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Russische Studenten: Der Drang nach Westen

Überflieger sein? Das ist ganz normal. Zumindest für die russischen Studenten, die zum Studium nach Deutschland kommen. Die Motivation der Studenten und ihre Wege nach Deutschland sind ganz verschieden, aber der große Tatendrang ist ihnen gemein.

Russische Studenten gibt es an fast jeder deutschen Hochschule. Etwa zwölftausend Russinnen und Russen studieren an deutschen Unis und bilden damit die drittgrößte Gruppe ausländischer Studierender in Deutschland. Rekordhalter sind Studenten aus China (25.000) und Polen (15.000).

Die Finanzierung des Auslandsstudiums ist dabei für die Studis aus den Ländern mit geringem Durchschnittseinkommen das größte Problem. Das Leben und das Studium in Deutschland sind nicht gerade günstig. Stipendien sind da sehr begehrt, insbesondere diejenigen vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Hier sind die jungen Russen besonders aktiv und belegen die erste Stelle unter den DAAD-Stipendiaten.

„Jedes Jahr kommen insgesamt zwischen 80.000 und 90.000 DAAD-Stipendiaten nach Deutschland oder gehen als Deutsche DAAD-Stipendiaten ins Ausland“, erzählt Thomas Prahl, Leiter des DAAD-Referats für Russland und Belarus. Von diesen sind über 4000 Bürger der Russischen Föderation. Ungefähr ein Zehntel davon sind „richtige“ DAAD-Stipendiaten, das heißt, sie wurden in einem Individualstipendien-Programm ausgewählt. Die anderen sind Studierende, Doktoranden oder Wissenschaftler, die im Rahmen von Hochschulpartnerschaften zwischen deutschen und  russischen Hochschulen ausgewählt wurden, und dann mit DAAD-Geld gefördert werden.

Thomas Prahl (DAAD) spricht über russische Studenten

Die Qualität der Bewerbungen aus Russland, und vor allem aus den ländlichen Gegenden,  ist in den letzten 20 Jahren deutlich angestiegen, so Thomas Prahl. „1992 kamen 80 Prozent aller Stipendiaten des DAAD aus Moskau und Sankt Petersburg und der Rest aus der Provinz. Im letzten Jahr war es anders herum“, sagt er.

Ringen um ein Stipendium

Für ein Stipendium muss man allerdings kämpfen, denn es gibt etwa zwölf Bewerber pro Platz. „Jedes Jahr gibt es ungefähr 3000 Bewerber aus Russland“, sagt der DAAD-Referent. „Die meisten bringen eine sehr solide Mathematik-Ausbildung mit und sind damit besonders für das Studium der Naturwissenschaften, Technikwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften geeignet. Auch Kulturwissenschaften und Germanistik sind sehr beliebt“. Allerdings seien Studenten aus Russland oftmals noch sehr jung und wüssten nicht immer so richtig, warum sie eigentlich nach Deutschland kommen. Da spielen dann meist die Eltern eine große Rolle.

DAAD-Stipendiatin Julia Butorina wusste ganz genau Bescheid, warum sie nach Deutschland wollte. Sie ist eine der 40 jungen „Streber“ aus Russland, die jedes Jahr für das meistgefragte DAAD-Master-Programm ausgewählt werden. In der Russischen Südmetropole Rostow am Don hat Julia Philologie studiert. „Das war aber die Grenze, ich hatte dort nichts mehr zu tun“, erklärt die 25-Jährige. „Deshalb fand ich Weiterbildung in Deutschland eine gute Idee“.

Sie hat das geschafft, wovon viele träumen, und studiert jetzt English Studies in einer internationalen Gruppe in Berlin. Noch ein Jahr liegt vor ihr – und was kommt dann? „Das ist mir ganz klar“, sagt die Stipendiatin. „Ich will nach Russland zurückkehren und dort selbst einen ähnlichen Studiengang gründen, denn in meiner Stadt gibt es so etwas leider nicht. Ich könnte ja auch Gastprofessoren einladen. Von denen habe ich hier viele kennengelernt“.

Julia Butorina über ihre Pläne

Eine Entscheidung der Eltern

Ganz anders sieht das Tanja Zavalishina. Sie hat in Deutschland ihre zweite Heimat gefunden. Mit 19 Jahren ist sie ist nach Deutschland gekommen. Inzwischen wohnt und studiert sie bereits seit fünf Jahren hier und hat auch schon ihren ersten Studienabschluss gemacht. „Die Entscheidung haben in erster Linie meine Eltern getroffen. Sie haben mir dabei finanziell unter die Arme gegriffen“, erzählt die Master-Studierende. „Sie haben gesagt, dass es schön wäre, wenn ich nach Deutschland fahren würde. Ich hatte Deutsch bereits in der Schule und brachte so die für das Studium relevanten Sprachkenntnisse schon mit.”

Jetzt spricht sie perfekt Deutsch. „Ich glaube, es liegt am Willen. Wenn man richtig Lust darauf hat, die Sprache zu erlernen, kriegt man das schon hin. Ich habe viel Fernsehen geguckt, viel Radio gehört und mich in die Sprache hinein versetzt“, erklärt Tanja.

Ihre Pläne sind ehrgeizig. Nach dem Studienabschluss hat sie vor, zum Fernsehen zu gehen. „Ich würde gerne als Kamerafrau arbeiten. Ich mache jetzt die ersten Schritte Richtung Fernsehen und sammle meine ersten Erfahrungen hinter der Kamera. Momentan nehme ich an der Uni an einem Seminar teil, in dem wir gemeinsam Beiträge produzieren. Das macht schon Riesenspaß“, sagt Tanja. Sie würde gerne In Deutschland bleiben. „Denn ich glaube, dass ich hier mehr Chancen habe, gut in meinem Job zu werden“.

Tanja Zavalishina ueber ihre Erfahrungen in Deutschland

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