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Bachelor ist nicht gleich Bachelor

Mit dem Beitritt zum Bologna-Prozess haben sich bisher 46 europäische Staaten daran gemacht, die internationale Vergleichbarkeit von Studiengängen und Abschlüssen zu verbessern. Als Schlüsselinstrumente dienen hier das ECTS-Leistungspunktesystem, die Gliederung in ein insgesamt 10-semestriges Bachelor- und Masterstudium und die Strukturierung in einzelne Module. De facto sind aber Klagen zu hören: zum Beispiel sind die einzelnen Module oft so universitätsspezifisch, dass es sogar beim Hochschulwechsel innerhalb eines Bundeslands Schwierigkeiten gibt . Die wirklich interessante Frage muss also lauten: Wie sieht das neue europäische Studiensystem im interkontinentalen Vergleich aus?

Vom Grundprinzip her wurden Bachelor und Master vom angelsächsischen System übernommen, welches in England, den USA, Kanada und Australien Tradition hat. Sowohl innerhalb dieser Länder als auch zwischen angelsächsischem und europäischem Prinzip bestehen aber immer noch große Unterschiede.

So umfasst der US-amerikanische Bachelor vier Jahre, der deutsche Abschluss nach drei Jahren wird dort weitgehend nicht anerkannt. Ein neu auftauchender Grund hierfuer ist, dass die schulische Bildung in Deutschland auf zwölf Jahre verkürzt wurde. Das 13. Schuljahr sollte nämlich zum BA-Studium hinzugezählt werden und somit vier Jahre ergeben – dieser Plan wurde aber anscheinend übersehen, als die Oberstufe verkürzt wurde.

Studieren im Rest der Welt

Um in den USA einen Master zu absolvieren, muss oft bereits ein europäischer Masterabschluss vorgewiesen werden. Ähnliche Probleme ergeben sich auch in anderen Teilen der Erde. In Brasilien etwa, dem größten Land Südamerikas, wurde das Bildungssystem schon früher dem amerikanischen angepasst. Die Studienzeit bis zum Bachelor-Abschlusss beträgt hier ebenfalls mehr als drei Jahre. Gleiches gilt etwa für China und Suedafrika. Undurchschaubar sind teilweise aber auch die Unterschiede innerhalb der EU.

In Grossbritannien wird die Bologna-Erklärung nicht als verbindlich angesehen, weswegen parallel zum neuen Bachelor-System noch ein anderes existiert. Ähnlich auch in Schweden: hier ist es sogar je nach Universität verschieden, ob nach ECTS-System oder schwedischen Zensurskalen benotet wird. Wer also in die weite Welt ziehen und das Studium anderswo absolvieren möchte, sollte sich vorher genauestens informieren, welche Punkte der Bologna-Reform dort bereits umgesetzt wurden – wenn überhaupt.

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