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Vielleicht lieber heute (Teil 19) – Der Grüne Knopf

Im Dschungel der zahlreichen Öko- und Nachhaltigkeitslabel, ist es schwer den Überblick zu behalten, was sie überhaupt bedeuten. Doch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat sich etwas Eigenes überlegt – den Grünen Knopf.  Doch was ist das?

von Louisa Albrecht

Beispielsweisenach  dem Unglück in Rana Plaza (Bangladesch) als eine Textilfabrik  2013 einstürzte und 1135 Menschen ihr Leben verloren stellte sich die Frage: Wie kann dafür gesorgt werden, dass Textilien unter menschenwürdigen, sicheren und im besten Falle sogar ökologischen Bedingungen hergestellt werden? Als Reaktion hierauf begann unter anderem die Entwicklung des Grünen Knopf und auf der Verleihung des Deutschen Nachhaltigkeitspreises hatte ich die Gelegenheit, Mitarbeiter*innen dieses Labels kennen zu lernen und mir erklären zu lassen, was dieses Siegel überhaupt aussagt und wieso es eigentlich so lange dauert, ein solches zu entwickeln.

Was sagt der Grüne Knopf aus?

Mit dem Grünen Knopf können Produkte ausgezeichnet werden, die sowohl auf der Produktionseben als auch beim Produkt selbst eine Vielzahl von Kriterien erfüllen, die soziale und ökologische Nachhaltigkeit gewährleisten sollen. Um zertifiziert zu werden, muss ein Unternehmen jedoch nicht nur diese Kriterien erfüllen, sondern auch ihre Erfüllungswege öffentlich und somit transparent machen. Hieran wird auch deutlich, wieso sich der Grüne Knopf als „Gewährleistungsmarke“ begreift. Gewährleistungsmarke bedeutet unter anderem, dass da nicht einfach rumgeluscht werden darf, sondern dass die Kriterien sehr strikt eingehalten werden müssen.

Die Kriterien

Zusammenfassen lassen sich die 20 Kriterien für Unternehmen in fünf Themenkomplexe unterteilen. Unternehmen müssen ihre Politik auf Menschenrechte sowie Umweltschutz ausrichten, das umfasst auch die Einkäufe und Lieferkette. In Hinblick auf Risiken und jegliche Auswirkungen, die dem entgegenlaufen soll speziell die Lieferkette analysiert werden, hierbei soll sich an OECD Standards orientiert werden. Die Berichterstattung über alle Maßnahmen soll öffentlich und transparent erfolgen. Beschwerden auf allen Ebenen müssen berücksichtigt und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden.

Für die Produktion werden sogar sechs Kriterien mehr, also 26 angelegt und diese fordern einen Verzicht auf gefährliche Chemikalien, biologische Abbaubarkeit von Tensiden und Weichmachern, die Einhaltung der Grenzwerte für Abwässer, eine Überwachung der Luftverschmutzung und entstehenden Treibhausgase, eine Prüfung auf Schadstoffe der Naturfasern sowie Chemiefasern.

Doch neben Produktion und Unternehmen soll auch das Soziale stimmen.
Wer das Label des Grünen Knopf erhalten will, darf weder Zwangs- noch Kinderarbeit einsetzen, muss gegen Diskriminierung und Belästigung in den Betrieben vorgehen, wenigstens den Mindestlohn zahlen und das auch zeitgerecht, Arbeitszeitenregelungen einhalten, Überstunden bezahlen. Zudem muss es den Angestellten möglich sein, sich gewerkschaftlich zu organisieren und falls es keine gewerkschaftliche Organisation per Gesetz gibt / geben darf, eine Alternativlösung gefunden werden. Last but not least müssen zudem die Arbeitsgebäude, -plätze und –maschinen sicher sein, Schutzausrüstung zur Verfügung gestellt, für Notausgänge, Evakuierungsroutinen und Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sanitäranlagen gewährleistet werden.

Kleiner Fun Fact am Rande: „Unternehmen können auf bereits erbrachte Nachweise wie etwa anerkannte Produktsiegel, oder auf Vorarbeiten im Textilbündnis zurückgreifen. Das vermeidet Doppelarbeit.“ Es wird sich also teilweise u.U. darauf verlassen, dass andere gründlich genug prüfen, was ich persönlich etwas schwierig finde.

Gelten die Kriterien eigentlich für die gesamte Produktion eines Produktes?

Aktuell befindet sich der Grüne Knopf ja noch in der Einführungsphase und in dieser gilt das Siegel Grüner Knopf für die Arbeitsschritte „Zuschneiden und Nähen“ sowie „Bleichen und Färben“. Als nächstes sollen auch „Weben und Spinnen“ mit einbezogen werden, danach „Faserproduktion / Baumwollanbau“. Also kurz gesagt: Noch nicht.

Wer oder was wurde bisher zertifiziert?

Bisher wurden 27 Marken und Unternehmen zertifziert, darunter Der blaue Engel, Fairtrade Textile Production, Tchibo, OTTO, Aldi Nord und Aldi Süd, Trigema und Oeko-Tex. Zertifiziert werden können von Stoffwindeln, über angepasste Stoffüberzüge für elektrische Toaster,Lampenschirme, Wäschesäcke usw. bis zu Isomatten im Prinzip alle Dinge die im engeren oder weiteren Sinne als Textilien zählen.

2013… das ist aber schon eine Weile her…

Korrekt. Wie bereits oben erwähnt war der Einsturz der Textilfabrik in Rana Plaza 2013 einer der Gründe, wieso es zur Gründung des Grünen Knopfs gab. Doch wieso dauert das mehr als fünf Jahre, so ein Label ins Leben zu rufen?
Die Antwort der Mitarbeiterin war denkbar einfach: Bürokratie! So ein Siegel muss ja erst einmal entwickelt werden und alle Schritte der Bürokratie, beispielsweise das Patentamt, durchlaufen. Zudem wurden nebenbei auch Dinge wie der Siegelkatalog vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung geschaffen.

Tja und was taugt der Grüne Knopf?

Ein staatlich geprüftes Siegel und alles ist gut?

Viele der Begriffe, die auf der Seite des Grünen Knopfs verwendet werden, sind, gelinde gesagt, ganz schön schwammig. Zudem  umfasst das Siegel bisher ja lediglich zwei Produktionsschritte, was ich, Einführungsphase hin oder her, etwas wenig finde.

Zudem haben auch andere schon einen Blick auf das Siegel geworfen und das eine oder andere kritisiert: Schwierig sind unter anderem die Freiwilligkeit, auf deren Basis die Zertifizierung erfolgen soll sowie die Forderung, lediglich Mindeststandards durchzusetzen (bspw. den Mindestlohn)- dem schließen wir uns an. Zudem merkt die Süddeutsche auch so wunderbar an: Dass es einen Mindestlohn gibt, bedeutet ja noch lange nicht, dass ein Mensch davon auch tatsächlich (über)leben kann. Ein Siegel, das soziale Nachhaltigkeit propagieren will, sollte mehr als nur das Minimum fordern. Und wenn es schon ein staatliches Siegel gibt, wäre es doch fantastisch, wenn sich alle Unternehmen einer Prüfung unterziehen müssten.

Der Spiegel macht zudem darauf aufmerksam, dass bei Produkten, die in Europa gefertigt werden, gar nicht kontrolliert würde – was ja wohl definitiv mit Argwohn zu betrachten ist!

Wir fassen zusammen

Eine gute Idee, die jedoch längst noch nicht fertig ist und sich hoffentlich auch noch signifikant weiter entwickelt.

 

 

Das Bild wurde von der Seite des Wikipedia-Beitrags genommen: https://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%BCner_Knopf

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