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Sonderausgabe Berlin-Exkursion: „Alexa, was gibt es Neues?“ – Sprachassistenten und ihre Rolle für den Journalismus

Mehr und mehr erobern digitale Sprachassistenten wie Amazon Echo oder Google Assistant die Haushalte. Die smarten Helfer versprechen, uns den Alltag zu erleichtern – und verändern dabei auch die Art und Weise, wie wir Nachrichten konsumieren. Was bedeutet diese Entwicklung für den Journalismus und wie können Medienschaffende von den Chancen der neuen Technologie profitieren? 

von Jana Potthoff

Ein kurzer Sprachbefehl und schon ist das Licht an, der Wetterbericht abgefragt oder das Radio eingeschaltet. Digitale Sprachassistenten verbinden smarte Spracherkennung mit einem Lautsprecher und wollen uns damit das Leben vereinfachen. Laut einer Umfrage von Statista besitzen 2019 bereits 12% der Deutschen einen Smart Speaker – Tendenz steigend. Alexa und Co. gewinnen als digitale Kanäle somit immer mehr an Relevanz und öffnen auch für den Journalismus neue Vertriebskanäle.

Foto: Gritte/Unsplash
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Die Renaissance des Hörens

Audio boomt, das zeigt die aktuelle Entwicklung der Podcast-Szene. Im Digital News Report 2019 des Reuter Institutes heißt es, dass ganze 21% der Deutschen mindestens monatlich Podcasts hören, in den USA sind es sogar 35%. Podcasts sind Audio-Formate, die man online on demand, also jederzeit hören kann. Meistens erscheint ein Podcast in einem bestimmten seriellen Rhythmus, zum Beispiel täglich oder wöchentlich. Das Besondere ist also, dass man Podcasts auf Abruf hören kann, wann es einem gerade passt. Gleichzeitig bietet das Format die Chance, tief in ein Thema einzutauchen und etwas Geschwindigkeit aus der sonst so rasanten Medienwelt herauszunehmen.

Durch digitale Sprachassistenten wird der Zugang zu Audio-Formaten nun noch weiter erleichtert. Per „Alexa, was gibt es Neues?“ oder „Was sind die Nachrichten?“ können die Nutzer ihre Smart Speaker gezielt nach Nachrichten fragen. Genauso können Podcasts oder andere Formate aufgerufen werden. Außerdem können sich die Nutzer eigene Nachrichten-Zusammenfassungen erstellen und dabei bestimmte Anbieter favorisieren oder einzelne Interessensbereiche auswählen. Das ganze können sie jederzeit mit einem kurzen Sprachbefehl abrufen und, wenn sie möchten, einfach nebenbei anhören, während sie mit einer anderen Sache beschäftigt sind.

Ist das die Zukunft des Journalismus?

Auf den ersten Blick erscheint der Unterschied zum Radio oder zum Abspielen über das Smartphone vielleicht banal. Doch wenn uns die mediale Entwicklung der vergangenen Jahre eine Sache gelehrt hat, dann ist es, wie wichtig die Schnittstelle zwischen Nutzer und Content, sprich Medienangebot ist. Durch die Smart Speaker wird der Zugang zum journalistischen Angebot so stark vereinfacht, dass sich die Inhalte fast nahtlos in unseren Alltag integrieren. Man stelle sich vor, die Angebote sind so weit ausgereift, dass alle journalistischen Inhalte problemlos per Sprachbefehl aufgerufen werden können. Warum sollte man sich dann noch die Mühe machen, zum Smartphone und zur Tastatur zu greifen?

Foto: Eric Nopanen/Unsplash
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Vor allem für Radiosender eine große Chance

Auch wenn sich die Geräte verändern, bleibt die Bedeutung der Journalisten und Medienanbieter natürlich bestehen. Durch die neuen Zugangsformen der digitalen Sprachassistenten erhält das Thema Audio-Journalismus in jedem Fall eine neue Relevanz. Dies stellt vor allem für audio-erfahrene Medienhäuser wie Radiosender eine große Chance dar. Im Gegensatz zur monotonen Computerstimme von Alexa kommen ausgebildete Sprecher definitiv besser bei den Nutzern an. Oft liegen den Radiosendern außerdem schon gesprochene Nachrichten vor, die sie den Nutzern über die Sprachassistenten zur Verfügung stellen können.

Mit ersten innovativen Angeboten greift beispielsweise der Bayerische Rundfunk bereits auf die Möglichkeiten der Smart Speaker zurück. Die Nutzer können nicht nur verschiedene Radiosender, Nachrichten oder Podcasts per Sprachbefehl aufrufen, sondern zum Beispiel auch nachfragen, welcher Song gerade im Radio abgespielt wird: „Alexa, frag BAYERN 3, welcher Song gerade läuft.“ Großes Potential bieten die Sprachassistenten auch für den Lokaljournalismus. Die Rheinische Post stellt ihren Hörern beispielsweise den Podcast „Aufwacher“ mit Nachrichten aus der Region rund um Düsseldorf per Sprachbefehl zur Verfügung.

Foto: Waldemar Brandt/Unsplash
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Noch viel Raum für kreative Lösungen

Schaut man sich das bestehende journalistische Angebot an, lässt sich dennoch feststellen, dass an vielen Stellen noch Verbesserungsbedarf und Raum für innovative Lösungen vorherrscht. Häufig werden Inhalte von Nachrichten-Seiten oder Blogs einfach nur von der Computerstimme vorgelesen. Bei all der Euphorie darf natürlich auch nicht vergessen werden, dass von vielen Seiten Datenschutzbedenken gegenüber den Sprachassistenten geäußert werden und man erst mit der Zeit sehen wird, ob die Geräte tatsächlich genug gesellschaftliche Akzeptanz erfahren werden. Dennoch ist es gewiss nicht unbegründet, folgende Vermutung anzustellen: Wer heute in kreative Angebote auf den Smart Speakern investiert, gestaltet damit sehr wahrscheinlich auch die Zukunft des Journalismus mit.

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