Nun also doch einmal Klartext. Nur all zu oft werden Botschaften des Pluralismus, des Liberalismus und der Toleranz ausgesandt von Vertretern quer durch die Gesellschaft des Westens. Was diese dabei klammheimlich wirklich denken, indes, bleibt geheim. Dabei sind wir Europäer doch vielleicht weitaus weniger weltoffen, als man gemeinhin meinen mag. Das jüngste Beispiel aus der Schweiz zeigt dies in aller Schärfe.
Von Wonko „Seismic“ Sputnik
Ein kleines Alpenland, welches für seine liberale Entspanntheit und gelöcherten Käse bekannt ist, zieht die Notbremse und verbietet nach einem Plebiszit den Neubau islamischer Minarette. Die Welt, insbesondere Demoskopen und Meinungsforscher, sind einmal mehr komplett überrascht, Umfragen hatten eigentlich ein ganz anderes Ergebnis suggeriert.
Wie kommt das zustande? Sind die Schweizer schizophren? Man könnte es meinen. Allerdings könnte auch eine andere Erklärung greifen, nämlich das Phänomen der sozialen Erwünschtheit. Dieses funktioniert folgendermaßen: Man traut sich nicht seine wahre Meinung anzugeben. Man vertritt in Meinungsumfragen usw. nur politisch korrekte, unkontroverse Meinungen. In der Anonymität der Wahlkabine dann aber bricht die nackte Wahrheit heraus, während die gestrigen Lippenbekenntnisse sich als Heuchelei entlarven.
Die Angst vor “Eurabia”
Viele Schweizer werden wohl Angst vor dem Islam haben. Damit sind sie in Europa nicht allein. Die panische Furcht vor „Eurabia“, der scheinbaren schleichenden Vereinnahmung des Kontinents durch Muslime, ist praktisch in jedem Land mit muslimischer Minderheit anzutreffen. Nur geben das die meisten nicht zu. Wir veranstalten ein tägliches Kasperl Theater in der Religionsfrage und lügen uns an und alle anderen auch. Wir übertünchen unsere Ängste mit einem scheinbar tapferen „weiter so“.
Tief sitzen unsere Traumata, genährt durch die zahlreichen Bombenanschläge und Terrorakte islamischer Fanatiker sowie durch Mohammed-Karikaturen und brennenden Botschaften. Und wir wehren uns krampfhaft davor, sie zu sehen. Wir sind wie das Kind im Walde, welches den bösen Wolf dadurch zu entkommen sucht, indem es die Augen ganz fest verschließt und sich die Ohren zuhält.
Doch erst wenn wir uns als Gesellschaft dieser Islamophobie bewusst werden und beginnen, einen ehrlichen Dialog anzustoßen, der weitergeht als eine oberflächliche Seelenmassage und unbequeme Wahrheiten nicht ausspart, erst dann können wir dieses komplexe Problem lösen, diesen gordischen Knoten ernsthaft entwirren.
Andernfalls tanzen wir im Kreise nur.
