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Wahlkampf im Fernsehen – Hot or Not?

Ein Nachtrag zu den TV-Duellen der SPD und CDU und der 5 kleineren Parteien, sprich CSU, FDP, Grüne, Linke und AfD.

Der Wahlkampf geht in die heiße Phase – in zwei Wochen wird schon der/die nächste Bundeskanzler/in für die Jahre 2017 bis 2021 gewählt! Da es sich also um eine nicht unerhebliche Zeitspanne handelt, sollte die Wahl wohl überlegt sein. Da kommen Gelegenheiten wie die TV-Duelle auf den großen öffentlich-rechtlichen sowie privaten Sendern genau richtig! Hier soll aber weniger der Programminhalt einzelner Parteien im Fokus stehen als viel mehr die Frage, wie sinnvoll solche TV-Sendungen für den Wähler eigentlich sein können. Ihr sollt euch schließlich unvoreingenommen entscheiden können! 😉

Topic of the day: TV-Duelle und ihre Wirkung

Das schöne an der heißen Phase des Wahlkampfs ist die Tatsache, dass den Wahlberechtigten ein sehr einfacher Zugang zu den politischen Themenfeldern und Programmen ermöglicht wird. Dafür muss einfach nur gemütlich auf der Couch oder im Bett Platz genommen und der Fernseher oder Laptop eingeschaltet werden. Im Anschluss wählt man das TV-Duell als Sendung aus, et voilá – Politische Willensbildung at its best wird ermöglicht! An dieser Stelle ein Hoch auf die Erfindung dieser technischen Helfer!

Das TV-Duell: CDU vs. SPD

Doch zurück zum Thema: Das TV-Duell der zwei Kanzlerkandidaten! Zunächst einmal ist es sehr schade, dass es durch Merkels Absage nur zu einem TV-Duell kommen konnte. (Anmerkung: Schließlich hat vor allem die CDU hinsichtlich ihrer Agenda Erklärungsbedarf, da in der Regel immer nur das Was, aber nie das Wie im Vordergrund steht…) Das hatte natürlich erheblichen Einfluss auf die Konzeption der Sendung, da sich nun auf ein kleines Themenspektrum beschränkt werden musste und die jeweilige Redezeit dafür auf wenige Minuten verkürzt wurde. Ihr kennt es garantiert selbst aus dem Unialltag, dass komplexe Inhalte eben nicht in einer Sitzung von 90 Minuten abgefrühstückt werden können. Deshalb wären zwei Sendungen oder mehr Sendezeit einfach passender gewesen, um dem politischen Bildungsauftrag dieses Formats gerechter zu werden! Inhaltlich konnte das aus meiner Sicht also nur so lala werden…

Dennoch fand ich es schön, dass Merkel und Schulz in der Regel etwas ausholen konnten, um Sachverhalte verständlich darzustellen! Die Unterbrechungen seitens der Moderatoren hielten sich in Grenzen. Im Nachgang wurde stark kritisiert, dass die Unterschiede der einzelnen Parteien nicht deutlich gemacht wurden.

Bei Anne Will, was im Anschluss an das TV-Duell ausgestrahlt wurde, fasst Thomas Gottschalk zusammen, dass es wohl keinen Unterschied mache, welche Partei man wähle, da sich CDU und SPD zu sehr ähneln. Bei dieser Perspektive sehe ich jedoch eine große Schwierigkeit: Es wird hier der Eindruck erweckt, dass es egal wäre, wen man wähle, da es per se keinen Unterschied machen würde. Damit kommt wohl der ein oder andere auf die Idee, dass Nicht-Wählen die einfachste Lösung für diese Situation wäre, und das sollte nun wirklich nicht das Ergebnis einer Politiksendung sein! :O

Repräsentative Umfrage = Wahlmanipulation

Nicht nur bei Anne Will, sondern auch beim Deutschlandtrend werden wir ständig mit prozentualen Wahlentscheidungen zugespämt. Solche repräsentativen Umfragen im Wahlkampf halte ich nicht für glaubwürdig, sondern schlichtweg für Wahlmanipulation! Es wird bei keiner einzigen Umfrage aufgeschlüsselt WEN man da eigentlich befragt. Bei Anne Will hieß es ständig, dass rund 1.000 Zuschauer zum Duell interviewt wurden. Diese Zahl kann unmöglich das Meinungsbild von 82.000.000 Menschen in Deutschland wiedergeben!

Deshalb plädiere ich dafür, dass man solche repräsentativen Umfragen und Hochrechnungen auf politischer Ebene einfach mal sein lässt. Ich brauche nicht ständig damit konfrontiert werden, dass eine bestimmte Anzahl an Befragten eine bestimmte Partei präferieren. Denn solche Zahlen erwecken den Eindruck, dass die Wahl schon VOR dem 24. September entschieden wäre! Dieser Umstand lädt ja geradezu zum Nicht- oder „Protest“-Wählen ein! Die meisten setzen aber tatsächlich erst am Wahltag ihr Kreuz, sodass vorab nichts entschieden ist!

Fünf Parteien im direkten Vergleich

Allen, denen das TV-Duell der Spitzenkandidaten von CDU und SPD zu harmonisch erschien, empfehle ich den Fünfkampf zu sichten (den Link dazu und zum TV-Duell findet Ihr unten!). Da kamen sehr wohl unterschiedliche Inhalte und Meinungen der einzelnen Parteien zum Tragen! Wer in einer möglichen Großen Koalition mit am Verhandlungstisch sitzt, ist nicht egal, sondern bestimmt die Entwicklung Deutschlands maßgebend mit! Deshalb bin ich sehr begeistert darüber, dass dieses Format zustande kam.

Allerdings gab es auch hier drei Dinge, die mich in dieser Sendung massiv gestört haben:

  1. Warum ist die Sendezeit bei fünf Menschen, die sich zu verschiedenen Themenfeldern äußern wollen oder können, auf 75 Minuten beschränkt, wohingegen bei Merkel und Schulz 90 Minuten eingeplant wurden? Der Zeitfaktor wurde bei der Planung offensichtlich am meisten ignoriert…
  2. Warum gehen rund fünf der 75 Minuten dafür drauf, um vorzulesen, wie lange jeder einzelne Kandidat bereits an Redezeit verbraucht hat? Da wir doch alle visuelle Wesen sind, reichen uns eingeblendete Minutenzahlen schon aus, um zu kennen, wer auf der zeitlichen Skala vorn und hinten liegt… Das kann jeder Zuschauer leisten.
  3. Wieso werden Politikern das Wort abgeschnitten, obwohl sie eben nicht in einen Monolog verfallen, sondern einfach nur komplexere Sachverhalte nachvollziehbar erörtern? Ich empfand das ständige Wort abschneiden seitens der Moderatoren als äußerst respektlos den Politikern und mir selbst gegenüber! Mir ist schon klar, das damit der Rahmen der Sendung eingehalten werden sollte. Jedoch erwarte ich von Journalisten, gerade von denjenigen, die durch unsere Rundfunkgebühren bezahlt werden, dass sie das Interesse der Zuschauer im Blick haben und nicht das der Sendeleitung! Ihr bekommt schließlich unser hart verdientes Geld dafür!!! Und mich hätte es wirklich interessiert, was alle Parteien zu jedem Thema zu sagen gehabt hätte…

Es war natürlich nicht alles schlecht. Beispielsweise gefiel es mir, dass es in beiden Wahlsendungen zu vielen inhaltlichen Überschneidungen kam. Das versetzt uns in die Position vergleichen zu können und so die bestmögliche Entscheidung als Wähler zu treffen.

Ungünstige Themenauswahl

Trotz der Wichtigkeit der in den Sendungen besprochenen Themenkomplexen ist es für mich nicht nachvollziehbar, warum einige der dringendsten Themen unserer Zeit -Umwelt, Nachhaltigkeit und e-Mobilität – komplett untergegangen sind. Was viele vielleicht nicht mitbekommen, ist die Tatsache, dass uns vor allem China gerade in Lichtgeschwindigkeit im Bereich e-Mobility vorausrast. Damit werden wir künftig auf chinesische Importe angewiesen sein. Und wer die letzten Wochen nicht in einer Filter Bubble gelebt hat, dem ist wohl bekannt, wie bedeutsam die Automobilindustrie für den Wohlstand Deutschlands, und somit auch für Euren Lebensstandard ist.

Auch die derzeitige Lage auf der Karibik und an der amerikanischen Westküste machen hoffentlich deutlich, dass der Klimawandel keine chinesische Erfindung ist, sondern uns schneller einholt als uns lieb ist! Deshalb wäre es bei allen Streitpunkten um bezahlbare Mieten, die Integration von Flüchtlingen und der Rentenpolitik auch mal schön gewesen darüber zu sprechen, wie wir dem Klimawandel entgegenwirken wollen. Positiven Einfluss auf das Klima zu nehmen, ist nicht mal eben durch ein neues Gesetz möglich. Und das Klima ist der einzige über-menschliche Faktor, der unser Überleben ummittelbar und wirklich bedroht.

Am 24. September 2017 wählen zu gehen ist Pflicht!

Aber jetzt genug von mir, schließlich sollt Ihr euch eure eigene Meinung bilden! 😉 Auch wenn Ihr nicht sonderlich politik-interessiert seid, könnt Ihr euch trotzdem nicht aus der Verantwortung ziehen, wenn es um die Frage geht, wie die kurzfristige Zukunft in diesem Lande gestaltet werden soll?! Das entscheiden nämlich nicht Politiker, sondern Ihr mit eurer Stimme! Deshalb: Geht zur Wahl und setzt dort ein Kreuzchen, wo Ihr euch am wohlsten mit fühlt!

Und für alle, die sich in keinem Wahlprogramm wiederfinden: Ihr könnt gerne für die nächste Wahl Eure eigene Partei gründen und bessere Vorschläge machen! Doch es scheint mir unvorstellbar, dass man sich mit gar keinem einzigen Programm nicht mal ein kleines bisschen anfreunden kann und deswegen überhaupt nicht zur Wahl geht…

Hier findet Ihr die Links zu den zwei TV-Duellen! Viel Spaß damit!

CDU vs. SPD: https://www.zdf.de/politik/wahlen/tv-duell-merkel-schulz-100.html

CSU vs. FDP vs. Grüne vs. Linke vs. AfD: http://www.ardmediathek.de/tv/ARD-Sondersendung/Der-F%C3%BCnfkampf-nach-dem-TV-Duell/Das-Erste/Video?bcastId=3304234&documentId=45680912

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