Bild: Kora Maicher (c)
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Sonderausgabe Berlin-Exkursion: Trend Handyketten: Der moderne Brustbeutel made in Berlin

Plötzlich sind sie überall: Handyketten, um den Hals oder crossbody getragen, sind nicht nur praktisch, sondern auch trendy. Die Berliner Designerin Yara Yentzsch hat es geschafft, den Brustbeutel zu einem erwachsenen Comeback zu verhelfen. Doch wie kam es dazu?

 

Von Kora Maicher

Ein Modeaccessoire, das in meiner Grundschulzeit während Wandertagen nicht fehlen durfte, war der Brustbeutel. In den flachen, eckigen Synthetikstoffbeutel (vorzugsweise passend zum Schulranzen von Scout) passte alles, was für Kinder wichtig war: Die Telefonnummer der Eltern und ein wenig Kleingeld. Dank der kinderleichten Bedienbarkeit war es praktisch unmöglich, dass bei Ausflügen etwas schiefging.

Irgendwann war ich dann doch der Meinung, dass der Brustbeutel ästhetisch zu wünschen übrig lässt. Das nun uncool gewordene Kinderaccessoire wurde durch ein risikobehaftetes, loses Portmonee ausgetauscht. Das Erwachsenenleben hat seinen Preis. Zumindest kennen wir alle mindestens eine Person, die ihr Portmonee zu irgendeinem Zeitpunkt einmal verloren hat, oder noch schlimmer, welcher der Geldbeutel geklaut wurde. Nun, wie oft habt ihr schon Mal von einem verlorenen Brustbeutel gehört? Dachte ich mir. Es ist also kein Wunder, dass wir uns gerne auf alte Werte zurückbesinnen.

Bild: Nicolas Nova / flickr.com unter CC BY-NC 2.0
Bild: Nicolas Nova / flickr.com unter CC BY-NC 2.0

Handyketten: Das Bedürfnis der jungen Generation perfekt angesprochen

Inzwischen ist das Smartphone zu einem der wichtigsten Bestandteile unseres alltäglichen Lebens geworden. Mit diesem halten wir nicht nur ein Tor zur Welt in den Händen, sondern auch einen Weg, durch Onlinebanking fast überall zu bezahlen oder dank diverser Navigationsapps (inklusive Onlinetickets) überall hin zu kommen – die Liste ist endlos. All diese Möglichkeiten, auf die wir uns täglich verlassen, haben uns in eine Abhängigkeitsbeziehung mit unserem Handy geführt. Da wundert es einen nicht, dass wir es am liebsten Rund um die Uhr zur Hand haben wollen. Wenn wir es kurz verlegen und aus den Augen verlieren, steigt der Puls in gefährliche Höhen. Das Berliner Label Xouxou machte letzten Sommer die Lösung dieses Problems in Deutschland populär: Die Handykette.

Die Idee ist so simpel wie genial. Da es oft vorkam, dass die Berlinerin Yara Yentzsch nach der Geburt ihres Kindes ihr Smartphone aus den Augen verlor, griff sie irgendwann zum Baukasten, um dem Herr zu werden: Yentzsch lötete zwei Ringe an eine Handyhülle und fädelte eine Kordel durch diese – fertig war die erste Handykette. In ihrem Umfeld kam diese so gut an, dass daraus ein Business wurde. Yentzschs Label Xouxou arbeitet nun in Hochtouren an dem erfolgreichen Trendteil, das immer noch in Handarbeit in Berlin hergestellt wird. Inzwischen kommt die Kordel der Handykette in vielen verschiedenen Farben und Mustern und nach Wahl goldenen oder silbernen Abschlüssen, die richtig edel aussehen. Für jeden Geschmack und jedes Outfit ist also die passende Variante zu haben.

Gerade bei jungen Menschen ist die Handykette beliebt, vorwiegend bei Frauen. Warum gerade bei dieser Zielgruppe der Bedarf groß ist, lässt sich leicht ausmalen. Ich kann mich jedenfalls nicht an meine letzte Hose erinnern, in deren Taschen ein Smartphone reingepasst hätte. Doch wie man auf Instagram sieht, haben auch Männer das It-Piece für sich entdeckt. Kein Wunder, denn inzwischen gibt es Variationen mit Leder und herber aussehenden Ketten.

Bild: Kora Maicher (c)
Bild: © Kora Maicher

Das Smartphone immer griffbereit

Egal ob auf Festivals, im Urlaub, oder im Arbeitsalltag – nicht auf eine Tasche angewiesen zu sein oder Gefahr zu laufen, dass einem das Handy aus der Hosentasche geklaut wird, ist einfach super. Es überrascht also keineswegs, dass Xouxou es nicht einmal nötig hätte, Influencer für Werbung zu bezahlen. Diese waren so begeistert von dem Produkt, dass sich die Handykette ganz von selbst verbreitete.

Man könnte über die Träger der Smartphone-Kordel spotten: Sind sie solche Smombies geworden, dass sie keine Sekunde mehr von dem Gerät getrennt sein können? Ist es so weit gekommen, dass wir vielleicht gar nicht mehr ohne können? Was ist der nächste Schritt, das vollständige Implantieren smarter Technik in unseren Körper?

Soweit sind wir noch nicht. Und ich finde, wir sollten unsere gewünschte Nähe zu unserem Smartphone nicht allzu sehr verteufeln. Im Grunde haben wir schon in der Grundschule durch unsere Brustbeutel gelernt, dass es nur sinnvoll ist, die Dinge immer nah bei sich zu haben, die einem helfen, den Tag möglichst erfolgreich zu überstehen. Trotzdem sollten wir nicht verlernen, das Handy einfach mal hängen zu lassen. Richtig befremdlich wird es wohl, wenn jemand den Handyhandschuh erfindet, durch den wir das Smartphone gar nicht mehr aus der Hand nehmen brauchen.

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