von Nadine Preibisch
Mit dem Studium beginnt für viele ein neuer Lebensabschnitt, in einer neuen Stadt, unter neuen Menschen und: mit einer neuen Sprache! In Bonn gibt es zahlreiche Studenten, die nicht hier aufgewachsen sind. Jeder hat seine „alte Sprache“ und lernt hier eine „Neue“. Kannst du diese „Sprachen“ verstehen? Wirst du verstanden? Oder versteht ihr jeweils nur Bahnhof und wundert euch, wie unterschiedlich „das Deutsche“ sein kann?
Mark Twain behauptete seinerzeit, man brauche 30 Jahre um die deutsche Sprache zu erlernen. Er widmete sich dem Thema in einem Aufsatz, den er „The Awful German Language“ nannte. Passend, mag mancher Ausländer meinen. Doch wie steht es mit den Inländern? Verstehen sie einander?
Halve Hahn vs. Broiler
Eine Germanistik-Studentin im ersten Semester berichtete mir von dem Begriff „ein halve Hahn”. Er bezeichnet im Rheinland ein Käsebrötchen. Ihr Bekannter aus Mecklenburg-Vorpommern habe den Begriff jedoch mit einem „halben Hähnchen“ verwechselt, als er sein Wissen über die rheinischen Begrifflichkeiten zu demonstrieren versuchte. Damit hat er letzten Endes wenig demonstriert, sondern sich schlicht blamiert. Leider ist „ein halbes Hähnchen“ auch hier zu Lande genau das, was es zu sein scheint: ein halber Broiler.
Broiler? Ja, Broiler. So würde der Bekannte aus Mecklenburg-Vorpommern das Hähnchen nennen, doch wieder verstünde ihn hier niemand. Welche Verwirrungen so ein knuspriges Federvieh doch auslösen kann! Wäre man ein Huhn, man würde in der Pfanne verrückt!
Dialekte fallen auf
Andere Erstsemester erzählten, sie werden ab und zu schief angeschaut, wenn sie ihre „alte Sprache“ aus der Heimat verwenden. So begrüßt eine Studentin ihre Kommilitonen noch immer mit dem in Niedersachsen gebräulichlichen „Moin“ und einem anderen Studenten sind jene Sachen „lachs“ die dem gemeinen Bonner „egal“ wären.
Das kommt auch mir bekannt vor, die ich regelmäßig mit „viertel eins“ antworte, wenn ich nach dem Vorlesungsbeginn gefragt werde. Das Vorlesungsende gebe ich entsprechend mit „dreiviertel drei“ an. Meine Kommilitonen verwirrt das, aber sogleich denken sie: „Oh, interessant! Sie kommt nicht von hier“ und man kommt ins Gespräch.
„Beim Dialekt fängt die gesprochene Sprache erst an.” (Christian Morgenstern)
Jemand erzählte mir, dass man in Baden-Württemberg nicht „Halt mal!“ sondern „Heb mal!“ sagt. Und man geht nicht in den Bus oder zum Bus, sondern „aufn Bus“. Von solchen Beispielen gibt es Unmengen! Wie wollte man also Dialekten während des Studiums ausweichen? Man unterhält sich schließlich mit seinen Kommilitonen, Dozenten, Tutorien-Leitern und so weiter.
Sprachen lernen ohne Auslandssemester
Praktisch am Lernen der Dialekte ist, dass ihr kein Auslandssemester einlegen braucht und ihr müsst auch nicht ins Sprachlernzentrum gehen. Unterhaltet euch einfach weiter mit euren Kommilitonen! Ihr werdet auf Überraschungen stoßen. Und wenn ihr meint, schon alles zu wissen, sagt mal:
Wisst ihr zum Beispiel, was „Klötenköm“ ist? Schon mal von „Plinsen“ gehört? Habt ihr „Fleischpflanzerl“ gegessen? Oder eine „Esse“ geputzt? Wisst ihr, wie man „rum mehrt“ oder mit etwas „plautzt“? Hat euch mal jemand „fiemsch“ genannt? Oder hast du schon eine „Hitsche“ verschoben?
Unser multikultureller Charme
Seht ihr! Unser „Deutsches“ ist so lebendig, dass man immer dazu lernen kann. Eine aus Bonn stammende Studentin meinte, Dialekte machen den „multikulturellen Charme“ unserer Universität aus. Druckt es euch aus und markiert es mit Textmarker! Niemand sollte sich auf die Zunge beißen, wenn die „alte Sprache“ seine Herkunft verrät. Erfahrungsgemäß finden die Kommilitonen Interesse an den für sie „neuen“ Wörtern.
