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Aktuelles Alltag Gesellschaftsleben

Vielleicht lieber heute (Teil 3): Ist Veganismus nachhaltig?

Immer mehr Menschen entscheiden sich dazu, sich vegan zu ernähren, um die Tiere zu schützen – doch wie gut ist das für die Umwelt wirklich?

Über das Pro und Contra veganer Ernährung und welche Mittelwege man gehen kann.

Von Nadja Hochholz

Vegane Ernährung – was soll man denn da noch essen können? Da ich mich nicht vegan ernähre, habe ich mit einem Kommilitonen Tim* gesprochen. Er lebt nun seit 5 Jahren vegan und hat sich anfangs selber diese Frage gestellt.

Ich war immer schon ein großer Tierfreund und habe mit der Zeit dann gelernt, dass man sich vegan ernähren kann.“, erzählte mir Tim als ich ihn nach seinen Beweggründen fragte. Er erklärte mir, dass seine Ernährung früher nicht ausgeglichen und generell eher ungesund war und dass er durch seine Umstellung auf vegane Ernährung erst lernte, wie Essen aufgebaut ist und was er wovon braucht. Das ist ein Punkt, den ich für sehr wichtig halte. Ich persönlich denke, dass Veganer und auch Vegetarier sich ihres Essens wesentlich bewusster sind, im Beug darauf, was sie essen wollen und was nicht und wie viel sie an unterschiedlichen Nährstoffen etc brauchen. Es ist belegt, dass vegane Ernährung im Allgemeinen gesünder ist, da Übergewicht oder Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck selten bis nie auftreten. Jedoch müssen Veganer Tabletten oder ähnliches zu sich nehmen, um zum Beispiel einem B12 Mangel entgegen zu wirken. B12 ist ausschließlich in tierischen Produkten zu findsupermarket-949913_640en und sehr wichtig für die Nerven. Sobald Symptome für einen B12 Mangel auftreten ist eine Beschädigung der Nerven nicht auszuschließen. Auch sind die Folgen veganer Ernährung bei Schwangeren und Kindern noch immer in der Diskussion.

Die Frage die sich mir dann jedoch gestellt hat ist, inwiefern diese Einstellung unterstützt, ob sie auf die Herkunft von zB Obst und Gemüse achten. Um das feststellen zu können, hätte ich natürlich mit wesentlich mehr Menschen sprechen müssen. Tim sagte mir, dass er immer versucht darauf zu achten, regionale Produkte zu kaufen.

Des Weiteren sprach ich mit ihm über den Avocado -& Sojaanbau. Ein Kilogramm Soja verbraucht bis zu 2.600avocado-1821778_640 Liter Wasser und ein Kilogramm Avocado bis zu 1.000 litern Wasser. Im Vergleich mit den 15.500 litern Wasser für ein Kilogramm Rindfleisch erscheint dies natürlich nichts. Doch im Anbetracht dessen, dass Avocados in Ländern wie Peru oder Chile angebaut werden, in denen generell sehr wenig Wasser vorhanden ist, liegt diese Zahl recht hoch. Außerdem haben beide Produkte weite Transportwege. Vor allem der Transport von Avocados ist sehr energiefressend, da sie keine Temperaturschwankungen vertragen, eine gewisse Luftfeuchtigkeit brauchen, keinerlei Schmutz vertragen und nicht mit zusammen mit geruchabgehender Ware gelagert werden darf. Zwar sagte mir Tim, dass er wenig Soja und Avocados konsumieren würde, eben aufgrund der aufgelisteten Fakten, doch denke ich spricht er damit nicht für alle Veganer, im Anbetracht ihres Auftauchens bei einer Instagramsuche des Hashtags #vegan.

Außerdem sterben durch den Anbau von Monokulturen für den Boden wichtige Bakterien, Einzeller und Würmer.

Doch wenn wir uns die Folgen der Massentierhaltung vor Augen führen, also die technisierte Viehhaltung, meist cows-552946_640nur einer Tierart in Großbetrieben zur Gewinnung möglichst vieler tierischer Produkte, so stellt sich die Frage, ob vegane Ernährung nicht trotzdem nachhaltiger ist. Die Massentierhaltung ist leistungsorientiert. Das hat zur Folge, dass der Platzbedarf der Aufzucht auf das Minimum reduziert wird, um Kosten zu reduzieren. Dies führt zu einer artungrechten Haltung. Außerdem sind Krankheiten ein großes Problem. Zwar sind Antibiotika als Wachstumsförderer verboten, jedoch sind laut Aussage des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit circa 50% aller Hähnchen verseucht.

Ich persönlich lebe auf einem halben Bauernhof. Wir haben Schafe, Hühner, Enten, Gänse, Hunde und eine Katze. Ich kann den Gedanken des Tierschutzes also zu 100% nachvollziehen. Jedoch sehe ich zum Beispiel kein Problem damit, die Eier der Hühner zu nehmen, zumindest bis zu einem gewissen Grad und im Anbetracht der Jahreszeit. 20181019_122701Denn oftmals brüten die Hennen gar nicht und die Eier in der späten Herbstzeit rauszunehmen halte ich für sinnvoll, da die Kücken den Winter zu 90% nicht überleben. Hat man des Weiteren zu viele männliche Tiere auf eine bestimmte Anzahl weiblicher Tiere, egal ob bei Hühnern, Gänsen oder Enten, so kommt es meist dazu, dass diese beginnen gegenseitig zu konkurrieren und versuchen einander töten oder zu verstoßen, weswegen ich auch hier verstehe, weshalb man das jeweilige Tier/die jeweiligen Tiere tötet. Ich unterhielt mich ebenfalls mit Tim darüber und als ich ihn fragte, wie er dazu stehen würde, hatte ich das Gefühl, dass er keinen richtigen Bezug dazu hatte. „Jetzt würde ich mir keine Hühner anschaffen, das heißt ich hätte das Problem von vorne rein nicht,“ war seine Aussage, „aber ich denke es gibt moralisch verwerfbarere Gründe ein Tier zu töten.“, fügte er hinzu.

Ich denke generell vielen Menschen, egal ob Veganer oder nicht, fehlt dieser ‚Real life‘ Bezug zu Tieren und sie können gar nicht richtig wissen und beurteilen, wie es ist, sich um die Tiere kümmern zu müssen und welche Entscheidungen man treffen muss. Weswegen ich zum Beispiel allen empfehlen würde, zu einem Hofladen zu gehen. Dort kann man sehen wie die Tiere leben und sich auch genauer erklären lassen, was die Tiere gefüttert bekommen etc. Die Produkte dort sind meist teurer, jedoch weiß man warum und wofür man dieses Geld bezahlt.

Viele Studien haben jedoch ergeben, dass ein veganer Konsum generell nachhaltiger ist, als der ’normale‘ Konsum. Als nachhaltigste Ernährungsweise wird die der Ovo-Lacto-Vegetarier (pflanzliche Kost, Milch&-produkte, Eier) als auch der Lacto-Vegetarier (pflanz. Kost, Milch &-produkte) bezeichnet.

*Name der Redaktion bekannt, jedoch geändert

 

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