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Vielleicht Lieber Heute (Teil 25): Neue Nachhaltigkeitsstrategie

Der ohnehin bestehende Handlungsdruck, sich wirtschaftlich und politisch nachhaltiger zu orientieren, hat sich durch Corona noch einmal verstärkt. Und somit ist es wieder soweit – eine neue Nachhaltigkeitsstrategie muss her. Wie lautet der Plan für 2021? Und wie wird aus Forderungen und Ideen politisches Handeln? Ein Einblick in die derzeitigen Forderungen und Ziele.

 

Von Nadja Hochholz

Was ist die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie überhaupt?

Die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie (DNS) wurde erstmals am 17. April 2002 von der Bundesregierung beschlossen. Diese Strategie beinhaltet die Festlegung von Zielen und die Auswahl von geeigneten Maßnahmen und bestimmt somit den Kurs der nachhaltigen Entwicklung. Sie orientiert sich an den 17 globalen Nachhaltigkeitszielen, wobei die vier zentralen Leitlinien dabei Internationale Verantwortung, Sozialer Zusammenhalt, Generationengerechtigkeit und Lebensqualität sind.

Derzeit plant die Bundesregierung für 2021 die Veröffentlichung einer neuen Strategie. Dazu wurden auch Voschläge von Bürger*innen miteinbezogen, welche über Online-Foren abgegeben werden konnten. Diese Statements findest du hier. Sie beinhalten alles von der Forderung nach mehr Erwachsenenbildung im Bezug auf Nachhaltigkeit, über Literaturempfehlungen, bis hin zu Empfehlungen der Verbesserung unseres Pfandsystems.

Und was hat das mit Corona zu tun?

Zu wenig Nachhaltigkeit führt zu Pandemien? Dies wird von einigen Forschern bestätigt, so auch die Umweltforscher Josef Settele und Joachim Spangenberg in einem Interview mit Riffreporter: „Die Wahrscheinlichkeit von Pandemien steigt mit der zunehmenden Vernichtung von Ökosystemen“. Auch unterschiedliche Zeitungen, wie beispielsweise The Guardian untersuchten den Zusammenhang von Corona und Nachhaltigkeit und kamen zu dem Entschluss: „Covid-19 is nature’s wake-up call to complacent civilisation“. Wenn also zu wenig Nachhaltigkeit Pandemien hervorruft, so kann die Wirtschaft vorsorgen, indem Ökosysteme und Artenvielfalt geschützt werden. Erfolgen kann dies beispielsweise, durch die Unterbindung von Massentierhaltung, da Krankheiten durch hohe Populationsdichte begünstigt ist, so der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Dr. h.c. Stefan Schaltegger.

Erfolgreich sind diese Schritte jedoch nur, wenn die unterschiedlichen Länder zusammenarbeiten. So hat die Pandemie gezeigt, wie eng die globalen Nachhaltigkeitsziele in unserer globalisierten Welt miteinander verzahnt sind. Zum Beispiel stellt die weltweite Verteilung des Corona-Impfstoffes ein großes Problem dar. Während viele EU-Länder, darunter auch Deutschland, den Corona-Impfstoff schon in wenigen Wochen starten können, werden ärmere Länder zunächst leer ausgehen. Denn zum Erhalt des Impfstoffes müssen direkte Verträge mit Pharmafirmen abeschlossen werden und vielen Ländern in Afrika, Lateinamerika und Asien fehlt das benötigte Geld. Um dem entgegen zu wirken wurde COVAX, ein Programm der Weltgesundheitsorganisation WHO, ins Leben gerufen, welche einen fairen Zugang zu Corona-Impfstoffen auch für Menschen in ärmeren Ländern garantieren möchte. Das Problem? Die USA und Russland beteiligen sich bislang nicht – deren Mitwirkung ist jedoch notwendig.

Kein Nachhaltigkeitsziel kann isoliert betrachtet werden, so die Bundesregierung. Um also Krisen gut zu überstehen, wenn nicht sogar zu verhindern, muss gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch vorausschauend gehandelt werden. Nachhaltigkeit darf somit kein kurzfristiges und gewinngesteuertes Bestreben sein, sondern ein auf langfristigen Erfolg ausgelegtes Leitbild.  Egal ob auf der regionalen, lokalen oder globalen Ebene – orientierend an den 17 Nachhaltigkeitszielen, auch genannt Agenda 2030, muss jede*r seinen*ihren Beitrag leisten. In der veröffentlichten Dialogfassung der Bundesregierung für die Weiterentwicklung der DNS wird das Motto der Agenda 2030 „leave no one behind“ im Zusammenhang mit der Pandemie hervorgehoben. Die Strategie soll sich auf das unter die Arme greifen der benachteiligsten Menschen fokussieren. Somit sollen vor allem Entwicklungsländer unterstützt werden; dies „vor allem mit Blick auf weiterverarbeitete Produkte, die unter Einhaltung von Sozial-, Arbeits- und Umweltstandards hergestellt werden“, so die Regierung.

Was sagt wer? Wie auch viele Bürger*innen, Unternehmen und Verbände, äußern sich auch die Parteien zur DNS. So hat die Linke zum Beispiel keinen Antrag gestellt, in Debatten jedoch verdeutlicht, dass sie nationale Sicherheit als Kernelement des Klimaschutzes und der Nachhaltigkeit sieht. Die CDU/CSU, SPD, die Grünen und die FDP haben jedoch alle einen Antrag gestellt, in welchem sie ihre Prioritäten verdeutlichen. Mehr Infos dazu findest du hier. Das klingt an sich ja schon einmal gut – doch, wie in so gut wie jeder Strategie, finden sich auch hier Kritikpunkte. Zwar konnte sich über Onlineforen jede*r äußern, doch wussten viele schon gar nichts davon. Wie also die eigene Meinung, die eigenen Ideen mitteilen, wenn man nicht weiß wie? Auch der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Wollseifer, kritisierte das Vorgehen der Bundesregierung. Die Zeit der Konsultation und Erstellung eines allumfassenden Statements sei viel zu kurz gewesen, teilte er der Funke-Mediengruppe mit.

 

Was ist mit dir? Hast du dich zur DNS geäußert und Stellung genommen? Welche Änderungen erhoffst du dir?

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