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Aktuelles Alltag

Über den Unsinn von Hausarbeiten

Jeder kennt sie – außer vielleicht Erstsemestler – und kaum ein Studierender verzweifelt nicht mindestens ein Mal im Laufe seines Lebens an ihr! Was sich so mancher Professor als kleine Unterhaltungsaufgabe für die Semesterferien vorstellt, kann sich für manchen zu einer Krise entwickeln. Denn bei einer Hausarbeit weiß man anfangs nie, was da tatsächlich auf einen zukommt.

Topic of the day: Hausarbeit

Auch ich kann mich nicht freisprechen von so manch nervtötender Hausarbeit! Manchmal ist der ganze „Spaß“ nach wenigen Tagen schon vorbei, weil man super ins Thema gefunden hat und jede recherchierte Quelle ein gewinnbringender und oftmals sogar seitenfüllender Treffer war. Bei der Abgabe verspürt man sogar ein gutes Gefühl im Hinblick auf die zu erwartende Note! Aber in der Regel muss ich mich geradezu durch jede Hausarbeit quälen und das nicht, weil ich unfassbar faul bin, sondern einfach, weil ich es für keine angemessene Prüfungsleistung im 21. Jahrhundert halte.

Warum sind Hausarbeiten eigentlich so lästig?

An dieser Stelle kann ich nur für mich selbst sprechen: Was mich am meisten an Hausarbeiten stört und bei mir nach der Prüfungsanmeldung umgehend akute Prokrastination (alias Aufschieberitis) auslöst, ist die Tatsache, dass oftmals wochenlange Arbeit ein einziges Mal fix überflogen wird und dann irgendwo im Keller verstaubt oder in einem digitalen Archiv vor sich hin vegetiert. Das ist kein besonders würdigender Umgang! Und wenn man sich dieses Nachleben seiner Hausarbeit vor Augen führt, ist es auch nicht verwunderlich, dass sie meistens widerwillig geschrieben wird.

Natürlich gibt es auch Professoren, die sich wirklich für die Hausarbeit interessieren und dir Tipps und Ratschläge mitgeben, die dich weiterbringen, als Student und als Mensch. Jedoch ist die traurige Wahrheit, dass es davon nicht sonderlich viele gibt…

Darüber hinaus stört es mich bei der Hausarbeit ganz besonders, dass es letztendlich nur darum geht die richtigen Quellen zu finden und korrekt zu zitieren. Eigene Gedankengänge oder neuartige Ansätze finden häufig wenig bis keine Beachtung, weder beim Prüfer noch im Forschungsfeld selbst – also wozu das ganze Drama dann noch…

Sind Klausuren die einzig sinnvolle Prüfungsform?

Nein, sind sie nicht. Ich würde zwar jederzeit Klausuren vorziehen, weil ich mir dann frustrierende Erlebnisse bei der Literaturrecherche ersparen kann, und sie zeitlich auf ein bis zwei Stunden begrenzt sind – ich meine hier natürlich nicht die Lern-, sondern Prüfungszeit 😉 Aber auch das dient letztendlich nur dazu Wissen abzufragen. Ganz selten geht es um die Umsetzung von gelerntem Wissen! Deshalb fände ich viel sinnvoller beispielsweise auf Essays als Prüfungsform überzugehen.

Man könnten sich einem aktuellen Beispiel widmen, das in die Themenreihe des Seminares passt, und dann seinen Gedanken freien Lauf lassen. Natürlich kann hier Literaturrecherche herangezogen werden, aber muss aus dieser vermeintlichen Notwendigkeit eine Zwangsjacke für Inhalt und Form der Arbeit entwickelt werden? Ich halte das für stark überzogen! Was sagen beispielsweise 20 geforderte Literaturquellen über den Wert einer Arbeit aus? Nichts, aber formal ist es im Master Pflicht. Diese und weitere auferlegten Richtlinien führen letztendlich dazu, dass wir nicht wirklich in der Lage sind „out of the box“ zu denken, da wir formal und inhaltlich ständig eingeschränkt werden.

Das bittersüße Ende der Geschichte…

Nachdem ich meinen Frust abgeladen habe, bleibt mir letztendlich doch nichts anderes übrig, als mich wieder an meinen Schreibtisch zu setzen und an meiner Prüfungsleistung zu werkeln. Derzeit steht das Sichten von Literatur und der inhaltliche Aufbau des Hauptkapitels auf der To-do-list. Es handelt sich glücklicherweise um die letzte Hausarbeit in meinem Studium – und hoffentlich auch in meinem Leben – und daher wünsche ich mir selbst und allen Leidensgenossen da draußen viel Kraft und Erfolg! Möge es in der Zukunft zu einer Revolution der Prüfungsformen kommen, damit der geistigen und formalen Kreativität endlich mehr Raum gegeben werden kann!

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