Seit 1997 hat James Cameron keinen Film mehr produziert. TITANIC war damals der teuerste Film der Kinogeschichte, und sicherlich auch einer der erfolgreichsten. Camerons jüngstes Projekt ist der 3D-Animationsfilm AVATAR, für welches weder Kosten noch Zeit noch Mühen gescheut wurden. Doch was ist dran am Hype um AVATAR? Wertet die Dreidimensionalität das Medium auf oder ist das Ganze nur Effekthascherei und ein überkommerzieller Versuch, die Menschen weg von ihren Laptops und wieder in die Kinosäle zu locken?
3D Kino oder Fernsehen ist ja keine Neuheit. Wer einmal zurückdenkt, wird in diesem Zusammenhang vielleicht auf längst vergessene (Kindheits-)Erinnerungen stoßen. Ich erinnere mich da zum Beispiel an die 3D-Brillen, die ab und an einer Fernsehzeitschrift beigelegt waren, immer dann, wenn sonntagabends die mehr oder minder spektakuläre 3D-Dokumentation über Dinosaurier oder dergleichen angekündigt war.
Technikeinsatz – von der Produktionsfirma genötigt
Ein ähnliches Phänomen, wie man es zur Zeit um AVATAR beobachten kann, spielte sich bereits Mitte der 50er Jahre ab. Da versuchte man nämlich auch den vorm Fernseher müde gewordenen Mann wieder ins Kino zu bekommen. Und wie machte man das? Richtig, man produzierte 3D-Filme. Natürlich war die Technik damals noch nicht so ausgereift wie heute, und der Effekt war nicht nur das Mittel, sondern meist auch der Zweck. Als Alfred Hitchcocks Dial M for Murder (Bei Anruf Mord) 1954 in den amerikanischen Kinos anlief, hatte sich die Euphorie um die Dreidimensionalität bereits gelegt, und der Film wurde, obwohl in 3D gedreht, nur in einer 2D-Version gezeigt. Der große Meister des Suspense stand der Technik übrigens skeptisch gegenüber, wurde allerdings von der Produktionsfirma genötigt sie zu benutzen.
Ein Dorn im Auge der Filmindustrie
Und nun? Wir schreiben das Jahr 2009 – der Begriff Web 2.0 ist wohl unter den meistgenannten dieses Jahres. Die kaum mehr wahrgenommene Digitalisierung unseres Lebens hat natürlich auch eine Auswirkung auf die Kinolandschaft, sprich Hollywood. Auf diversen Internetplattformen werden – wenn auch illegal – aktuelle Kinofilme zum Stream bereitgestellt. Das ist bequem, das ist kostenlos. Noch einfacher gesagt: Was 1953 das Fernsehen war, ist 2009 das Internet: Ein Dorn im Auge der Filmindustrie. Aber Hollywood hat, so scheint es, aus den Fehlern der Geschichte gelernt. Und das ist wohl zu einem sehr großen Teil James Cameron und seinem AVATAR geschuldet.
Die Story
Die Geschichte von diesem ist schnell erzählt, vielleicht nebensächlich, und wahrscheinlich sogar für Kitschfans zu pathetisch. Aber das muss so sein, nur so kann ein solcher Film funktionieren. Der beinahe zur Floskel verkommene Ausspruch, dass der Inhalt sich der Form anpasse, wäre hier richtig. Wie dem auch sei. Sagen wir einfach, es geht um Gut und Böse und die Sympathien sind klar verteilt.
Die Handlung spielt im Jahre 2154 auf dem Planeten Pandora. Dieser ist die Heimat des Naturvolks der Na’vi, und wird von den bösen Erdenbewohnern (im Film: die Himmelsmenschen) ausgebeutet. Es gibt allerdings auch einige gute Menschen. Diese sind Wissenschaftler und haben Apparaturen entwickelt, die es einem Lebewesen ermöglichen, seinen Geist, in einen anderen Körper – den Avatar – zu transformieren.
Höhere Ebene des Sich-Selbst-Vergessens
Entscheidend für die Qualität von AVATAR ist, wie der Film die 3D Technik einsetzt. Pandora ist ein eigenes Universum, mit einer eigenen Sprache, und vor allem einer eigenen Flora und Fauna. Die Dreidimensionalität des Films ermöglicht es dem Zuschauer, diese Welt zu erleben, beinahe zu fühlen. Die Technik ist hier Mittel zu einem höheren Zweck und vielleicht am besten oxymorisch mit auffällig-unauffällig beschrieben. Als Betrachter erfreut man sich an der Schönheit des Bildes, und gleichzeitig vergisst man, dass das Bild Bild ist. Man wird auf eine höhere Ebene des Sich-Selbst-Vergessens geführt, höher als dies jemals möglich war. Und dies funktioniert nur dadurch, dass die Geschichte in 3D erzählt wird.
James Cameron läutet mit AVATAR eine neue Ära des Kinos ein. Eine alte neue Art des Sehens und der Selbstauflösung. Und solange die Heimtechnik nicht auf diesem Stand der Möglichkeiten ist, ist AVATAR wohl nichts weniger als die vorläufige Befreiung Hollywoods aus den Fesseln des Internets.
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Hallo
Ich habe Avatar noch nicht gesehen. Hier bei uns in der Stadt gibt es im Kino noch keinen Saal mit 3D-Technik. Ich möchte den Film schon gerne schauen. Aber die Aussage die ich in verschiedenen Foren gelesen habe, das der Film revolutionär wäre und das Kino neu definieren würde. Ich verstehe das nicht. Warum ist das so?
Und warum muss man sich aus den Fesseln des Internets befreien? Was ist wenn man in einem Ort wohnt wo es kein 3D Kino gibt?
Vielen Dank für die Antwort
Ha Avatar wurde vor 8Jahren gedreht und seitdem nur noch postproduziert. Die Technik die ihr dort seht ist schon längst veraltet. Wartet ab was in den nächsten Jahren noch so alles kommt, es wird galaktisch! :) Außerdem wird es wohl nicht unbedingt ein langwieriger Anlockungsversuch bleiben, denn schon in ein paar Monaten kommen erschwingliche 3D-fähige Fernsehbildschirme auf den Markt und danach folgen die, bei denen man keine Brille mehr braucht..
@Gunnar: Es rvolutioniert nicht nur den Film in seiner Rezeptionsart, dass der Zuschauer sich noch mehr in traumähnlichen Zustand verliert, sondern auch in seiner Produktionsart! Du musst dir vorstellen, dass der Film plötzlich auf 3 Ebenen stattfindet: vor, auf und hinter der Bildschirmebene. Da muss man Bilder ganz anders komponieren! Und auch unser Gehirn muss sich an den Effekt gewöhnen da es unseren Sehgewohnheiten widerspricht.
Die Filme können natürlich auch in 2D geschaut werden wenns kein 3D fähiges Kino gibt, verlieren allerdings ein gewissen Effekt.
Liebe Grüße
@Trimprod
Danke für die Antwort. Vielleicht bin ich auch zu blöd um das zu verstehen. Diese Revolution kann ich nicht nachvollziehen. Ich empfand den Herrn der Ringe schon sehr gut. Ehrlicherweise hat mich der Herr der Ringe mehr mitgerissen. Und wenn Avatar der erste 3D Film wäre könnte ich es eher verstehen.
Viele Grüsse
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