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Vielleicht lieber heute? (Teil 21) – Weihnachtszeit, Müllzeit

Wer kennt ihn nicht, den Müllberg, der in der Weihnachtszeit entsteht? Doch muss das sein? Wir wollen euch Tipps zur Müllvermeidung in der „schönsten Zeit“ des Jahres geben, damit sie es auch für die Umwelt bleibt.

von Louisa Albrecht

Wichteln, Familienbescherung, den Freund*innen eine Freude bereiten, der Adventskalender – die Weihnachtszeit ist voll mit Möglichkeiten, einen ziemlich großen Müllberg zu verursachen, doch muss das sein? Im Folgenden möchte ich mit euch paar Überlegungen teilen, die sich vor allem auf Geschenke beziehen. Ob Kunst- oder Miettannenbaum (der zuweilen eh eine Fichte ist), Weihnachtsdeko generell ja oder nein – das sind noch mal Themen für sich.

  1. Verpackung – Geschenkpapier & Co.

Fangen wir mal ganz grundlegend bei den Verpackungen an. In den meisten Fällen wird jedes einzelne Geschenk in Papier eingewickelt, das nur hierfür gekauft wird, in einer überdimensionierten Rolle daherkommt, deren Maße eh für eine Riesenmenge Verschnitt sorgen und die selbst auch nochmal in Plastik eingepackt ist. Oft genug enthält das Papier Glitzer -> Plastik oder ist zumindest beschichtet. In meiner Familie hat jede*r seit Jahren einen selbstgenähten Sack aus roten Samt, in den alle Geschenke gepackt werden. Ohne weitere Verpackungen. Das ist je nach Größe des Sackes und der Geschenke nicht immer optimal, kann aber meist zumindest für den Großteil der Geschenke eine Lösung sein und unsere Katzen strangulieren sich nicht an lustigem Geschenkband, das allzu leicht mit Beute verwechselt wird. Da der Sack jedes Jahr aufs Neue wiederverwendet werden kann, pexels-photo-1701531spart mensch sich nicht nur eine Menge Nerven und Müll, sondern auch Geld.

Doch wir schenken ja nicht nur Leuten etwas, die wir jedes Jahr wieder sehen- ich weiß! Manche haben kein Problem mit Zeitungspapier oder anderweitigem „second hand“ Papier. Und für alle anderen lässt sich ja vielleicht ein Geschenkbeutel aus einem alten T-Shirt nähen? (oder zurechtschneiden und knoten?) Je nach Geschenk- und Freund*innenmenge funktioniert das sicher besser oder schlechter. Aber vielleicht könnt ihr auch einfach Geschenkpapier verwenden, das ihr selbst im letzten Jahr bekommen habt? Oder eine Tüte statt Papier nehmen (bei Leuten, von denen ihr wisst, dass sie diese Tüten dann selbst weiter verschenken. Sonst ist das witzlos.)

  1. Braucht und will die Person das?

Meine Schwester sagte mal, dass sie nicht mal selbst wüsste, was sie sich schenken würde, wenn sie das müsste. Und vorstellbar exakt treffen unsere Eltern stets ihren Geschmack (nicht!). Oft genug hat sie also in den letzten Jahren irgendetwas bekommen, einfach um der Geste willen, die dann aber letztlich nach hinten losgeht und alle nervt. Also überlegt euch mal kurz vor dem Kauf: Will it spark joy? Braucht jemand die fünfhundertdrölfzigste Vanille-Duftkerze? Vermutlich nicht. Freut sich die Person über eine Keramikfigur, wenn er*/ sie* sonst minimalistisch lebt &/ Deko generell nicht mag? Ich bezweifle es.

  1. Second Hand?

Je nachdem, wem mensch etwas schenkt, kommt es womöglich in Frage, Second Hand besorgte Dinge zu verschenken. Abgesehen davon dass einem das Geld für Geschenke ja auch nicht einfach so zufliegt. Mir jedenfalls nicht (falls es bei euch der Fall ist- verratet mir euer Geheimnis!). Ich persönlich habe kein Problem damit, beim Wichteln ein gebrauchtes Buch zu kriegen. Klar sind neue Sachen etwas schicker… aber zuweilen macht es einfach keinen Unterschied. Und ist es nicht schön, Dinge weiter zu verschenken, die einem selbst viel bedeutet haben und das nun mit jemand anderem zu teilen?

  1. Do it yourself?

Manche Leute sind begabt, kreativ, beides, haben kein Geld oder es ergibt sich sonst eine Situation, die die Frage aufwirft: Kann / Will ich das Geschenk für jemanden vielleicht selbst machen? Selbst gestrickte / gehäkelte Socken usw. kosten nicht viel (Ich habe mir neulich ein Set Häkelnadeln und Wolle gekauft und mir Handstulpen gemacht… Gesamtpreis: Unter 5€ bei freier Farbwahl und passgenauer Größe). Das ist natürlich mit einem größeren Aufwand an Zeit (manchmal Geld) und meist auch Nerven verbunden… doch mir persönlich bedeuten selbstgemachte Geschenke oft am allermeisten.  Das gilt VOR ALLEM für Adventskalender. Mein Exfreund hat mir einen Harry Potter Lego Adventskalender geschenkt und abgesehen davon, dass Lego aus Plastik besteht (aber genau deswegen super lange verwendet werden kann), ist JEDE EINZELNE Figur hinter den Türchen noch einmal in eine Plastiktüte eingepackt. Regt mich das jeden Tag aufs Neue auf? Absolut.

  1. Muss überhaupt etwas geschenkt werden (muss ich jede*m was schenken?)

Je nachdem wie wichtelverrückt das Umfeld ist oder wie schenkwütig du selbst – die Anzahl an Menschen, die zur Weihnachtszeit versorgt werden „müssen“ kann ziemlich schnell sehr groß werden. Neben dem Geldfaktor spielt da auch Beschaffungsstress eine Rolle… und es ist letztlich doch zweifelhaft, ob wirklich bei jedem Wichteln mitgemacht werden muss, um ein guter Mensch zu sein. Ich kenne so einige, die das Schenken in ihrer Familie komplett abgeschafft haben, oder Systeme entwickelt haben, die den Aufwand für alle reduzieren (z.B. familieninternes Wichteln einführen, so dass jede*r nur 1 Geschenk besorgen muss. Egal wie groß die Familie ist.) Nachpexels-photo-749353haltigkeit definieren viele nur über den ökologischen Aspekt. Doch Stress- und Zeitmanagement fallen auch in diese Kategorie, da die eigenen Ressourcen und Kräfte so länger halten und genutzt werden können.

  1. Zeit statt Materielles

Wie oft haben wir uns als Kinder gewünscht, jemand hätte mehr Zeit, um mit uns zu spielen? Wie oft hätten wir jetzt gerne noch eine Woche mehr für… alles? Zeit ist dafür da, um in ihrem Verlauf etwas zu erleben. Von einer gemeinsamen Unternehmung (die nicht zwangsläufig etwas kosten muss) haben die Beteiligten oft viel länger etwas, es entstehen gemeinsame Erinnerungen und geteilte Erfahrungen sind bekanntlich die Basis jeder zwischenmenschlichen Beziehung. Und ist es nicht schön, den Zeitstress auf einen anderen Zeitpunkt schieben zu können… ? 😉

  1. Gutschein?

Der gute alte Gutschein hat meiner Meinung nach völlig zu Unrecht einen schlechten Ruf. Natürlich ist ein Amazon Gutschein so unpersönlich wie sonst nur etwas. Aber wie sieht es mit einem Gutschein für den Lieblingsladen einer Person aus? Mal abgesehen davon, dass Gutscheine nicht immer über monetäre Werte ausgestellt werden müssen. Ihr könnt ja auch einen Gutschein über ein zu kochendes Abendessen, gemeinsame Aktivitäten, für eine Massage oder alles Mögliche andere ausstellen. Das ist, so nebenbei bemerkt, übrigens eine wunderbar elegante Lösung für Last-Minute Geschenke (wenn der 24. beispielsweise völlig überraschend und unangekündigt auf einen Sonntag fällt. Oder überhaupt im Kalender).

  1. Spende, Patenschaft für Bäume, etc.

Ob ihr im Namen einer Person für eine gemeinnützige Organisation spendet oder dem zu beschenkenden Menschen eine Baumpatenschaft schenkt- es soll da draußen Menschen geben, die sich besser fühlen, etwas für andere zu tun, als für sich selbst. Vielleicht kennt ihr ja so jemanden und könnt ihr*/ihm* eine Freude mit Patenschaften machen? Ihr erspart allen Geschenke, die womöglich eh nicht so das Wahre sind und tut noch etwas Gutes!

  1. Lokal kaufen!!!

Muss ich das eigentlich noch erwähnen? Es ist nicht wirklich umweltfreundlich, alle Geschenke im Internet zu bestellen (vor allem nicht einzeln und über Wochen verteilt. Ich hatte mal einen Arbeitskollegen, der gefühlt alle paar Tage Post von ein und demselben Anbieter bekommen hat…). Unterstützt eure lokalen Geschäfte. Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich persönlich halte die Dinge, die ich verschenke auch vorher gerne mal selbst in der Hand und inspiziere sie. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

  1. Was ist euer Tipp?

Ihr seid dran! Was für Möglichkeiten kennt ihr noch, Schenken nachhaltiger zu machen?

 

 

PS: Wenngleich eine Katze auf dem Beitragsbild abgebildet ist, würde ich euch nachdrücklich bitten, KEINE Lebewesen zu verschenken! (Mal abgesehen davon, dass Tierfutter und zum Tierarzt fahren auch nicht gerade das einzig Wahre für den Umweltschutz ist…)

 

 

 

Die Bilder stammen von Pexel

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