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Aktuelles Gesellschaftsleben Interviews

Vielleicht lieber heute (Teil 10): Honig von nebenan

Avocados aus Mexiko und Kichererbsen aus Indien sind nur zwei Beispiele von Lebensmitteln, die einen weiten Weg hinter sich legen, um im Supermarkt um die Ecke zu landen. Dieser Artikel richtet seinen Fokus auf einen Gegenentwurf dessen – regionale Produkte. Besser gesagt, regionalen Honig.

von Tabea Schulze

Honig wird von Honigbienen produziert, die allzu oft als Störenfriede wahrgenommen werden. Simon Schulze-Musiol ist einer derjenigen, die stattdessen den Mehrwert der Honigbiene erkannt haben. Der studierte Volkswirtschaftler ist seit mehreren Jahren selbstständiger Imker und produziert seinen eigenen, regionalen Honig. Sein Unternehmen ist in der Region Hildesheim in Niedersachsen beheimatet.

Simon, wieso hast du dich dazu entschieden Imker zu werden?

Weil es eine relativ selbstbestimmte Arbeit ist, bei der man sein eigener Herr ist. Natürlich muss man sich am Markt auch als Unternehmen bewähren und unterliegt gewissen Vorgaben und Rahmenbedingungen, aber hat doch relativ große, eigene Entscheidungsspielräume. Und natürlich auch, weil ich dadurch meine Naturverbundenheit ausleben kann.

Simon Schulze-Musiol: Berufsimker in der Region Hildesheim. Copyright: Simon Schulze-Musiol
Simon Schulze-Musiol: Berufsimker in der Region Hildesheim. Copyright: Simon Schulze-Musiol

In Deutschland sieht ein typischer Arbeitstag oft so aus, dass man morgens ins Büro geht und um 16:00 Uhr Feierabend hat. Die meiste Zeit des Tages sitzt man am Schreibtisch und arbeitet am Computer. Du hast dich gegen dieses Modell entschieden, bist stattdessen draußen in der Natur und umgibst dich mit Tausenden von Honigbienen. Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Der Arbeitsalltag ist sehr abwechslungsreich. Er hängt natürlich stark von den Jahreszeiten ab. Im Frühjahr, Sommer und Spätsommer arbeite ich sehr viel an den Bienenvölkern. Die Spätsommerbehandlungen und das Auffüttern im Herbst schließen das dann ab. Ab dem Herbst/ Winter bis ungefähr Februar/ März, bis die Seilweide blüht, beschäftige ich mich dann mehr mit der Vermarktung. Wir vermarkten unsere Honiggläser im Lebensmitteleinzelhandel oder privat, auf Märkten, in Hofläden, usw. selbst. Die Nachfrage im Winterhalbjahr ist immer etwas höher. Von daher passt es gut mit den Arbeitsabläufen. Im Sommer, wo wir ohnehin viel an den Bienenvölkern zu tun haben, wird etwas weniger nachgefragt.

In den Supermarktregalen steht eine Vielzahl an Honigen. Was genau zeichnet deinen Honig aus?

Meinen Honig zeichnet in erster Linie seine Naturbelassenheit aus. Wir verändern an dem Produkt gar nichts. Nach dem Schleudern wird er gerührt und abgefüllt. Er wird in keiner Weise durch entziehen oder hinzufügen irgendwelcher Substanzen oder Stoffe verändert. Er wird auch keiner Hitze ausgesetzt, sodass wertvolle Inhaltsstoffe erhalten bleiben und er wird nicht mit anderen Honigen gemischt. Wir verkaufen alle Honige so, wie die Trachten, also z.B. Pollen und Nektar, durch die Bienen in deren Stock eingetragen werden und deklarieren ihn als Sortenhonig. Die Honige, bei denen wir wissen, dass es keine reinen Sorten sind, werden z.B. als Sommertrachthonig deklariert und auch nicht mit dem Frühjahrshonig gemischt. So stellen wir sicher, dass wir wirklich einen reinen und naturbelassenen, ungemischten und unbehandelten Honig anbieten können, der die wertvollen Inhaltsstoffe alle noch enthält.

Simon Schulze-Musiol hat eine Vielzahl an Honigsorten in seinem Sortiment, z.B. den Sommertrachthonig. Copyright: Simon Schulze-Musiol
Simon hat eine Vielzahl an Honigsorten in seinem Sortiment, z.B. den Sommertrachthonig. Copyright: Simon Schulze-Musiol

Honig ist offenbar sehr vielfältig. Welcher Unterschied besteht zwischen herkömmlichem Honig und deinem Honig?

Herkömmlicher Honig ist natürlich ein weitgefasster Begriff. Ich würde sagen, man kann Honig, den man im Supermarkt findet, als herkömmlichen Honig bezeichnen. Wenn man das macht, dann unterscheidet sich unser Honig dadurch, dass er, wie eben schon gesagt, nicht gemischt ist. Das heißt, wir bieten kein homogenes Produkt an, was jedes Jahr einen identischen Geschmack hat. Diesen Markt bedienen die großen Abfüller, indem sie Honige anbieten, die jedes Jahr möglichst gleich schmecken. Bei uns haben beispielsweise der Sommertrachthonig und Lindenhonig jedes Jahr einen unterschiedlichen Geschmack, weil jedes Mal andere Beitrachten mit eingetragen werden. Das hängt sehr von der Witterung ab. Auch wieviel die einzelnen Pflanzen an Nektar abgeben, ist jedes Jahr sehr unterschiedlich. Ich würde sagen, das sind die Abgrenzungen zu herkömmlichem Honig. Außerdem stellen wir vor allem regionalen Honig her. Hier liegt unser Schwerpunkt. Wir haben die Bienenvölker hier in der Region stehen – in den unterschiedlichen Trachten, die die Region anbietet.

Regionaler Honig zeichnet sich also durch weitaus mehr als nur seine Produktionsnähe zum Endverbraucher aus. Er ist eins von vielen Produkten, die in Deutschland regional produziert werden. Startet bei eurem nächsten Einkauf doch einfach mal den Selbstversuch: Achtet bewusst darauf, woher die Lebensmittel stammen, die ihr in euren Einkaufswagen legt. Lasst euch auf die regionale Vielfalt ein und wer weiß, was euch für geschmackliche Highlights begegnen!

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