Die Streichliste ist lang. Seit Beginn dieses Jahres diskutiert die Stadt Bonn ihren Kulturhaushalt und legte im Frühjahr eine Aufstellung von Kürzungsvorschlägen vor. Diese sorgte bei Initiatoren und Bürgern für Empörung, denn gestrichen werden soll dort, wo es den kulturell-interessierten Bonner am meisten schmerzt.
Der Kulturausschuss der Stadt Bonn muss sparen. Bonner Kulturschaffende und Bürger zeigen sich empört. Der Rat begründet derweil seine zum Teil vehementen Einsparungspläne mit der Umgehung eines Nothaushalts. Jeder kulturelle Einzelposten soll auf seine Notwendigkeit hin überprüft und Zuschüsse künftig angepasst werden. In diesem Jahr sollen die meisten Fördergelder noch in gewohnter Höhe ausgezahlt werden. Ab 2011 sind dann deutliche Einsparungen geplant.
Existenzbedrohend: Pantheon und Stummfilmtage sollen leer ausgehen
Gestrichen werden soll dort, wo es den kulturell-interessierten Bonner am meisten schmerzt. Betroffen sind viele der Einrichtungen, die die städtische Kulturlandschaft maßgeblich prägen. So sollen traditionelle Institutionen wie das Pantheon oder das Haus der Springmaus drastische Sparmaßnahmen erfahren. Fördergelder von 60.000 bzw. 48.000 Euro sollen hier bereits ab dem nächsten Jahr komplett gestrichen werden.
Daneben geht es vielen Theatern, besonders kleineren Spielstätten wie dem Kleinen Theater Godesberg, dem Contra-Kreis-Theater und dem Euro-Theater-Central an den Kragen. Hier sollen neben deutlichen Kürzungen auch ganze Streichungen der Subventionen erfolgen. In einigen Fällen könnte das die Existenz kosten.
Das Ende der “Rheinkultur”?
Die gleiche Gefahr besteht für das Bonner Sommerkino, auch bekannt als Stummfilmtage. Hier soll der städtische Etat ebenfalls im nächsten Jahr von 40.000 Euro auf Null gekürzt werden. Die Veranstalter bangen um den Bestand des Festivals und weisen vorsorglich auf ein letztmaliges Stattfinden in diesem Jahr hin.
Auch das beliebte Gratis-Festival „Rheinkultur“, das seit 28 Jahren in der Bonner Rheinaue stattfindet, ist betroffen. In einer jüngsten Stellungnahme zeigt sich die Geschäftsleitung verärgert über die Pläne der Stadt: „Ob die Streichung eines Viertels des Zuschuss das Ende des Festivals bedeutet, möchten wir in diesem Zusammenhang nicht behaupten. Dass es die Umsetzung wesentlich erschwert, bedarf wohl eigentlich keiner Erwähnung.“ Das Festival müsste laut Plänen künftig mit 60.000 anstatt 80.000 Euro Förderung auskommen.
Bürgerinitiativen im Social Web gegen Kürzungen
Eine Facebook-Gruppe scheint in dieser Diskussion für die Bonner zum probaten Protestmittel zu werden. Unter dem Namen „Bonn will seine Kultur behalten“ finden sich derzeit zahlreiche Bürger im WorldWideWeb zusammen. Man diskutiert hitzig die einzelnen Posten und empört sich über die scheinbare Wahllosigkeit der Zuschussgewinner und –Verlierer.
Daneben haben sich auch die Kulturträger selbst zusammengetan und die „Initative Bonner Kultureinrichtungen“ ins Leben gerufen. Zusammen fordert man den Erhalt der Szene und eine angemessene Unterstützung seitens der Stadt. Mit einem offenen Brief wandte sich die Gruppe bereits an den Rat.
Einen endgültigen Entschluss über alle Ausgaben und Kürzungen des Haushalts 2010 soll am Donnerstag, den 08.07., im Rat gefasst werden. Die Haushaltsberatungen für 2011/2012 beginnen dagegen erst im Herbst. Bis dahin muss wohl weiterhin gebangt werden.


Man sollte lieber Unternehmen höher besteuern! Stirbt die Kultur – stirbt das Volk!
[...] Bonn diese Kinovielfalt behalten, muss in sie investiert werden. Im Rahmen der Diskussionen um die geplanten Kürzungen des Kulturetats in den nächsten Jahren sollte besonderer Fokus auf den Erhalt der kleineren Programmkinos gelegt [...]