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Aktuelles Alltag

Vielleicht lieber heute (Teil 15): Green Apps – sinnvoll oder unnötig?

Green Apps werden immer populärer. Codes werden gescannt, Angaben zu Unternehmen und Firmen abgerufen, Kalender für Obst und Gemüse gecheckt. Der Bezugspunkt? Nachhaltigkeit. Doch was für Informationen liefern diese Apps tatsächlich? Und wie sinnvoll sind diese dann?

Von Nadja Hochholz

Bisher gibt es keine festgelegte Definition zur Green App. Beschreiben würde ich sie als eine App, welche sich mit Nachhaltigkeit auseinandersetzt. In welchen Punkten sie das macht, oder worauf genau sie sich bezieht, ist von App zu App unterschiedlich.

Es gibt sehr viele verschiedene Green Apps, ich werde mich hier jedoch auf fünf beschränken. Ich habe gerade diese fünf ausgewählt, weil sie mir erstaunlich oft auf Pinterest und von verschiedenen Bloggern empfohlen wurden. Und diesen Empfehlungen wollte ich dann nachkommen.

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1. Barcoo

Mithilfe von Barcoo kann man Lebensmittel scannen, Angebote und Prospekte anschauen und sich Produkte für den nächsten Einkauf merken. Für den Gebrauch dieser App ist eine gute Internetverbindung erforderlich, womit wir bei meinem ersten Kritikpunkt wären. In den meisten Läden gibt es noch kein freies WLAN. Außerdem hat man in vielen Läden oft keinen, oder nur sehr schlechten Empfang. Und wer keine Internetflatrate hat, kann diese App nur zuhause verwenden.

Scannt man ein Produkt, erhält man eine kurze Produktbeschreibung, welche jedoch nur das wiedergibt, was auf dem Produkt selber schon drauf steht: die Inhaltsstoffe. Und auch diese wurde noch nicht bei allen Produkten verfasst (z.B. der „ja!“ Schinken aus dem Rewe).

Auf diese Produktbeschreibung folgt eine Lebensmittelampel. Diese gibt an, von welchem Nährstoff eine geringe, mittlere oder hohe Menge enthalten ist. Und je nachdem ob dies gut, mittelmäßig oder schlecht ist, sind die einzelnen Nährstoffe grün, gelb und rot gekennzeichnet. Um dann mehr Informationen zu erhalten, muss man auf eine gesonderte Internetseite zugreifen, welche den CO2 Fußabdruck des Produktes darstellen soll. Als Information zu dem Schinken, stand dort dann lediglich, dass je nach Wurst eine variable Klimabilanz besteht, Geflügelwurst natürlich etwas besser wäre und man sparsam mit Wurst umgehen sollte. Hier muss ich leider sagen, dass ich dies nicht sehr informativ fand. Auch scannte ich eine Butter von „Kerrygold“, welche einen hohen Anteil an Fett und gesättigten Fettsäuren enthält. Auf der Website fand man dann die Information, dass je höher der Fettanteil von Butter, man mehr Milch, somit auch mehr Kühe, für die Herstellung benötigt und dass dies nicht gut für die Umwelt ist. Diese Information war für mich persönlich auch nichts Neues.

Insgesamt muss ich also sagen, dass ich „Barcoo“ nicht sehr informativ oder hilfreich fand. Es werden meiner Meinung nach viel zu wenige Informationen angegeben. Außerdem beschränkt sich die App auf Lebensmittel, wobei sie dann nicht über alle Lebensmittel Informationen geben kann.

2. CodecheckScreenshot_20190531-141537

Installiert man die App, bekommt man eine Einführung, wie sie funktioniert und was man alles machen kann. Mit Codecheck kann man Produkte scannen oder individuell suchen. Auch kann man persönliche Warnungen einstellen. Diese sind aufgeteilt in vier Kategorien: Lifestyle (Gluten, Laktose, vegan, vegetarisch), Nährwertangaben (Fett, gesättigte Fettsäuren, Salz, Zucker), Gesundheit (hormonell aktiv, Aluminium, Nanopartikel, allergene Duftstoffe) und Umwelt (Silikon, Mikroplastik, Palmöl). Wie Barcoo benötigt diese App eine gute Internetverbindung, also auch hier ein Kritikpunkt.

Zunächst habe ich meinen Concealer gescannt. Daraufhin erhielt ich Informationen über die Inhaltsstoffe. Diese wurden aufgeteilt in die Kategorien bedenklich, leicht bedenklich und unbedenklich. Außerdem erhielt ich zusätzlich die Angabe ob eine meiner angegebenen persönlichen Warnungen enthalten war. Man kann auf jeden Inhaltsstoff klicken und erhält Informationen darüber, was er tut und inwiefern er die Gesundheit gefährdet oder nicht. Zum Beispiel enthält mein Concealer Cyclopentasiloxane, Silikonöle. Sie haben die Funktion die Haut geschmeidig zu machen und zu glätten. Eingestuft wurde der Stoff von der App als bedenklich, da es Verdacht auf hormonelle Wirksamkeit gibt. Außerdem ist der Stoff, wenn man das Produkt entsorgt, schwer abbaubar und wassergefährdend. Dann gibt die App ebenfalls ihre Datenquellen an, sodass man sich noch mehr Informationen dazu besorgen kann.

Außerdem scannte ich hier die Butter, welche ich auch mit Barcoo gescannt hatte. Hier wurde mir ebenfalls eine Nährwertampel angezeigt, welche die gleichen Punkte markierte, wie die Ampel der Barcoo-App. Außerdem wurde angegeben, ob sie gluten – oder/und laktosefrei ist, vegan und vegetarisch. Auch werden Label- und Gütesiegel angezeigt. Die Butter von „Kerrygold“ hat zum Beispiel das Grüne-Punkt Label. Die App informiert einen dann über den Labelgeber und was das Label besagt, hier steht es für klimafreundliches Verpackungsrecycling. Auch bei diesen Angaben werden wieder Quellen angegeben.

Zusammengefasst finde ich „Codecheck“ sehr gut! Mein einziger Kritikpunkt ist tatsächlich, dass eine Internetverbindung notwendig ist. Ansonsten ist die App sehr informativ, hat ein weites, gut ausgeführtes Angebot und gibt immer Quellen an, wodurch man sich, je nach Wunsch, noch ausführlichere Informationen durchlesen kann.

3. FoodahooScreenshot_20190531-122604

Foodahoo zeigt einem Biohöfe, Hofläden und Märkte in der Umgebung an. Hier muss man also den Zugriff auf seinen Standort zulassen und braucht ebenfalls eine Internetverbindung. Hier muss ich jedoch sagen, dass ich es nicht schlimm finde, dass die App eine Internetverbindung benötigt, denn ich denke, dass man einen Marktbesuch, oder wo man einkaufen möchte, sowieso von zuhause aus plant, wo man, zumindest die meisten, eine WLAN-Verbindung hat.

Man erhält die genaue Adresse, Informationen zur Entfernung und den Öffnungszeiten und über das Lebensmittelangebot. Sollten Bioläden, Hofläden oder Märkte, welche man selber kennt, noch nicht angegeben sein, so kann man diese für einen Eintrag vorschlagen.

Natürlich kann man all diese Informationen auch googlen, doch ich persönlich halte es für praktisch, alles griffbereit in einer App vorzufinden.

4. Fair Fashion?Screenshot_20190531-123110

Die App wird aufgeteilt in die Kategorien „Check your brand“, „Was ist Existenzlohn?“, „Shopping Chat“,“ Glossar“, „Vorgehensweise & Bewertungskriterien“ und „Über Uns“. Sie soll Informationen über die Nachhaltigkeit von verschiedenen Unternehmen, die Kleidung verkaufen, geben.

Den Aufbau der App fand ich prsönlich etwas nicht so gut durchdacht und auch etwas verwirrend. So würde ich dem Verlauf der App nach, zuerst auf „Check your brand“ klicken und mir die Bewertung von Marken durchlesen, ohne die Bewertungskriterien zu kennen.

Beginnen werde ich nun also mit der Vorgehensweise und den Bewertungskriterien der App. Sie untersuchen nicht alle Fakten, welche in die Nachhaltigkeit mit einspielen, sondern die Nachhaltigkeit der Modeunternehmen nur im Bezug auf den Existenzlohn. Hier muss man also wieder in der App die Kategorie wechseln, um zu erfahren, wie Existenzlohn von ihnen definiert wird. Erklärt wird dieser von der App nach dem Standard der Clean Clothes Campaign (hier muss man für mehr Infos zum Glossar wechseln). Existenzlohn soll ausreichen um die Grundbedürfnisse des Arbeiters und seiner Familie zu decken (Miete, Essen, Ausbildung, etc.), wobei jedoch ein Anteil (ca.10%) übrig bleiben soll um nicht vorhergesehene Kosten zu decken oder als Ersparnisse zurück zu legen. Die Vorgehensweise ist also wie folgt: Die Unternehmen erhalten Fragebögen mit vier Schlüsselbereichen; Stärkung der Arbeiter*innen, Zielgrößen & Einkaufspraxis, Dialog & Zusammenarbeit und Strategie zur Umsetzung eines Existenzlohns. Weiter erläutert werden diese Schlüsselbereiche nicht. Auch zur Bewertung der Fragebögen wird lediglich gesagt, dass pro Bereich 10 Punkte erreicht werden konnten.

Geht man also nun zu der Kategorie „Check your brand“, um zu sehen wie die einzelnen Unternehmen abgeschnitten haben, werden diese in die Bewertungsbereiche keine Antwort (Unternehmen hat den Fragebogen nicht zurück gesendet; Bsp.: Kik), ungenügend (setzen sich kaum für die Umsetzung von Existenzlöhnen ein), nachlässig (erkennen die Problematik an, jedoch mangelt es an der Umsetzung), so lala (erste Ansätze zur Bezahlung, jedoch überzeugen sie damit nicht), auf dem Weg (erste konkrete Schritte sind gemacht, sollten aber noch mehr tun) und gut (arbeiten maßgeblich and er Bezahlung eines Existenzlohnes und zeigen dass die Maßnahmen zu höheren Löhnen Führen) unterteilt. Man kann dort nicht einfach ein Unternehmen suchen, sondern muss durch die einzelnen Bewertungsbereiche scrollen, bis man das gewünschte Unternehmen findet. Das finde ich persönlich sehr unpraktisch. In dem Bereich „Gut“ ist kein Unternehmen gelistet. Im Bereich „Auf dem Weg“ ging ich dann auf die Marke Bershka. Dort findet man die Angaben, wo sie produzieren, wobei diese ungenau sind („Europa, Marokko, Asien und weitere Länder“). Darauf folgt dann ein Zitat unter dem Punkt „Was sie sagen“, in welchem in maximal drei Sätzen zusammengefasst wird, was das Unternehmen bzgl. des Erreichen eines Existenzlohnes tun. Auch hier erhält man kaum Informationen und sehr ungenaue Angaben. Genauso ungenau ist die Kategorie „Was wir sagen“, in welchem die App innerhalb von 2 Sätzen die eigene Meinung dazu benennt. Im Endeffekt wird nur die Definition des Bewertungsbereiches wiedergegeben.

Die Kategorie „Shopping Chat“ war auch nicht hilfreich.Screenshot_20190531-124213 Ich konnte auf jede Frage zwischen zwei Antworten wählen und „das Gespräch“ war innerhalb von 4 Nachrichten der App gegessen.

Zusammenfassend muss ich sagen, dass ich sehr enttäuscht von der App war. Man erhält so gut wie keine Informationen und die, welche man erhält, sind ungenau und kaum, beziehungsweise gar nicht ausgeführt. Wieso wird nicht der komplette Fragebogen mit den Antworten der Unternehmen veröffentlicht? Oder wurde eigentlich gar keiner versandt und die „Zitate“ stammen nur aus dem Internet? Ich denke die App hat an sich Potenzial, würde man sie weiter ausarbeiten (sodass man individuell suchen kann) und mit mehr Informationen ausstatten.

 

5. Grüne Zeit – SaisonkalenderScreenshot_20190531-130608

Die letzte App, welche ich mir angeschaut habe, war die „Grüne Zeit“.  Diese App bietet einen Saisonkalender an, welcher aufgeteilt ist in Gemüse, Salate und Obst. Sie zeigt an, in welchem Monat was saisonal ist und wie hoch die Klimabelastung des einzelnen Produkts ist. Hierbei muss man jedoch ebenfalls beachten, dass die Klimabelastung auch mit der Regionalität zusammenhängt. Die Angaben der App beziehen sich auf Produkte aus Deutschland und der EU.

Aufgeteilt werden die Sorten in die Kategorien sehr geringe Klimabelastung (Freilandprodukt), geringe-mittlere Klimabelastung (geschützter Anbau mit Abdeckung, Lagerware, Produkte aus ungeheizten oder schwach geheizten Gewächshäusern) und hohe Klimabelastung (Produkte aus geheizten Gewächshäusern). Klickt man dann auf ein Produkt, bekommt man weitere Angaben dazu, wann welche Klimabelastung besteht. Kauft man zum Beispiel jetzt Kohlrabi, so besteht eine geringe Klimabelastung, im November jedoch eine mittlere.

Ich finde die App praktisch, da man alle Informationen auf einen Blick erfasst.

Was für Green Apps könnt ihr empfehlen?

 

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