Erlebnisorientierte Jugendliche begehen Straftaten nur, um etwas dabei zu erleben. Es geht ihnen um den Unterhaltungswert von Gewalt bei Demonstrationen und anderen Gelegenheiten. Ein Thema mit wachsender Bedeutung für Politik, Gesellschaft und auch die Medienwissenschaft.
Als “erlebnisorientierte Jugendliche” werden Straftäter umschrieben, die vor allem bei Großdemonstrationen steinewerfend und prügelnd auffallen, dies allerdings nicht aus politischer Motivation tun, sondern aus Spaß an der Freude – also nur für ein schönes Erlebnis.
Kann uns das egal sein? Ob nun jemand Polizisten verprügelt, weil er sauer auf das politische System ist oder eben, weil er es lustig findet, wie sich die Uniformierten am Boden krümmen – macht das einen Unterschied?
Politisch motivierte Gewalt von links und rechts (vielleicht auch aus der Mitte heraus) kennen wir schon, die gibt es auch in demokratischen Staaten seit eh und je, was die Straftat an sich allerdings nicht besser macht und erst recht nicht legitimiert. Aber erlebnisorientierte Gewalt, das ist ein anderes Niveau. Da nutzen Personen die Anonymität von politischen Großveranstaltungen, um mal richtig abzurocken, Druck abzulassen … ‘ne Runde Polizistenklatschen am Sonntagnachmittag.
Die Kinder der Erlebnisgesellschaft
Öffentliche Events haben Hochkonjunktur: Public Viewing zur WM, Festivals und Demos – man unternimmt wieder zusammen etwas an der frischen Luft. Wir sind eine Erlebnisgesellschaft. Wenn daheim nur Langeweile und Frustration warten, dann sucht man sich draußen seinen Spaß. Kommt dann noch eine gewisse Gewaltbereitschaft dazu, gehört man schnell zur Gruppe der erlebnisorientierten Jugendlichen.
Spiegel Online schreibt dazu: „Ein hochrangiger Beamter aus dem Innenministerium schätzt jedoch, dass die ‚unpolitischen Chaoten‘, die häufig aus Problemstadtteilen kämen und für die Gewalt fast schon alltäglich sei, bei bestimmten Großdemonstrationen inzwischen bis zu 50 Prozent der Steinewerfer und Schläger ausmachten“.
Ein Thema für die Medienwissenschaft?
Was geht das Ganze uns Medienwissenschaftler an? Dass Gewalt in den Medien inszeniert wird, oft auch als Erlebnis, das wissen wir alle. Inwieweit das die Menschen beeinflusst, ist pauschal meist nicht zu beurteilen und hängt von der jeweiligen Persönlichkeit ab.
Trotzdem: Wenn auf youtube mit dem Mitschnitt der letzten Schlägerei geprahlt wird und sich Gewaltexzesse stets unter den Videos mit den meisten Klicks befinden, dann sollten wir zumindest die Augen offen halten. Medien vermitteln Lebensgefühle und schaffen als Autorität Wertevorstellungen – dieser Verantwortung muss man sich als Medienproduzent wie -konsument bewusst sein. Allerdings reichen die Erlebniswelten zum Beispiel in Computerspielen augenscheinlich nicht aus, um die Gewalt hierhin zu verbannen.
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