überall hin, wir reden mit allen Leuten mit dem selben Respekt – mit dem Bauarbeiter wie mit der Bundeskanzlerin.“ Dabei sehen sich die Redakteure als Querschnitt der Gesellschaft, die über das berichtet, was sie selbst interessiert. „Von der Cyberattacke, über GZSZ bis zum neuesten Tweet von Donald Trump, dieser Mix macht unseren Erfolg aus.“

Ein Ombudsmann recherchiert die Fakten im Haus nach

Gegen Fake News: BILD-Ombudsmann überprüft die Fakten im Auftrag der Leser. Foto: Jens Oellermann
Gegen Fake News: BILD-Ombudsmann Ernst Elitz überprüft die Fakten im Auftrag der Leser.
Foto: Jens Oellermann

Bei Facebook Live geht es vor allem darum, die Grenzen zwischen Publisher und Leser weicher werden zu lassen. Dafür steht auch der Ombudsmann ein, den die BILD-Zeitung im Frühjahr 2017 eingeführt hat. Ernst Elitz, Gründungsintendant des Deutschlandradios und Honorarprofessor an der Freien Universität Berlin, bildet als unabhängige Instanz bei der BILD-Zeitung das Sprachrohr zwischen Redaktion und Leser. Wann immer ein Lesen der Meinung ist, dass eine Geschichte bei der BILD-Zeitung verzerrt oder falsch dargestellt wird, kann den Ombudsmann kontaktieren. „Wir wollen, dass Sie unseren Fakten nicht nur vertrauen, sondern sie transparent nachvollziehen können“, heißt es bei BILD.de. Er wird dann im Auftrag der Leser in der Chefredaktion nachrecherchieren, ob Fakten und Quellen wirklich stimmen. „Wir werden keinen Einfluss auf sein Urteil nehmen und es veröffentlichen, wann immer er es von uns verlangt“, beteuert die BILD. Tatsächlich gibt es in den öffentlichen Newslettern des Ombudsmannes Fälle, in denen er seine Kollegen auf Fehler oder Mängel hingewiesen hat, die anschließend verbessert wurden.

Der Ombudsmann soll also nicht nur das Vertrauen der Leser an die Marke BILD stärken, sondern dient der Zeitung auch als Selbstkorrektur. „Es ist nichts gefährlicher, als sich selbst nicht in Frage zu stellen. Die Leser sind immer noch die Menschen, die unsere Arbeit bezahlen und sie haben, finde ich, auch ein Recht darauf, Antworten auf ihre Fragen zu bekommen“, so Stenzel.

 

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