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Aktuelles Alltag Frauenfrage - Kolumne Gesellschaft

Warum #metoo nichts verändern wird

Wieso sollte ein Hashtag Sexismus verschwinden lassen?

„Frauenfrage“ eine Kolumne von Louisa Albrecht

In den letzten Wochen gab es fast täglich eine neue Entdeckung, einen neuen aufgedeckten Skandal. Ob Produzent oder Schauspieler, der sich anschließend outet oder Minister- es scheint, als ob fast jeder mächtige Mann seine Untergebenen und diejenigen, die von ihm abhängig sind belästigt oder missbraucht hätte.
Manche der Fälle sind auch schon einige Jahre her und man hat das Gefühl, dass mit jedem Missbrauch, der ans Tageslicht kommt, noch drei weitere mit hochgezogen werden. Das Thema „sexuelle Belästigung“ ist so präsent wie selten- und doch hört niemand (mehr) zu.
Viele, die ich kenne, sind nur noch genervt und reagieren kaum noch auf die neueste Entdeckung. Durch die Ausmaße, die jeden Tag größer werden, erschlägt einen das Thema förmlich.
Wer hört jetzt noch zu, wenn der neueste Fall aufgedeckt wird? Wen interessiert es noch?
Denken wir uns nicht: Ach, noch ein Fall. Noch ein Mann, der seine Machtmission missbraucht hat. Lass mich in Ruhe, mich nervt das Thema.

Vermutlich geht es vielen so und irgendwie kann ich es sogar ein klein wenig verstehen. Das Thema ist nicht neu und was wird sich denn ändern?
Wird der Firmenchef aufhören, seiner Sekretärin an den Hintern zu fassen? Vermutlich nicht, denn sie ist allein erziehende Mutter und sie und ihr Kind finanziell abhängig von diesem Mann.
Werden Jungs und Männer aufhören, sexistische Witze zu machen? Nein.
Wird in Zukunft niemand mehr in einem Club begrapscht (unabhängig von der Kleidungswahl)?
Ich bezweifle es.
Und warum?
Weil Sexismus alltäglich geworden ist. Weil sexuelle Belästigung alltäglich geworden ist. Weil viele es sich gar nicht leisten können, dagegen aufzubegehren, weil sie sonst ihren Job, ihre Lebensgrundlage verlieren. Oder weil sich trotzdem genommen wird, was mann will.
Wir leben in einer Welt, in der Frauen nicht nur als schwach, sondern auch als Beute gelten. Mann ist erst ein Mann, wenn er mal eine Frau flach gelegt hat.
Junge Männer lernen, dass sie sich das nehmen sollen, was sie wollen. Und das ist dann nicht nur der Top-Job, sondern auch die Mitarbeiterin.
Frauen wird eingeredet, dass sie selber schuld sind. Der Rock war zu kurz, die Jeans zu eng, die Lippen zu Rot, die Brüste nicht genug verdeckt.

#metoo verändert nicht die Geschlechterrollen in unserer Gesellschaft. Es sorgt nicht für die Abschaffung der Geschlechterbasierten Lohnzahlungslücke. Es sorgt nicht dafür, dass Frauen nicht mehr belästigt werden. Und wie auch? Inzwischen hört doch niemand mehr zu. Inzwischen interessiert es niemanden und der Hashtag ist genauso alltäglich geworden, wie seine Ursache.

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