Hochschulen wie Harvard, Cambridge, Oxford und Yale sind aus den Top fünf des World University Rankings nicht mehr wegzudenken. Seit Jahren führen sie die Ranglisten der weltbesten Unis an. Sie alle fallen dabei unter die Kategorie, die man gemeinhin als Eliteuniversität bezeichnet. Was das bedeutet? Hier werden die Besten der Besten gesucht. Und das in jeder Hinsicht.
Auch für deutsche Studenten ist die Idee attraktiv, einen Abschluss von einer weltweit renommierten Uni in der Tasche zu haben. Viele verfallen beim Namen der internationalen Spitzenreiter jedoch erst einmal in Ehrfurcht. Aber werden die Mythen und Geschichten um die Eliteschmieden der Realität überhaupt gerecht?
Studieren in der Ivy League: Gute Noten allein reichen nicht
Sie ist die wohl berühmteste Uni der Welt: die Harvard University. Eine Vielzahl von Filmen, zahlreiche Internetforen und noch mehr Ratgeber drehen sich darum, wie man es schafft, hier aufgenommen zu werden. Bedingung Nummer eins: Bewerber müssen einen langen Atem haben. In der Regel beginnt die Vorbereitung für das Auswahlverfahren ein bis zwei Jahre im Voraus. Dabei wird es immer schwieriger: erreichten Harvard 1998 noch rund 17.000 Bewerbungen, waren es 2008 schon fast 27.000.
Gute Noten allein reichen daher nicht, um zugelassen zu werden. Auch das Nachweisen sozialen Engagements, Empfehlungsschreiben ehemaliger Dozenten und das Bestehen zahlreicher Test sind Teil des Aufnahmeverfahrens. Dazu kommen noch die Essays, in denen der Bewerber erklärt, warum ausgerechnet er der perfekte Kandidat für den Studienplatz ist. Bis zu sieben Stück kommen da zum Beispiel während des Aufnahmeverfahrens der Harvard Business School zusammen. Hier kann man allerdings auch wichtige Punkte sammeln, denn im Essay wird deutlich, was den einen Aspiranten vom anderen unterscheidet. Ein Persönlichkeitsprofil auszubilden ist dabei ebenso wichtig, wie triftige Gründe für die Wahl der Uni zu nennen.
Genial ja, gleichförmig nein
In Harvard geht es darum, in der Masse von hoch ambitionierten und qualifizierten Bewerbern aufzufallen. Wie das funktioniert, kann man sich in den USA im Vorfeld von einem eigens engagierten Coach beibringen lassen. Wer sich den nicht leisten kann, greift auf einen der vielen Ratgeber zurück, wie beispielsweise den von Michele Hernandez. Einer der meistgegeben Ratschläge dabei: bleib authentisch. Viele trauen sich nicht, über ausgefallene Hobbys oder Interessen zu schreiben. Vielleicht sind es aber gerade diese, die den Bewerber interessant machen.
Für ausländische Bewerber ist das Verfahren oft besonders mühsam. Zeugnisse müssen übersetzt und Auszeichnungen erklärt werden. Manchmal ist die Nationalität aber auch von Vorteil, schließlich bemüht man sich in Harvard um Diversität. Dieses Streben nach der bunten Mischung führt aber mitunter zu einem Hindernis ganz anderer Art. Haben sich zum Beispiel bereits genügend Deutsche Studenten qualifiziert, wird der Engländer vorgezogen. Selbst wenn der rein fachlich nicht unbedingt besser ist.
Hat man einen Studienplatz ergattert, stellt sich bald die nächste Hürde: die Finanzen. Auch wenn sich die amerikanischen Eliteunis, zusammengefasst unter dem Begriff Ivy League, um finanzielle Förderung von weniger vermögenden Studenten bemühen, muss doch ein großer Teil die etwa 70.000 Dollar Gesamtkosten pro Jahr selbst aufbringen. Wer also mit dem Gedanken spielt, seinen Master an einer Eliteuni zu absolvieren, sollte sich frühzeitig für Stipendien bewerben.
Very British
In der internationalen Konkurrenz müssen sich die britischen Unis nicht hinter den Kollegen aus den USA verstecken. Das Aufnahmeverfahren ist allerdings oft weniger erschreckend. Zwar ist auch hier ein überdurchschnittliches Zeugnis unabdingbar, sonst zählt aber vor allem Qualität statt Quantität. Fachliches Interesse, Publikationen und Auszeichnungen sind entscheidender als Wohltätigkeitsprojekte. Ob bereits die Eltern an der Uni studiert haben, interessiert im Gegensatz zu den amerikanischen Unis in England übrigens die wenigsten.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Konkurrenz weniger groß wäre. 2009 haben sich laut Angaben der Oxford University 17.000 Studenten für ein Erststudium beworben. Weitere 17.500 Bewerber um einen weiterführenden Studiengang kommen hinzu. 61 Prozent davon kommen aus dem Ausland, viele auch aus Deutschland. Fast alle (ca. 99 Prozent) der angenommenen Undergraduate Studenten haben übrigens A-Levels Noten von AAA oder besser – das entspricht etwa einem deutschen Abiturschnitt von 1,0 bis 1,5.
Tradition meets Fortschritt – Bewerbungsgespräch via Skype
Felix, Kommunikations- und Medienwissenschaftsstudent aus Düsseldorf, hat für das Jahr 2010 einen Postgraduate Studienplatz am Oxford Internet Institute bekommen. Seinen aufwändig gestalteten Bewerbungsunterlagen folgte schon nach wenigen Tagen die Einladung zum Interview. Statt Fragen nach seinem wissenschaftlichen Interesse wollten die Prüfer in Oxford allerdings mehr über seine Zukunftspläne und sein vorangegangenes Studium wissen. „Ich war mit keiner einzigen meiner Antworten wirklich zufrieden.“ Trotzdem kann zwei Wochen später die Zusage.
Auch Stefan, Physikstudent aus Aachen, beginnt im Herbst sein Masterstudium in Oxford. Für ihn war ebenfalls das Interview ausschlaggebend, das die Uni laut eigenen Angaben nach der Vorauswahl mit 75 Prozent der Bewerber führt. Der Vorteil: selbst wenn nicht alle Noten makellos sind, hat man die Chance, persönlich zu überzeugen. Das Aufnahmeinterview führte Stefan übrigens via Skype. Ihrem steifen, verstaubten Image werden die britischen Eliteunis damit kaum gerecht.
Very british wird es allerdings, wenn es um die Sprachkenntnisse geht. Im TOEFL Test muss man mindestens 110 von 120 Punkten erreichen – an den meisten Unis bewegt sich dieser Wert um die 80 Punkte.
Wer es an die Uni geschafft hat, muss sich auf ein straffes Programm gefasst machen. Zahlreiche Essays, Diskussionsrunden und wöchentliche Gespräche mit dem Tutor fordern die vollständige Aufmerksamkeit der Studenten. Nebenbei arbeiten ist da für die wenigstens drin und auch nicht gern gesehen. Die hohen Studiengebühren müssen also im Vorfeld gespart oder durch Stipendien gedeckt werden.
Zu Prüfungen und Feiern gibt es in Oxford übrigens nach wie vor eine Kleiderordnung: der Subfusc umfasst Anzug und Fliege unter dem Talar. Trotz seines modernen Aufnahmeverfahrens wird Tradition bei den Briten eben doch großgeschrieben.
Versuchen kostet nichts
Auch wenn das Studium an einer internationalen Eliteuni für viele Studenten einen finanziellen Spagat bedeutet, lohnt sich ein solcher Schritt. Schließlich haben 95 Prozent der Harvard Business School innerhalb von drei Monaten nach Abschluss einen Job. Auf der Suche nach dem perfekten Studienplatz kommt es aber vor allem darauf an, dass Uni und Studiengang zu den eigenen Wünschen und Fähigkeiten passen. Wer das Studium nur des guten Namen willens aufnimmt, wird in den seltensten Fällen glücklich.



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