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Vielleicht lieber heute (Teil 17): Die grüne Lunge der Erde brennt – was tun?

Nebst der illegalen Abholzung brennt der Regenwald Amazonas nun schon seit mehreren Wochen – und die Medien schwiegen. Interessieren gewaltige Brände in Brasiliens Regenwäldern weniger als das Feuer von Notre-Dame? Und was passiert, wenn die Lunge der Welt nicht mehr arbeiten kann?

Von Nadja Hochholz

Seit mehr als 3 Wochen brennt er schon – und mittlerweile sieht man den Rauch schon aus dem All. Nun wacht die Welt auf: die Waldbrände und die illegale Abholzung bedrohen unser Weltklima.

So wichtig ist der Regenwald Amazonas fürs Weltklima:

Mit über 8 Millionen Quadratkilometern ist der Regenwald Amazonas neben dem Kongobecken mit Abstand die größte Regenwaldregion der Erde (zum Vergleich: Deutschalnd hat eine Fläche von 357.386 km²). Der Regenwald hat eine fantastische Fähigkeit: Er kann riesige Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid aufnehmen und den enthaltenen Kohlenstoff in seinen Pflanzen und im Boden speichern. Bei diesem Prozess wird so viel Kohlenstoff gespeichert, wie in rund zehn Jahren auf der ganzen Erde freigesetzt wird! Der Regenwald senkt also den globalen Ausstoß von Treibhausgasen. Doch nicht nur das:  Ein einzelner Baum kann über 1000 Liter Wasser, in Form von Wasserdampf, pro Tag abgeben. Diese Mengen an Wasserdampf werden dann in Wolken gebunden, die als „fliegender Fluss“ bezeichnet werden und für eine Kühlung der globalen Atmosphäre sorgen. Ein Großteil der Wolken schlagen südlich des Amazonas nieder und sorgen dort für fruchtbare Böden – ohne diesen Effekt könnten die Agrarnationen Brasilien, Paraguay und Argentinien nicht in dem heutigen Ausmaße wirtschaften.

Auch herrscht im Regenwald Amazonas eine hohe Biodiversität! So fanden Naturforscher beispielsweise auf einer einzigen Baumart im Amazonas 1.100 Käferarten. Daraus wird schon deutlich, dass die größte Zahl der Arten unter den Insekten zu finden ist. Er ist die Heimat von über 2,5 Millionen Arten Insekten, 40.000 Pflanzenarten, 3000 verschiedene Fischarten und 2000 Vögeln und Säugetieren. Die Vielfalt von Pflanzenarten ist dort die höchste der Erde.

Amazonien ist gleichzeitig ein Lebensraum für Menschen. Rund 320 unterschiedliche indigene Bevölkerungsgruppen leben hier, häufig noch auf sehr traditionelle Art und Weise. Doch ihrer aller Existenz ist bedroht: In den letzten Jahrzehnten sind in Brasilien bereits ca. 20 Prozent der Regenwaldflächen für immer vernichtet worden. Und Abholzung, Brandrodung und andere schwerwiegende Eingriffe schreiten weiter rasant voran.

Was sind die Folgen der Zerstörung des Regenwaldes?

Foto: www.businessinsider.de
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Die Zerstörung der Regenwälder mindert den Kühleffekt der Vegetation. Die Erde erhitzt sich stetig und Wüsten breiten sich weiter aus. Des Weiteren setzen sich die in der Biomasse gebundenen Treibhausgase frei, die noch zusätzlich zur Erwärmung der Atmosphäre beitragen. Die Menge an Kohlendioxid, die in den Bäumen und dem Boden Amazoniens gebunden ist, entspricht 10 Jahre globaler menschlicher Treibhausgasemission. Wenn es weltweit nur wenige Grade wärmer wird, steigen bereits die Meeresspiegel, weil die Eisberge an den Polen der Erde schmelzen. Auch gibt es dadurch immer mehr extremes Wetter wie Überschwemmungen und Dürren. Viele Forscher schätzen, dass sich der Anteil an Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre um ein Viertel erhöhen würde, wenn alle tropischen Regenwälder der Erde vernichtet wären.

Tausende von Jahren haben die Ureinwohner im und vom Wald gelebt, ohne ihn zu zerstören. Durch den Brand und für Plantagen werden sie nun vertrieben und verlieren mit dem Regenwald ihre Heimat und ihre Nahrungsgrundlage. Hinzu kommt, dass in den Regenwäldern Millionen von Tier- und Pflanzenarten leben, die bis heute nicht erforscht wurden. Wer die Wälder zerstört, vernichtet damit beispielsweise auch die Pflanzen, deren Wirkstoffe vielleicht gegen Krebs, Rheuma und andere Krankheiten helfen könnten.

Wird der Regenwald abgeholzt oder verbannt, verliert der Boden dort sehr schnell seine Fruchtbarkeit. Das heißt: Durch den vielen Regen in den Tropen wird die dort nur sehr dünne nährstoffreiche Erdschicht weggeschwemmt. Daher ist es schwer, größere kahle Flächen wieder mit Regenwald zu bepflanzen.

 

Foto: https://twitter.com
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#PrayforAmazonas – #PrayforNotreDame

 

Die Zahl der Waldbrände in dem Land Brasilien hat in den ersten acht Monaten des Jahres drastisch zugenommen und ist so hoch wie zuletzt 2013. Das staatliche brasilianische Weltraumforschungsinstitut INPE teilte mit, dass es  zwischen Januar und August 72.843 Waldbrände gegeben hat. Das sei ein Anstieg um 83 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im gesamten Jahr 2018 waren es 39.759 Waldbrände. Diese Nachticht alamierte sehr viele – und löste eine große Debatte aus: Auf Twitter zogen viele Nutzer Vergleiche mit dem Großbrand der Kirche Notre-Dame in Paris, die in kürzester Zeit weltweit Schlagzeilen gemacht hatte. In zahlreichen Tweets wurde Kritik am unterschiedlichen Umgang der Menschen mit dem Thema geübt und zum Handeln aufgefordert. Ich persönlich muss auch sagen, dass ich unglaublich geschockt war, zu sehen, dass ich anstatt über die Nachrichten über Twitter auf den Brand erstmals aufmerksam wurde. Und noch geschockter, als eine Reaktion von den Nutzern so lange ausblieb, vor allem im Vergleich mit der schnellen Reaktion auf den Brand Notre Dames! Wie schnell dort auf einmal Spenden von allen Seiten kamen – aber wenn der größte tropische Regenwald der Welt brennt ist das kein Handeln wert?

 

Was können wir tun?

Informiert euch und andere – je mehr Menschen von dem Ausmaß der Amazonas-Brände erfahren, desto mehr kann getan werden. Reduzieren, woederverwenden und recyclen – damit wird zwar nicht akut dem Regenwald geholfen, vermeidet aber größere ökologische Schäden, die unmittelbar mit der Amazonas-Krise im Zusammenhang stehen. Spendet an Hilfsorganisationen – zum Beispiel über WWF, Greenpeace, oder Prima Klima. Ihr könnt euch ebenfalls bei solchen Hilfsorganisationen als Freiwillige engagieren – kontaktiert sie mal. Engagiert euch mehr für politische Aufmerksamkeit – Ihr könnt eure Sorge über den Zustand im Amazonas-Regenwald in Bürgersprechstunden an eure Wahlkreisabgeordneten tragen, oder sie direkt kontaktieren. Um herauszufinden, welcher Abgeordnete für euren Wahlkreis im Bundestag sitzt, könnt ihr die Website Abgeordnetenwatch nutzen.  Zudem könnt ihr euch Demonstrationen anschließen, die Aufmerksamkeit generieren oder im Internet die Hashtags #PrayforAmazonia oder #AmazonRainforest nutzen.

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