Die Sprache in der Politik ist wie die Mogelpackung in der Werbung: Wenn man die Behauptung auspackt, zeigt sich, wie klein der Inhalt ist.
Mit diesem klugen Satz bringt es der deutsche Schriftsteller Dieter Lattmann auf den Punkt. Die inhaltsleeren Floskeln der Politiker in der Zeitung zu lesen, ist allerdings weit weniger beeindruckend, als solch ein Wortgeplänkel einmal live zu erleben.
Seit der Bundespressekonferenz habe ich einen neugewonnenen Respekt für Journalisten, die tagtäglich solche Veranstaltungen besuchen und anschließend einen Artikel verfassen müssen. Was dort an Informationen preisgegeben wird, ist nämlich gelinde gesagt eher spärlich. Da werden minutenlang Sätze paraphrasiert, die auch schon in Version eins nichts ausgesagt haben. Die Anmerkung „aber beantworten sich doch bitte konkret meine Frage“, führt allerhöchstens dazu, dass das Spiel von vorne beginnt.
Warum das Ganze? Diese Frage ist leicht beantwortet. Wer nichts sagt, kann am Ende auch für nichts verantwortlich gemacht werden. Und diese Taktik kommt nicht von ungefähr. Schon die großen Philosophen der Antike wussten um das Gewicht der Rhetorik in ihren Reden, heute lassen sich beliebte Stilmittel ganz einfach in Seminaren erlernen. So wird man zum Prediger oder Appelierer, zum Weichspüler oder Taktiker.
Der Generalverdacht ist zeitlich begrenzt
Besonders offensichtlich entlarvt wird die Sinnentleerheit mancher politischer Aussagen dann, wenn das Publikum mehr Ahnung von der Materie hat, als der Politiker. Und da wären wir auch schon beim Thema Internet und digitale Welt. In der aktuellen Debatte, die auch die Notwendigkeit einer Enquette Kommission verdeutlichte, gab es mehr Phrasendrescherei, als Sonntag morgens bei „Doppelpass.“
Netzpolitik.org hat diesbezüglich zu einem Best-Of der User Favoriten aufgerufen. Heraus kamen solche Beispiele wie Schäubles Kommentar zu Online Durchsuchungen: „Es ist eine gewisse Hysterie in der Öffentlichkeit, die da erzeugt wird. Aber die große Mehrheit der Bevölkerung weiß natürlich, dass das notwendig ist.” In seiner Logik ebenfalls bestechend war die Aussage des FDP Politikers Wolf: “Wer die Überprüfung von Daten auf Rechnern potenzieller Terroristen für einen Einbruch in den grundgesetzlich geschützten Wohnraum hält, hat das Wesen des Internets nicht verstanden.”
Deutsch-Politiker, Politiker-Deutsch
Bei näherer Betrachtung so mancher Aussage lässt sich also schlussfolgern, dass die Politiker manchmal selbst nicht wissen, wovon sie eigentlich reden. Wer soll es ihnen dann übel nehmen, wenn statt dessen altbewährte Fertig-Sätze ausgepackt werden.
Um Abhilfe zu schaffen, hatten Maybrit Illner und Langenscheidt eine zündende Idee. Sie entwickelten ein entsprechendes Wörterbuch und erklären darin unter anderem, was eigentlich damit gemeint ist wenn man „die Menschen da abholt, wo sie sind.“
Da bleibt wohl nur noch eins zu sagen: „Wir müssen nach vorne blicken“. Und wenn das nicht funktioniert, „analysieren wir das Problem eingehend“ oder richten wahlweise „eine Arbeitsgruppe ein.“
