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Wenn das Meer dein Zuhause ist

Ich arbeite an einem Ort, wo andere Menschen Urlaub machen und dies ist ein ganz besonderer Ort: Ein Kreuzfahrtschiff!
Traumhäfen in 70 Ländern und insgesamt 12 Schiffe in der Flotte- das sind die Kreuzfahrtschiffe von AIDA Cruises. Auf dem Schiff mit dem roten Kussmund verbringen viele Menschen die glücklichste Zeit des Jahres und dies macht es zum schönsten Arbeitsplatz der Welt.   

Von Nina Feldkamp

Schon als kleines Kind war ich fasziniert von großen Schiffen und nachdem ich den ersten Urlaub auf dem schwimmenden Hotel mit Kussmund verbracht hatte, war mir eins klar: Es gibt keinen schöneren Ort den Urlaub zu verbringen!
Aber wie wäre es wohl, dort zu arbeiten? Nach einer Woche nicht tschüss sagen zu müssen, sondern dieses Schiff sein Zuhause nennen zu dürfen? Das war ein Traum von mir und dieser Traum ging in Erfüllung.
Ich habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht und arbeite als Gastgeberin mit dem Schwerpunkt „Tanz“. An Bord gebe ich Tanzkurse wie ChaChaCha, Rumba oder auch Wiener Walzer und bringe den Gästen bei toller Musik das Tanzen bei.

Das Basic Safety und das Hafenbecken

Bevor das Abenteuer AIDA jedoch beginnen kann, muss jedes neue Crewmitglied ein 5- tägiges Basic Safety Training absolvieren. Das findet meistens im Aus- und Fortbildungszentrum Rostock statt. Dort lernen die frisch gebackenen Seeleute, wie man sich im Notfall auf See zu verhalten hat. Das Spannende ist, dass man dies nicht nur in einem theoretischen Teil lernt, sondern auch praktisch! Das ist die Herausforderung an diesem Lehrgang… Angst vor kaltem Wasser darf man schon mal nicht haben, da man auch bei Minusgraden ins Rostocker Hafenbecken springen muss. Dabei hat man zwar einen knallorangen Neoprenanzug an, aber angenehm ist die ganze Situation trotzdem nicht. Auch Miriam aus Hannover arbeitet seit 5 Jahren an Bord von AIDA und erinnert sich noch sehr gut an diesen Moment.

„Die größte Überwindung für mich war dieser Sprung ins Hafenbecken. Das klingt erstmal gar nicht so schlimm, aber wenn man da oben steht und während des Sprungs darauf achten muss, die Beine gerade zu halten, ist die Freude groß, wenn man heile unten im Wasser treibt.“

Man baut eine Rettungsinsel auf oder bildet mit den Kollegen eine Kette im Wasser. So würde man im Notfall nicht auseinandertreiben, sondern zusammenbleiben. Auch der freie Fall mit einem Rettungsboot gehört zum Basic Safety dazu. Das Rettungsboot fällt aus 10 Metern ins Wasser und man selber sitzt in dem Boot. Das ist ein Gefühl wie Achterbahn fahren, aber natürlich unter anderen Umständen. Man lernt dort also wirklich wichtige Verhaltensweisen für den Notfall, aber eine Überwindung kostet es schon. Aber wenn der Wunsch nach einem Job auf dem Meer da ist, nimmt man diese Strapazen gerne in Kauf.

Das Crewleben und die Freundschaft

Für AIDA Cruises arbeiten 8.000 Menschen an Bord und 1.000 an Land. Wie zu erkennen ist, ist der größte Teil also auf dem Schiff tätig und das tolle ist, dass diese Menschen aus insgesamt 40 verschiedenen Ländern kommen. Für Miriam ist es jeden Tag aufs Neue faszinierend, wie friedlich die Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen an Bord zusammenleben. Auch ich kann aus Erfahrung sagen, dass dies perfekt funktioniert und man neben neuen Sprachen und auch viele neue Freunde kennenlernt.
Man wächst als Familie zusammen, da man viel Zeit miteinander verbringt. Die Kollegen werden zu Freunden und ein wenig auch zur Familie. Manche Crewmitglieder sind bis zu 10 Monate von der Heimat entfernt und sehen ihre Familie nur über Skype. In solchen Fällen ist es umso wichtiger, dass man sich mit seinen Kollegen versteht.
In der Crewmesse kommen alle Nationen zusammen und essen gemeinsam. Reis ist eine Beilage, die immer in großen Mengen vorhanden ist, da ein großer Teil der Crew aus den asiatischen Ländern stammt. Sonst gibt es meistens eine Auswahl von drei Gerichten und immer frischen Salat und eine Auswahl an Getränken. Es ist natürlich nicht die Auswahl, die die Gäste in den tollen Restaurants genießen, aber völlig ausreichend.
Natürlich gibt es auch eine Bar, die nur für Crewmitglieder zugänglich ist.  Hier kann man einfach mal abschalten, Musik hören oder Karten spielen. Die ein oder andere Crewparty darf natürlich nicht fehlen. Solche Veranstaltungen schweißen die Crew zusätzlich zusammen. Man kann auch sagen, dass die Crewbar das nicht vorhandene Wohnzimmer ersetzt, da man hier seinen Feierabend verbringt. Die Crewkabinen, die man eventuell auch mit einer zweiten Person teilen muss, sind doch ziemlich klein und bieten neben einem Bett und einem Schreibtisch mit Stuhl auch nicht mehr Sitzgelegenheiten. Aber sonst sind die Kabinen völlig in Ordnung und man kann sich gut zurückziehen. Auf der anderen Seite ist man dort sowieso nur zum Schlafen und wenn ich ehrlich bin, bekommt man bei einem Job auf dem Meer nicht allzu viel Schlaf. Einen freien Tag gibt es nämlich nicht!

Der Alltag an Bord ist kein gewöhnlicher

Das Leben auf so einem großen Schiff bringt sehr viele Unterschiede zu einem Job an Land mit sich. Nach einer Woche kommen die neuen Gäste an Bord. So etwas wie Wochenende gibt es also nicht. Jedes Crewmitglied arbeitet sieben Tage die Woche und das bis zu zehn Monate lang.
Ich sehe den Vorteil und die Besonderheit, dass man täglich Menschen um sich hat, die in Urlaubsstimmung sind und die schönste Zeit des Jahres verbringen möchten. Das färbt ab und die täglich gute Laune, die einen umgibt, macht glücklich. Natürlich gilt das vor allem für Crewmitglieder, die wie Miriam und ich, im Gästebereich beschäftigt sind. Miriam arbeitet als Gastgeberin für die Kids und Teens an Bord und hat Kinder um sich, die ihre Ferien auf dem Schiff verbringen. Die sind glücklich, weil sie weit weg von der Schule sind und genießen die freie Zeit.
Meine Tanzkurse sind immer gut besucht und die Gäste haben Lust etwas zu lernen. Ich erinnere mich an Pärchen, die seit über 25 Jahren verheiratet sind, und nie eine Tanzschule besucht haben. Jetzt im Urlaub war die Zeit da, mal ganz unverbindlich einen Discofox-Kurs mitzumachen und siehe da: Sie hatten Spaß dabei und in einer Woche kann man schon einiges lernen.

Das schönste Feedback ist das Lächeln der Gäste 

Wenn Gäste am Ende des Urlaubs zu dir kommen und sich mit einem Lächeln über das ganze Gesicht bei dir bedanken, ist es das schönste Geschenk und man weiß, dass sich die Arbeit gelohnt hat. Auch Miriam empfindet dies ähnlich.

„Ich liebe es zu sehen, wie an Bord innerhalb kürzester Zeit Freundschaften zwischen den Kindern geschlossen werden – häufig auch altersübergreifend. Die Großen helfen den Kleinen und die Kleinen erinnern uns daran, wie es ist, unbeschwert zu spielen und Kind zu sein. Wenn die Kinder mich am letzten Tag mit Tränen in den Augen drücken, weiß ich, dass ich einen guten Job gemacht habe.“

Man bringt die Menschen zum Lachen und ist ein wichtiger Teil ihres Urlaubs. Als Crewmitglied verschönert man den Gästen die glücklichste Zeit des Jahres und das ist ein tolles Gefühl. Täglich in strahlende Gesichter zu schauen, gibt Kraft auch sieben Tage die Woche zu arbeiten. Bei AIDA ist das Lächeln zuhause und das findet man auch im Alltag an Bord wieder.

Wo Sonne ist, gibt es auch Schatten  

All die positiven Erfahrungen sind überschattet von der Tatsache, dass es auch undankbare Gäste gibt. Nicht jeder Mensch weiß die Arbeit eines Crewmitgliedes zu schätzen. Da ist man als Tanzlehrerin oder Kinderbetreuerin auch schon mal Schuld daran, dass das Wetter schlecht ist und der Wellnessbereich an Bord ausgebucht ist.
Zusätzlich darf nicht vergessen werden, dass man für eine längere Zeit weit weg von Freunden und der Familie ist. Da verpasst man schon mal die ein oder andere Hochzeit oder die Geburt des Kindes der besten Freundin. Viel Zeit zum Telefonieren bleibt auch nicht. In der freien Zeit, die man hat, möchte man die Destinationen entdecken, die das Schiff bereist. „Gleichzeitig ist selten genug Zeit um ein Land wirklich kennen zu lernen. Es ist eher ein Eindruck, der mir später hilft zu entscheiden, an welchen Ort ich gerne mehr Zeit verbringen würde“, sagte Miriam zu diesem Thema. Also viel Zeit zum Entdecken der Stadt bleibt nicht. Aber für einen Kaffee in Valencia oder eine kurze Shoppingtour durch Rom reicht es allemal. Solch schöne Momente lassen über negative Aspekte hinwegsehen und machen diesen Job wieder zu einem der schönsten der Welt.

 

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