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Vielleicht lieber heute (Teil 4): Nachhaltigkeit im Kleiderschrank

In Europa werden jährlich 5,8 Tonnen Kleidung entsorgt. Die Textilindustrie verschmutzt mit gefährlichen Chemikalien unsere Umwelt. Warum wir dringend ein Umdenken im Bereich Kleidung benötigen und welche nachhaltigen Alternativen einfach zu folgen sind. 

Von Erza Plava

Neue Kollektion, neuer Trend, Sale-Woche – einige von vielen Gründen, warum immer wieder nicht benötigte Kleidungsstücke in unserer Einkaufstüte oder im Warenkorb landen. Es wird geshoppt, ohne einen Gedanken an die umweltverschmutzende Produktion des Kleidungsstücks zu verschwenden. Hauptsache, der Preis stimmt.

Klamotten landen tonnenweise im Müll2015 veröffentliche Greenpeace eine Studie zum Kaufverhalten der Deutschen

Laut Greenpeace kauft jeder Deutsche durchschnittlich 60 Kleidungsstücke im Jahr. Die Klamotten werden allerdings nur noch halb so lange getragen wie vor 15 Jahren. Nicht zu vergessen sind jene Kleidungsstücke, die im Kleiderschrank liegen, aber kein einziges Mal getragen werden. Die billigen Preise der Fast-Fashion-Industrie regen den Verbrauchen dazu an, mehr zu kaufen, als eigentlich benötig. Kleidung verliert dadurch ihren Wert und wird zur Wegwerfware. Allein in Deutschland werden 1,3 Millionen Tonnen Kleidung jährlich entsorgt. Die Hälfte der gesammelten Klamotten wird wiederverwendet und ein Viertel der Altkleider kann in neue Textilfasern recycelt werden. Nichtsdestotrotz bleiben weltweit mehrere Tonnen Altkleider zurück, die keiner haben möchte und doch irgendwie entsorgt werden müssen.

Gefährliche Chemikalien bei der Textilproduktion

Neben dem existierenden Altkleidermüll belastet zudem die Produktion der Textilien unsere Umwelt gewaltig. Für die Herstellung einer einzigen Jeans werden 7.000 Liter Wasser verbraucht. Wasser, eine knappe Ressource unserer Erde, mit der wir verantwortungsbewusst umgehen sollten. Doch nicht nur der Wasserverbrauch der Textilindustrie hat verheerende Auswirkungen auf unsere Umwelt. Zum Färben und Bedrucken von Kleidungsstücken werden etwa 3.000 Chemikalien eingesetzt. Die Textilfabriken leiten diese giftigen Abwässer ins Meer, sodass in China bereits zwei Drittel der Flüsse und Seen als verschmutzt gelten. Die gefährlichen Chemikalien der Textilfabriken in Asien werden in die halbe Welt transportiert, verschmutzen ganze Ökosysteme und können der Gesundheit des Menschen schaden. Es ist also dringend nötig, dass wir Verbraucher uns den Auswirkungen der Textilindustrie bewusst werden und schnell auf nachhaltige Alternativen umsteigen.

Second-Hand rettet Kleidung

Die wohl bekannteste Alternative zur Fast-Fashion ist das Kaufen von Second-Hand-Kleidung. Nicht gewollte Kleidungsstücke werden wiederverwendet und finden neue glückliche Besitzer. Mit Second-Hand kann man das ein oder andere Schnäppchen ergattern und findet beim Stöbern immer wieder einzigartige Schätze. In Bonn gibt es zahlreiche Second-Hand-Shops, die tolle gebrauchte Kleidungsstücke verkaufen.  Der Shop „Das Lädchen“ in der Bonner Südstadt bietet beispielsweise Second-Hand-Mode für die ganze Familie und auch „Fanny SecondHand“ in Bonn Castell gehört zu den empfehlenswerten Second-Hand Shops der Medienblick-Redaktion.

Campo Nachrflohmarkt AstaFalls man den nachhaltigen Klamotten-Konsum mit einem coolen Tages-Event verbinden möchte, sollte man unbedingt bei einem der vielseitigen Flohmärkte in Bonn vorbeischauen. In der Rheinaue findet regelmäßig einer der größten Flohmärkte Deutschlands statt und auch der Mädchenflohmarkt im Brückenforum lockt immer mehr Besucher an. Sogar an der Uni wird nun zum zweiten Mal ein studentischer Nachtflohmarkt vom Studierendenwerk und dem AStA organisiert, nachdem der erste Flohmarkt ein riesiger Erfolg war. Am 22.11. verwandelt sich also die Campus Mensa in Poppelsdorf erneut in ein Second-Hand-Paradies.

Immer angesagter werden auch die Pop-Up-Events von „VinoKilo„, bei denen man seine gefundenen Second-Hand-Schätze pro Kilo zahlt. Leichte Kleidungsstücke wie T-Shirts kann man für wenige Euro erwerben.

Diejenigen, die doch lieber online shoppen, aber trotzdem nachhaltig handeln möchten, sollten unbedingt beim Second-Hand-Portal „Kleiderkreisel“ stöbern. Mittlerweile nutzen 21 Millionen Mitglieder die Online-Plattform und profitieren vom nachhaltigen Kaufen und Verkaufen von Second-Hand-Mode.

Faire Mode – der neue Trend

Doch nicht nur das Kaufen von gebrauchter Kleidung zeigt eine erfolgreiche nachhaltige Alternative zur Fast-Fashion. Immer mehr Modelabels bieten „Faire Mode“ an. Sie setzen sich für einen fairen Umgang mit den Arbeitern der Textilproduktion ein und verkaufen ökologisch nachhaltige Bio-Mode. Im Bonner Zentrum bietet beispielsweise der Laden „Kiss the Inuit“ faire Mode an und möchte das Thema und das Interesse an ökofairer Kleidung verbreiten.

In allen Bereichen des Lebens nachhaltig zu handeln ist sehr schwer und kann nicht auf einen Schlag umgesetzt werden. Doch wir sollten spätestens jetzt damit anfangen, die Risiken der Textilindustrie ernst zu nehmen und auf faire beziehungsweise Second-Hand-Mode umsteigen – und nicht erst morgen.

 

One thought on “Vielleicht lieber heute (Teil 4): Nachhaltigkeit im Kleiderschrank

  1. Ich find es zudem problematisch, dass Frauenkleidung immer dünner -> weniger strapazierfähig (als Männerkleidung) hergestellt wird…

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