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Tutorin: Der Job auf der anderen Seite

tutorin_maheliaGebannt blicken wir in den flimmernden Bildschirm, noch ein Frame… Zack, Schnitt ist gemacht, der Matchcut geht auf. Nochmal zurückspulen, Übergang anschauen wie die Kamera durch die Straßen von New York fliegt – Matchcut zu Tonys Laden, wo Leon der Profi gerade seinen Killerauftrag erhält. Da dreht sich mein Tutor zu mir um „Mensch Mahelia, hast du nicht Lust bei uns zu arbeiten? Weibliche Unterstützung könnten wir gut gebrauchen!“ Zack, war ich drin.

Von Mahelia Hannemann

Mein Videopraxis-Seminar war nach dem zweiten Semester abgeschlossen und mein Praktikum in einer amerikanischen Abteilung für Postproduktion gerade zu Ende, da durfte ich mich auch schon Tutorin nennen. Wie aufregend!

DIE Studis – mich ausgeschlossen

Meine Aufgaben: Seminar assistieren, vier mal die Woche Schnitt-Tutorien geben, Geräteausleihe organisieren. Hört sich doch gut an, vor allem, wenn es in einem für mich faszinierenden Bereich ist, in dem ich auch nach meinem Studium arbeiten möchte. In der ersten Stunde werden wir also brav vorgestellt und die Studis (DIE Studis – mich ausgeschlossen. Welch sonderbares Gefühl…) in unsere Tutorien eingeteilt. Zu jedem Termin kommen vier von ihnen, denn wenn jeder an seinem eigenen Schnittplatz arbeitet, lernt er mehr.

In diesem Semester soll erstmalig, neben dem Schnitt eines Trailers, noch Montagetheorie vermittelt werden. Das heißt für mich: Bücher wälzen! Die Studis scheinen kaum begeistert von meinen langen Powerpoint-Folien, was einige forcierte Nachfragen nötig macht. Am Ende dürfen sie sich allerdings doch mit einem Fünkchen Stolz mit dem Wissen über den Kuleshov-Effekt und gewissen Fremdwörter wie Matchcut rühmen. War doch gar nicht so schlimm.

Verwirrende Unipolitik

Wenn man mal das Institut von der anderen Seite betrachtet und Einblicke in die verwirrende Uni- und Personalpolitik erhält, fühlt man sich in der distanzierteren Rolle einer Studentin besser aufgehoben. Das ewige hin und her über halbe und viertel Stellen, Rechtfertigungen über genehmigte oder nicht genehmigte Studienbeitragsgelder und alltägliche Problemchen einer Institution sind unangenehme Themen, in die man sich lieber nicht einmischen möchte. Da bleib ich gerne im Video-Mikrokosmos, rechter Flügel, die drei Türen auf der rechten Seite.

Zu jedem Beginn eines neuen Seminars werde ich gefragt wie alt ich sei und erhalte dafür teils verwunderte, teils kritische Reaktionen. Dies sind Erfahrung, die wohl jede junge Lehrende einmal macht, wenn sie teilweise älteren Studierenden, mit denen man sonst gemeinsam studiert, etwas beibringen soll. Dass manchmal Kommilitonen aus meinem eigenen Jahrgang dabei sind, stellt eigentlich kein Problem da, weil ich glücklicherweise nichts mit der Notenvergabe zu tun habe.

Schwangere erhöhen die Redewahrscheinlichkeit

Die praktische Arbeit mit den Studis macht mir auch echt Spaß, vor allem wenn dabei lustige Geschichten entstehen. Zum Beispiel erhöhen Schwangere (Studi) die Bereitwilligkeit von Passanten bei Wind und Wetter Rede und Antwort zu stehen. Wenn man mit zwei Kameras dreht aber nur mit einer den Ton aufnimmt, bereitet es einem später stundenlanges Lippenlesen für die Synchronisation.

Da ab dem Sommersemester 2010 keine neuen KoWi-Studierende mehr kommen [Kommunikationswissenschaft, Anm.d.Red.], hoffe ich, dass wir einige von unseren Ehemaligen für unsere neue freiwillige Video AG begeistern können!

Und… Schnitt!

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