
oder auch: Kleine, graue Katzen
Ein kurzer Statusbericht aus dem Agenturleben zur Lage der Kommunikation: Ach, wo sind die guten alten Zeiten der Massenkommunikation hin? Damals, als alles noch so einfach war. Als ein Unternehmen eine kreative, bedingt flippige Agentur beauftragte, um einen Werbespot zu drehen.
Na, was machen wir denn da? Was haltet ihr von Tieren? Ja, Tiere sind gut. Kleine, graue Katzen wälzen sich auf dem Boden. Musik drunter und dann gib’s ihnen: Auf allen Kanälen, mitten in der Prime Time, raus damit in die weite Welt – wird schon irgendwo ankommen.
Und so waren alle zufrieden: Der Agenturchef, der seinen Kindern abends im TV „seinen“ Spot präsentieren konnte. Der PR-Manager des Unternehmens, der mit süßen, wohlgenährten Katzen genau den Geschmack des chinesischen Investors getroffen hatte. Und auch die Freude der gesamten TV-Industrie kannte kaum Grenzen. Wodurch sollte sie denn auch getrübt werden?
War ein TV-Spot erstmal ausgestrahlt, lehnten sich die Verantwortlichen entspannt zurück. Störendes Feedback auf die Werbung beschränkte sich oft auf den zornigen Brief eines Umweltschützers. Der konnte aber immer mit einem kleinen Einkaufsgutschein davon überzeugt werden, dass das kleine Fernseh-Kätzchen wohlbehütet bei seinem neuen Besitzer in Fernost angekommen sei.
Das war der große Vorteil der Massenkommunikation: Niemand wusste so recht etwas über die Wirkung der Werbung. Wie auch bei Werbemaßnahmen in Zeitung oder Radio war die Interaktion meist ausgeschlossen. Einbahnstraßenkommunikation.
Heute ist das anders! Das Internet hat unsere Branche aufgerüttelt. Wir stehen nicht mehr einer grauen Empfängermasse gegenüber. Wir arbeiten mit individualisierten Usern, interaktivierten Prosumern. Während die Soziologie bislang eher von einem Gesichtsverlust der Persönlichkeit spricht, kann die Werbung endlich wieder einen Dialog führen. Endlich wieder Direktmarketing im großen Stil!
Mit interaktiven Unternehmensplattformen und User Generated Content, bieten sich Unternehmen, wie Agenturen, neue Chancen. Punkt.
Gleichzeitig tauchen neue Gefahren auf. Die Geschwindigkeit, mit der sich einige mutige Unternehmen an die neuen Technologien und Kommunikationsformen machten, hat keine Zeit für kritische Fragen gelassen. Macht das eigentlich Sinn? Sind die zwei Millionen für das unternehmenseigene Social Network gut investiert? Brauchen wir wirklich einen Unternehmensblog?
Damit mich hier keiner falsch versteht: Ich bin für die Nutzung des WebX.0, aber mit Bedacht. Trotz aller Geschwindigkeit, die uns das Netz aufzwingt, sollten wir hin und wieder die Notbremse ziehen und uns und unsere Maßnahmen kritisch hinterfragen: Gehen wir wirklich auf den Nutzer ein oder senden wir nur wieder kleine, graue Katzen in die unendlichen Weiten der Werbelandschaft?
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Man muss seine Zielgruppe dort erreichen, wo sie sich befindet. Viele junge Leute sehen nicht mehr fern, weil sie Informationen aus dem Internet ziehen und ihre Filme ebenso. Damit fallen auch Zeitungen und Zeitschriften größtenteils weg. Die Zukunft liegt (momentan) einfach im Internet.
Wenn die Werbung etwas erreichen will, dann muss sie unweigerlich folgen. Was läge näher, als in die Social Communitys einzusteigen? Toll ist auch: Wir können direkt Feedback geben. Und dass jenes nicht immer positiv ist, konnten wir vor zwei Wochen erst wieder beobachten: Ausgerechnet die BILD-Zeitung eröffnete im StudiVZ eine Edelgruppe mit dem Titel “Studierendenproteste 2009″! Mittlerweile ist diese Gruppe jedenfalls tatsächlich wieder “in den unendlichen Weiten der Werbelandschaft” verschwunden. Will heißen: Gelöscht. Gott sei Dank.
An der BILD soll sich hier aber nichts orientieren. Die Werbung muss sich mit der Technik weiterentwickeln. Ein Sprung ins kalte Wasser ist dem “Ach nö, lass mal. Ich halt nur meine Zehenspitzen hinein” vorzuziehen!