9783455002669
Aktuelles Alltag Frauenfrage - Kolumne Gesellschaft

(Un)Frei durch die Pille

Macht die Pille wirklich frei und wieviel wissen wir über sie? Sabine Kray beleuchtet diese Fragen in „Freiheit von der Pille- Eine Unabhängigkeitserklärung“*, einen ersten Eindruck verschafft dieser Artikel hier.

„Frauenfrage“, eine Kolumne von Louisa Albrecht

Zwei Dinge vorab:

  1. Ich bin persönlich davon überzeugt, dass die Pille eine großartige Erfindung war, die Frauen ein Stück weit Kontrolle darüber gegeben hat, ob und wann sie Kinder kriegen will.
  2. Seit 2,5 Jahren (so lange, wie ich mit meinem Freund zusammen bin) nehme ich die Pille selber und bisher bin ich im Großen und Ganzen gut klar gekommen.

Ein bisschen was vorneweg

Vor ein paar Wochen entdeckte ich in der Verlagsvorschau von „Hoffmann und Campe“ das Buch „Freiheit von der Pille“ von Sabine Kray.  Es wollte das Selbstverständnis der modernen Frau beleuchten und medizinische Alternativen aufzeigen. Zudem sollte es viel um Emanzipation gehen und genau diese Themen sprachen mich an.
Vor der Pille, die ich jetzt nahm, hatte ich eine, von der es mir psychisch teilweise echt schlecht ging. Mit der jetzigen komme ich klar. (Die dritte, die ich in weniger als 3 Jahren probiere.) Für meinen Freund und mich war schon kurz  nachdem wir zusammen klar, dass die Pille unser Mittel der Wahl sein sollte. Kondome natürlich auch, denn doppelt hält besser und ich war damals 16,5 und vom Abi genauso weit entfernt wie von der Volljährigkeit. Kinder unerwünscht.
Ich ging zur Frauenärztin und sagte, was ich haben wollte. Sie wies mich drauf hin, dass manche Mädchen mit einigen Pillen vielleicht nicht klar kommen, wie viel Zeit verstreichen darf, zwischen zwei Einnahmen, bis der Schutz nachlässt und dass ich in drei Monaten wieder kommen kann, um mir das nächste Rezept zu holen. Laut Untersuchung war auch alles top, worüber also Gedanken machen? Zu Hause las ich den Beipackzettel mit meiner Mutter durch. (Ja, den kompletten!). Thrombose, Embolie, Depressionen standen da als Nebenwirkungen und dazu die Wahrscheinlichkeiten. Ach, sehr gering, mir wird schon nichts passieren. Ende der Aufklärung um die Pille. Einmal war ich sogar beim Hausarzt und er fragte, welche Pille ich nehme. Keine Ahnung, irgendwas mit M oder C. Ich hatte da nicht so drauf geachtet und auch erst vor einem Monat zu der (die ich jetzt habe) gewechselt. Merkwürdig? Auf jeden Fall. Inzwischen weiß ich immerhin, wie das heißt, was ich da jeden Abend schlucke.

Das Buch

Ich war sehr neugierig auf das Buch und begeistert, als ich die Einleitung las. Die biologischen Prozesse des Zyklus würden beleuchtet und wie die Pille darauf einwirkt. Ein bisschen die Verbreitungsgeschichte der Pille sowie deren Zusammensetzung sollten ebenfalls beleuchtet werden. Alternativen und: eine neue Perspektive darauf, dass das Pillenschlucken selbstverständlich geworden ist.

Einiges was ich las, war mir bekannt, anderes hingegen völlig neu. Inzwischen gibt es die vierte Generation Antibabypille und statt sicherer und verträglicher zu werden, ist das Thrombose- und Embolie Risiko in der jetzigen Generation doppelt so hoch. Aber wenn 2/3 der Studien sowie die meisten Ärzteschulungen von Pharmaunternehmen gemacht werden, überrascht einen das nicht, solange die Pille wirtschaftlicher ist. Mit einigen der Alternativen (hormonfreie Verhütung durch Beobachtung des Körpers, Spirale, Diaphragma usw.) lässt sich nicht so viel Geld machen. Also werden sie auch weniger verbreitet, logisch, nicht wahr? Denn wer käme auf die Idee, dass Medizin für den Patienten und nicht fürs Geld sein soll?

Und überhaupt: Medizin? Wir sind doch nicht krank, nur weil wir einmal im Monat die Periode haben, im Gegenteil, etwas Natürlicheres gibt es nicht.
Abgesehen davon kenne ich viele Mädchen, die die Pille nicht mal zur Verhütung nehmen, sondern gegen Pickel, unregelmäßige Blutungen oder starke Regelschmerzen (wer schon mal eine ehrgeizige Leistungssportlerin vor Schmerzen weinend gesehen hat, weil es so weh tut, versteht, warum frau die Pille deswegen nimmt).
Für manche gehört sie aber auch einfach dazu. Wer die Pille nimmt, ist eine richtige Frau. Und es nimmt sie doch eh jede, nicht wahr? In Deutschland lässt sich diese Frage zu 53% mit ja beantworten, in anderen Ländern teilweise nur zu elf- warum? Weil manche gefährliche Stoffe in der Pille bis heute in Deutschland nicht als solche anerkannt werden.
Und wofür?
Für Geld und ein Bild der Selbstbestimmung, dass eines der Hauptziele des Feminismus untergräbt: Selbstbestimmung.
Wem das gerade zu verworren war: Durch die Pille kriegen wir die Monatsblutung in den Griff, beziehungsweise unterdrücken sie. (Was mit der Pille passiert ist kein Zyklus, nur eine Abbruchblutung und manche Pillen unterdrücken inzwischen selbst den- Stichwort: Langzeitzyklus).
Männer haben das „Problem“ nicht und wie Männer sollen die Frauen sein. Aber seien wir doch mal ehrlich:

FRAUEN SIND KEINE MÄNNER. SIE SIND FRAUEN!

Und das ist gut so. Wir wurden nicht gleich geschaffen, daran lässt sich nichts ändern. Meiner persönlichen Meinung nach müssen und sollen Frauen auch gar nicht sein, wie Männer. Wir haben unsere eigenen Stärken.
Es ist erneut eine Anpassung der Frau an den Mann, womit Mann  = Mensch vorausgesetzt wird und nicht Mann/Frau = Mensch. Das ist irgendwie am Ziel vorbei, oder?

Und die Lösung lautet jetzt wie?

Die eine universale Lösung gibt es nicht, leider. Viele Männer sehen es noch als selbstverständlich an, dass wir uns mit Hormonen vollpumpen (die dauerhaft die Leber überlasten). Sie mögen keine Kondome, oder man ist grad so schön dabei, dass man(n) nicht zur Schublade greifen will. Und die Pille ist doch „das sicherste“, warum also nicht das?
Weil es vielleicht eine der sichersten Methoden ist, aber sicher nicht die gesündeste.
Frauen unterdrücken ihren Zyklus, verlieren einen großen Teil ihres Körpergefühls, die Stigmatisierung und Tabuisierung der Periode wird weiter vorangetrieben. Von den psychologischen Auswirkungen mal ganz zu schweigen, denn die sind bisher kaum erforscht. Aber nachgewiesen.
Ich weiß ganz ehrlich selber noch nicht, was ich jetzt genau tun werde. Aber eines weiß ich nach der Lektüre dieses Buches sicher: ich werde mich mehr mit dem Thema beschäftigen, meine Frauenärztin mal um ein ausführliches Gespräch bitten und mir die bibliographischen Angaben hinten im Buch genauer ansehen. Viele Informationen sind ja da. Frau muss sie aber suchen, denn niemand außer uns hat ein Interesse an unserer Gesundheit.

 

 

*Bei dem Buch „Freiheit von der Pille- Eine Unabhängigkeitserklärung“ handelt es sich um ein Rezensionsexemplar.

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