Heimat im Herzen.
Foto: Alexandra Mölleken
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Teatime in London

Erinnerungen sind einzigartig und werden gerne in Fotos festgehalten. Aber was wäre mit einem Rückblick, der auch den Geschmacks- und Geruchssinn anregt? Teatime in London, ein Paradies für Leib und Seele.

Beim nächtlichen Landeanflug erblicke ich zwischen den glitzernden Lichtern der Stadt das beleuchtete London Eye, erkenne die Hochhäuser von Canary Wharf und sehe in der Ferne den Crystal Palace Tower. Und schon kitzelt mich der unvergleichbare Duft der englischen Tasse Tee in der Nase. Ich bin Zuhause.

London by night. Foto: Alexandra Mölleken
London by night. Foto: Alexandra Mölleken

Zwar war ich 2013 nur für ein halbes Jahr Au Pair, komme seitdem aber mehrere Male im Jahr zurück, um meine Zweitfamilie zu besuchen. Nichts hat sich verändert – bis auf die grauen Haare, die sich in der dichten schwarzen Mähne meines Gastvaters sichtbar machen. Na gut, und ein weiteres Kind, ein neues Auto und ein neues Haus.

Routiniert verlasse ich den Terminal, piepe meine Oyster-Card an der Tube ein und mache mich auf den Weg in den Südosten der Stadt. Beim Umsteigen in Brixton mache ich noch einen kurzen Abstecher zu Poundland. Der Laden ist jedem Au Pair sehr vertraut, denn hier lässt sich typisch englischer Tee bezahlbar einkaufen. Tipp eins, merken!

Teatime in London. Foto: Alexandra Mölleken
Teatime in London. Foto: Alexandra Mölleken

Angekommen Zuhause begrüßen mich kreischende Kinder und sichern sich mit ihren Schokoladen verschmierten Patschehändchen ab, ob ich denn wirklich da bin. Zwei Minuten später hocke ich mit einer Tasse Tee in der Hand und drei Mini-Briten auf dem Schoss im Wohnzimmer.

Immer und überall wird dir eine „cup of tea” angeboten. Ganz traditionell: schwarzer Tee mit Milch, ohne Zucker. Wenn du ihn annimmst, kannst du dir deines Platzes im Herz der Briten sicher sein. Hauptsächlich wird English Breakfast Tea getrunken. Tipp zwei, merken!

Aufgepasst, zur traditionellen „teatime” am Nachmittag landet jedoch ein anderer Teebeutel in der Tasse: Early Grey Tea. Tipp drei, merken!

Am nächsten Morgen werde ich ganz sanft aus dem Schlaf geweckt. Erst hüpft eins, dann zwei und dann auch Nummer drei auf meinen Bauch. „Breakfast is ready, Alex. Come on, come on”, rufen die Kleinen ganz aufgeregt. Und schon zieht der süße Duft des Frühstücks in meine Nase.

London Food. Foto: Alexandra Mölleken
London Food. Foto: Alexandra Mölleken

In der Küche wartet Porridge auf uns: Haferbrei, meist warm mit Milch aufgekocht. Zum Süßen bieten sich Ahornsirup oder Honig an. Dazu schmecken Beeren besonders gut. Tipp vier, merken!

Das typisch „English Breakfast” gab es bei uns nur am Wochenende, ist jedoch einen eigenen Artikel wert – und am besten nicht von einer Vegetarierin verfasst. Ich bleibe da nämlich doch lieber bei den Pancakes und Porridge.

Schwarzer Tee mit dem englischen Traditionsgebäck Scones. Dazu werden Jam und Cream gereicht.
Schwarzer Tee mit dem englischen Traditionsgebäck Scones. Dazu werden Jam und Cream gereicht. Foto: Alexandra Mölleken

 

Ob Zuhause oder unterwegs – überall locken Cookies, Cupcakes und andere Leckereien. Auch bei uns wurde mehrmals die Woche gebacken. Vor allem etwas ganz Bestimmtes. Mehl, Butter, Salz, Backpulver und Milch formen mein liebstes Gebäck: Scones. Das typisch britische Gebäck, dass traditionell mit Jam und Cream zum Tee gereicht wird. Früher galt es als das Gebäck der Armen, da es so simpel zu machen ist. Heute ist es aus einer typisch britischen „teatime” nicht mehr wegzudenken. Tipp fünf, merken!

Pimm's – traditionell mit Limonade, Eiswürfeln, Salatgurke, Zitrone, Orange und Minzblättern. Foto: Alexandra Mölleken.
Pimm’s. Foto: Alexandra Mölleken.

Dazu noch eine kleine Anekdote: Als ich das erste mal eigenhändig Scones backen wollte, verwechselte ich ein Backblech mit einem Plastikuntersetzer. Leider schob ich die Scones auf diesem in den Ofen.

Hitze und Plastik haben sich nicht ganz so gut vertragen, weshalb sich das flüssige Material langsam im gesamten Ofen verteilte. Als ich voller Vorfreude meine ersten Scones aus dem Ofen holen wollte, erwartete mich ein Teig-Plastik-Gemisch. Seit vier Jahren höre ich diese Geschichte von meinem Gastdad, wenn wir gemeinsam Scones backen oder verzehren. Heute weiß ich, wie Scones gebacken werden – auf einem Metallblech. Tipp sechs, merken!

Am Abend, nach unzähligen weiteren Snacks und leckeren Speisen, lassen wir uns im Wohnzimmer nieder. Die Kids sind im Bett, also erlauben wir uns einen Schluck Alkohol. Um den typisch britischen Tag perfekt abzurunden, gibt es auch jetzt ein traditionelles Getränk: Pimm’s. Der Likör, ideal der original Pimm’s No. 1, wird mit Limonade oder alternativ mit Ginger Ale gemixt. Im Glas dürfen Eiswürfel, Salatgurke, Orange, Zitrone und Minzblätter nicht fehlen. Tipp sieben, merken! Verschiedene Varianten mit unterschiedlichen Früchten und anderen Pimm’s Sorten schmecken auch sehr gut. Tipp acht, merken!

Familie, Stadt und Kulinarik sind auch nach vier Jahren jedes Mal einzigartig, schön und unendlich lecker.  Zur Teatime in London – einfach Heimat.

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