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Vielleicht lieber heute (Teil 16): Regionalität – ein ungeschützter Begriff

Regional einzukaufen wird immer wieder empfohlen. Doch es existieren keine allgemein verbindlichen Definitionen der Begriffe der Region und der regionalen Lebensmittelerzeugung. Was bedeutet das für unseren Einkauf?

Von Nadja Hochholz

Was bedeutet bei Lebensmitteln „regional“?

Ein regionales Produkt sollte „aus der Region für die Region“ sein. Es wird innerhalb einer abgegrenzten Region erzeugt, verarbeitet und vermarktet. Für den Begriff „Region“  gibt es keine rechtliche Definition und somit auch keine verbindlichen Kriterien bezüglich der Produkt -und Prozessqualitäten. Natürlich sollten die Angaben der Regionalität korrekt sein, jedoch ermöglichen sie vielfältige Formen der Verbrauchertäuschung. So lässt sich anhand der Angabe nicht erkennen ob es sich bei dem angegebenem Ort um den Verarbeitungsort, den Ursprung des Produktes, oder beides handelt. Wenn du also einkaufen gehst und nach einem Produkt greifst, welches als regional gekennzeichnet ist, heißt es nicht, dass es das auch unbedingt ist!

Was sind keine Zeichen für regionale Produkte?grocery-store-2119702_1280

Regionale Produkte erkennt man nicht an Werbebegriffen wie „aus der Region“ oder „von hier“, ohne genaue Ortsangaben. Markennahmen mit regionalem Bezug wie „Mark Brandenburg“. – für die Herkunft der Rohstoffe oder Zutaten sind im Markengesetz keine Regelungen vorgeschrieben. Auch bei Regionalen Spezialitäten mit geschützter geografischer Angabe (g.g.A.) – wie Lübecker Marzipan. Nur eine Stufe der Produktion muss im genannten Gebiet stattfinden, die Herkunft der Rohstoffe ist trotzdem unklar. Selbst Identitätskennzeichen sind keine verbindlichen Indikatoren für ein regionales Produkt. Wenn dort zum Beispiel „D NW xxx“ steht, bedeutet dies lediglich, dass die letzte Verarbeitungsstufe oder die Verpackung in NRW vorgenommen wurde. Der Ursprung der Zutaten ist dabei unbekannt. Ebenfalls die Angabe „Hergestellt für …“ , oder die Herstelleradresse auf verpackten Lebensmitteln sind keine Aussagen über die Herkunft der Rohstoffe.

Welche Regionalkennzeichnungen gibt es?

Das Regionalfenster ist meiner Meinung nach eine gute Orientierungshilfe. Es werden viele Informationen zu dem Herkunftsort, Verarbeitungsort und dem Anteil verwendeter regionaler Zutaten angegeben. Eine Garantie für ein regionales Produkt ist das Regionalfenster allerdings nicht, denn die Lebensmittel können natürlich deutschlandweit vermarktet werden. Deswegen den kritischen Blick beibehalten und genau auf die einzelnen Angaben achten (da beim Herkunftsort manchmal mehrere Bundesländer/Großregionen angegeben sind).

Auch gibt es Regionalinitiativen. Sie überprüfen die Qualität der Produkte und helfen den Betrieben bei der Umsetzung und Einhaltung von Richtlinien. Regionalinitiativen handeln als Ansprechpartner bei ökonomischen Fragen und sind Vermittler bei Verhandlungen, etwa der Preisfindung, mit dem Lebensmitteleinzelhandel. Beispielsweise wird die Auszeichnung „REGIONAL PLUS – fair für Mensch und Natur“ vom Verein Regionalbewegung NRW an Initiativen vergeben, die Regionalität, Umwelt- und Naturschutz sowie Qualitätssicherung garantieren. Für weitere Regionalmarken in der Umgebung kann man auf die Website Regio-Portal gehen.

Wenn du es ganz einfach haben willst, kannst du natürlich auch einfach beim Bauern selber einkaufen gehen! Solltest du nicht wissen, wo bei dir in der Umgebung Hofläden sind, lad dir die App „Foodahoo“ runter – die habe ich auch in meinem Beitrag zu Green Apps vorgestellt!

Ist es besser regional einzukaufen?

Zum einen stärkt man durch den Kauf von regionalen Lebensmitteln die Erzeuger vor Ort und somit auch die regionale Wirtschaft. Des Weiteren sind regionale Lebensmittel meist frischer, da der Transportweg wesentlich kürzer ist (ein kurzer Transportweg ist natürlich auch klimaschonender). Der Kauf von Lebensmitteln aus der Region kann außerdemzur Landschaftspflege beitragen, zum Beispiel wenn die Bauern ihre Rinder auf ausgedehnten Weideflächen grasen lassen oder Streuobstwiesen pflegen.

Also ja, man kann durchaus sagen, dass es besser ist regional einzukaufen (wenn man darauf achtet, dass die Produkte tatsächlich regional sind) vor allem wenn du auf zusätzliche Kriterien wie Saisonalität oder/und Bio-Qualität achtest!

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