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Aktuelles Frauenfrage - Kolumne Gesellschaftsleben

Warum Kinder zum CSD sollten

Viele sagen, ein Outing ist heutzutage nicht nötig. Andere halten all die Labels der sexuellen und geschlechtlichen Identität für überzogen. Und trotzdem leben wir in einer heteronormativen Welt, die davon ausgeht, dass wir cisgender sind!

„Frauenfrage“, eine Kolumne von Louisa Albrecht

Am 07.07 diesen Jahres war ich auf meinem allerersten CSD überhaupt. Natürlich wusste ich, dass es die gibt und wenn mensch in der Nähe von Köln wohnt kriegt mensch da auch mal etwas mit, aber tatsächlich war ich nie auf einen, obwohl ich zur Gruppe der Menschen gehöre, für die es so etwas gibt.
In meiner Familie wird teilweise die Meinung vertreten, dass all solche Dinge wie Pansexualität womöglich irgendwas Neues sind, auf dass die Menschheit nicht gewartet hat. Und Outings seien ja völlig unnötig, einfach ganz normal damit umgehen wäre viel besser. Tja, aber es wird eben nicht normal mit allem umgegangen, was von der Heteronormativität in Kombination mit cis-gender (wenn das biologische Geschlecht [sex] mit dem empfunden [gender] übereinstimmen). Ich habe es durch meine komplette Schulzeit geschafft, ohne je über nicht-heterosexuellen Geschlechtsverkehr aufgeklärt worden zu sein und den wohl größten Teil meines Lebens gab es homo- und heterosexuelle Menschen und irgendwie keine Worte für die dazwischen. (Bisexuell hat mensch vielleicht zwar mal gehört, aber irgendwie das Konzept nie beleuchtet bekommen).

Das ist fatal! Ich kenne inzwischen haufenweise Menschen, die auch Bi sind oder asexuell oder irgendetwas ganz anderes und das ist vollkommen okay. Aber wie ich mit einer Freundin neulich feststellte: Wenn mensch die Worte nicht kennt, die etwas beschreiben, wird die Selbstidentifikation echt schwer. Ich sage nicht, dass wir die Leute nach solchen  Labels be- oder gar verurteilen sollen. Im Gegenteil.
Wir müssen aber definitiv offener drüber sprechen, was es sonst noch so gibt und normal damit umgehen. (Und nein, ich finde nicht, dass Kindergartenkinder etwas über heterosexuelle Beziehungen lernen können/ sollen aber mit homosexuellen Beziehungen oder gar Trans*-Identität überfordert würden. Eher wenn sie nicht wissen, dass es das gibt!)

Vielleicht fragt ihr euch jetzt, was das mit dem CSD zu tun hat?
Ganz einfach. Auf dem CSD habe ich Menschen jeglicher Orientierung und Identität gesehen und es war normal. Aber was mir vor allem aufgefallen ist- es gab auch etliche kleine Kinder dort. Für diese Kinder ist es also total normal Frauen* zu sehen, die Frauen* küssen, Männer*, die Männer* küssen… Trans*-Menschen, Asexuelle Menschen, Menschen die bestimmte Fetische ausleben und ganz offen dazu stehen… eben Menschen, die allzu oft als unnormal wegen ihrer sexuellen und/ oder geschlechtlichen Identität diskriminiert werden.
Ich wage zu behaupten, dass der Besuch eines CSD diese Kinder offener und toleranter macht. Sie zu Menschen macht, die nicht nur sagen, dass Diversität in Bezug auf sexuelle und geschlechtliche Identität normal und okay sei, sondern es auch tatsächlich so empfinden.

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