Bild: Tim Reckmann / flickr.com unter CC BY 2.0
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Sonderausgabe Berlin-Exkursion: Der Fact Check Explorer – Googles Suchmaschine für Desinformationen

Vor wichtigen Wahlen, wie kürzlich der Europawahl, stößt man im Internet immer häufiger auf Faktencheck-Initiativen. Eine positive Entwicklung in Zeiten, in denen sich Falschmeldungen rasant im Netz verbreiten. Auch der Suchmaschinenriese Google hat Fact Check-Tools eingeführt. Doch was bringen diese wirklich?

Von Kora Maicher

 

In Zeiten Trumps, des Brexits und dem Rechtsruck in Europa wird deutlich, dass Desinformation eine bedeutende Bedrohung für Demokratien darstellt. Soziale Netzwerke sind inzwischen zu digitalen Öffentlichkeiten geworden, auf welchen auch politische Diskussion in großem Maße stattfindet. Nun hat sich in den letzten Jahren herauskristallisiert, dass wir durch Facebook & Co. keineswegs in einer freien, offeneren Welt leben. Vielmehr bieten die digitalen Plattformen dieser Art den idealen Nährboden für die Verbreitung von Desinformation, da Verifikation auf diesen kaum eine Rolle spielt. Durch Algorithmen entstehende Effekte wie die „Filter Bubble“ verstärken ein von Falschmeldungen geprägtes Umfeld noch mehr. User einer bestimmten Meinung werden meist nur noch mit Inhalten konfrontiert, die diese widerspiegeln – auch wenn sie faktisch widerlegt werden können.

 

Bild: Journolink Journolink / flickr.com unter CC BY 2.0
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Eine Suchmaschine für Falschmeldungen

Sind Falschmeldungen erst einmal im Umlauf (z.B. der „Fall Lisa“) ist es schwierig, dagegen zu steuern und die Empörung rückgängig zu machen. Schließlich ist nicht zu gewährleisten, dass alle User eine Meldung der Richtigstellung zu sehen bekommen. Meistens haben die Fake News die größere Reichweite. Trotzdem versuchen Fact Check-Initiativen schnell gegen Desinformation vorzugehen und sie zu widerlegen. Außerdem gibt es öffentlich-rechtliche Faktenchecks, zum Beispiel den ARD-Faktenfinder oder #wahlwatch des WDR. Seit März bietet Google den Fact Check Explorer, der von der Google News Initiative entwickelt wurde. Dies ist eine Suchmaschine, die die Faktencheck-Ergebnisse der zahlreichen Initiativen zusammenfassen soll.

Schon länger gibt es in der Google Suche das Fact Check-Label. Verifizierte Faktencheck-Initiativen können durch dieses Falschmeldungen markieren. Wird nun in Google nach Meldungen über ein Ereignis gesucht, und die ersten Suchergebnisse enthalten die vorher markierte falsche Information, wird direkt in der Google-Suche ein Hinweis eingeblendet, dass es sich um Desinformation handelt, inklusive einer Quelle zu korrekten Informationen.

 

Bild: Tim Reckmann / flickr.com unter CC BY 2.0
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Google will Journalismus auf die Beine helfen

 

Auf Googles Blog wird der Fact Check Explorer als Tool vorgestellt, das für Journalisten beim auffinden von Faktencheck-Artikeln zu bestimmten Themen helfen soll. Die Bedienung ist so leicht wie Google selbst: Man gibt ein Thema in die Suchleiste ein, dies kann eine Person, Thema, oder Land sein, und es werden verschiedene Treffer vorgeschlagen. Die Suchergebnisse zeigen den „Claim“, also vermeintlich falsche Meldung eines Artikels oder Inhalts, und darunter die Bewertung einer Faktencheck-Initiative. Auch für Nicht-Journalisten ist das Tool interessant, um gegebenenfalls eine Information gezielt zu prüfen, oder einfach um zu schauen, welche verschiedenen Falschmeldungen in letzter Zeit verbreitet wurden.

Durchaus positiv ist, dass Googles Fact Check-Suche immer die Quellen aufzeigt, mit denen Falschinformationen widerlegt oder teilweise widerlegt werden. Links zu den Falschmeldungen selbst gibt es nicht, diese finden sich jedoch häufig in dem korrigierenden Artikel. Auch die Abstufungen der von Fakt Checkern durchgeführten Bewertungen in „falsch“, größtenteils falsch“, „teilweise falsch“ und sogar „richtig“ bieten ein differenziertes Bild.

 

Bewiesenermaßen Fake News zu sein, reicht allerdings nicht aus, um aus der Google-Suche zu verschwinden: Ein als falsch markierter Artikel der Schweizer Morgenpost, der meldet, dass Wikileaks E-Mails von Angela Merkel gehackt hat, ist weiterhin über die Google-Suche auffindbar. Wäre es nicht konsequent, diesen auszublenden, um Desinformation keinen Raum mehr zu bieten? Und auch generell bleibt zweifelhaft, ob Richtigstellungen von Falschmeldungen die Menschen erreichen, die Desinformation ausgesetzt waren. Das genannte Phänomen der Filter Bubble, die Nutzer schon fast in einer eigenen Realität leben lassen, würde dies höchstwahrscheinlich verhindern.

 

Fehlerhafte Informationen zu widerlegen scheint gerade das einzige Mittel gegen Fake News zu sein. Auch wenn es noch Verbesserungsbedarf gibt, der Fact Check Explorer bietet Faktencheck-Initiativen die Möglichkeit, ihre Ergebnisse zu bündeln und für andere leicht auffindbar zu machen. Das ist wichtig, um bei Fake News schnell reagieren zu können.

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