Eine breite Auswahl an Multiplexsälen, Programmkinos und Filmveranstaltungen sichert Bonn derzeit eine lebhafte und abwechslungsreiche Kinoszene. Um diese dauerhaft wahren zu können, muss die Stadt auch in den nächsten Jahren investieren. Ein Überblick.
Einbrüche bei den Besucherzahlen, Erhöhung von Eintrittspreisen, Kinosterben, US-Mainstreamproduktionen. Der klassische nationale Kinobetrieb hat in den letzten Jahren vielen Widrigkeiten standhalten müssen, so jedenfalls die öffentliche Wahrnehmung in Zeiten von Video-on-demand-Websites, Filmpiraterie und frühen DVD-Veröffentlichungen.
Die Zahlen hingegen sprechen eine andere Sprache. Die Filmförderungsgesellschaft (FFA) in Berlin dokumentierte in ihrem letzten Jahresbericht 2009, dass trotz Preiserhöhungen und Saalschließungen die Besucherzahlen in den Kinos bundesweit wieder steigen. Dies, erklärt die Förderung, liege an Neuerungen wie dem 3D-Kino und stetig populärer werdenden Filmfestivals.
Hinzu kommt die Kinovielfalt. Insgesamt 4.734 Kinos zählt die FFA im Jahr 2009 in Deutschland. Dabei unterscheidet sich das normale Kino vom Multiplexkino sowie vielen weiteren Sonderformen, zum Beispiel Autokinos oder Freilichtbühnen.
Kinovielfalt in Bonn – keine fabrikmäßige Besucherabfertigung
Die Auswahl scheint reichlich. Auch in Bonn bietet sich dem interessierten Kinogänger ein breites Spektrum an Multiplexsälen, Programmkinos, Openairvorführungen und Filmtagen.
Die Stern Lichtspiele am Markt bestehen bereits seit 1913 und gehören seit 2009 zur Cine-Star-Gruppe, dem größten Multiplex-Kinobetreiber in Deutschland. Mit 789 Plätzen verteilt auf vier Leinwände gehört das Sternkino in Bonn zu den kleineren Kinos des Unternehmens. Nach eigenen Angaben besuchen etwa 55.000 Menschen pro Tag in Deutschland einen Film in einem Kino der Cine-Star-Gruppe.
Auch das Kinopolis Bad Godesberg gehört zu einem Muliplex-Konzern, der Kinopolis Management Multiplex GmbH, Platz fünf auf der Liste der Großbetreiber. Mit insgesamt elf Sälen ist das Kinopolis das mit Abstand größte Kino im Einzugsgebiet Bonn und der bisher einzige Anbieter von 3D-Vorführungen.
Mit Bonns größter Leinwand wirbt hingegen das Woki am Bertha-von-Suttner Platz. Seit 1998 besteht das Lichtspielhaus in den Räumen des ehemaligen Universum-Kinos. Auf der eigenen Homepage versucht man sich deutlich von der Konkurrenz abzugrenzen: „So hoffen wir, ein Kino für alle Bonner zu sein: Ohne die fabrikmäßige Abfertigung der Besucher der seelenlosen Multiplexe, genauso aber auch ohne das teilweise sehr elitäre Gehabe der sogenannten “Filmkunstkinos”.“ Das Woki besitzt zwei Säle und zeigt neben Erstaufführungen auch ältere Filme zu ermäßigten Preisen.
Daneben besitzt Bonn drei Programmkinos, das Rex in Endenich, die Neue Filmbühne in Beuel sowie die Bonner Kinemathek in der Brotfabrik. Das Rexkino, erbaut 1952, und die Neue Filmbühne, 1933, verstehen sich selbst als “Filmkunst-Erstaufführungs-Kinos“. Die Bonner Kinemathek in der Beueler Brotfabrik zeigt Filme in Originalfassung. Das Kino ist vor 20 Jahren aus einer studentischen Initiative hervorgegangen. Der hauseigene Förderverein ist außerdem Veranstalter der seit 26 Jahren jährlich stattfindenden Internationalen Stummfilmtagen.
Kürzung des Kulturetats – kleinere Kinos gefährdet
Will Bonn diese Kinovielfalt behalten, muss in sie investiert werden. Im Rahmen der Diskussionen um die geplanten Kürzungen des Kulturetats in den nächsten Jahren sollte besonderer Fokus auf den Erhalt der kleineren Programmkinos gelegt werden. Auch nach dem Beschluss des Haushalts 2010 und der Abwendung eines Nothaushalts bleibt die städtische Kultur-Förderung ungewiss. Weil das Sparen weiterhin zu den wichtigsten Prämissen zählt, müssen auch die Kinobetreiber weiter bangen.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Bonner Kinolandschaft unter diesen erschwerten Bedingungen in den nächsten Jahren weiterentwickelt.

[...] – Seelenlose Multiplexe und elitäre Filmkunstkinos – Kinolandschaft in Bonn. Von Daria Hufnagel [...]