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Aktuelles Frauenfrage - Kolumne Gesellschaftsleben

Sie hat sich nicht gewehrt!

Mit der spanischen Gesetzgebung kennen sich vermutlich die wenigsten von uns aus, doch in den letzten Tagen ist einem Paragraphen besondere Aufmerksamkeit zuteil geworden- nämlich dem, der sexuelle Nötigung und Vergewaltigung unterscheidet.
Warum bedeutet Kein Nein eigentlich eine Form von Ja?

„Frauenfrage“, eine Kolumne von Louisa Albrecht

Ich liebe die Seite Bento und war vor ein paar Tagen wieder dort unterwegs, als mir das Thema der heutigen Kolumne entgegensprang: Fünf Männer missbrauchen eine Frau – ganz Spanien rebelliert.
Die Kurzfassung: 5 Männer missbrauchten eine Frau, alle oral, zwei vaginal, einer anal. Das Urteil: Sexuelle Nötigung. Es gibt ein Video, auf dem alles zu sehen ist, auch, dass die Frau weder geschlagen noch direkt eingeschüchtert worden wäre, zudem wehrte die Frau sich nicht aktiv, sondern ließ es über sich ergehen, da sie in einen Schockzustand verfiel- was laut spanischem Gesetz die Nötigung von der Vergewaltig unterscheidet.
Es scheint, als ob die Regeln in diesem Fall den Täter schützen, denn das das Opfer in einen Schockzustand verfällt ist erstens nicht zwingend vermeidbar und zweitens eine verständliche Schutzreaktion des Körpers!

Doch wie sieht die Sache in Deutschland aus?
Bei uns regelt der §177 des Strafgesetzbuches den Tatbestand der Vergewaltigung. Die niedrigste Strafe gibt es für sogenannte minder schwere Fälle, mindestens 3 Monate. Die längsten Strafen, bis zu zehn Jahre, gibt es für Vergewaltigungen, bei denen der Täter bewaffnet war.
Alle diese Regelungen setzen jedoch voraus, dass die Tat „gegen den erkennbaren Willen“ geht, also Nein gesagt werden muss.
Zum Vergleich: Die Strafen für die diversen Fälle des schweren Diebstahls sind ähnlich lang oder eben auch kurz.

Als damals die Ja heißt Ja Regelung in Schweden in Kraft trat, hielt ich das noch für übertrieben und irgendwie merkwürdig- natürlich wurde die Debatte schnell in absurde Richtungen geführt: Ob man denn jedes Mal vorher förmlich fragen müsse, bevor man mit seinem Partner Sex habe. Wie Paare das im Alltag umsetzen weiß ich nicht und ich bezweifle, dass sie sich ständig gegenseitig fragen, aber in einem Falle wie dem in Spanien hätte mit einer Regelung wie der schwedischen auf Vergewaltigung verurteilt werden können.

Grundsätzlich finde ich einige wenige Monate oder ein paar Jahre viel zu wenig als Strafe. Ich genieße das Privileg, noch nie vergewaltigt worden zu sein, mir fallen aber mindestens 3 junge Frauen spontan ein, von denen ich weiß, dass sie es wurden. Von denen, die ich kenne von denen ich es aber nicht weiß mal ganz zu schweigen. Eine Vergewaltigung ruiniert das Leben, genug Opfer können damit nicht gut umgehen und ein paar Monate im Gefängnis vs. Ein lebenslanges Trauma finde ich gelinde gesagt lächerlich. Da wir in einer Männerdominierten Welt leben, wundert mich diese Gesetzgebung nicht, doch ich finde sie falsch.
Vergewaltigung sollte viel härter bestraft werden. Dass die Täter von Spanien 9 Jahre für „lediglich“ sexuelle Nötigung bekommen haben, hat mich überrascht – denn in den meisten Fällen fallen die Strafen wesentlich niedriger aus. Und das ist ziemlich traurig.
Generell scheint das Nein einer Frau nicht Nein zu bedeuten und das Fehlen eines Jas trotzdem als Ja gewertet zu werden.
Warum? Ich. Weiß. Es. Nicht. Und verstehe es auch nicht.
Wenn weder Kein Ja noch Nein tatsächlich Nein bedeuten, scheint alles Ja zu werden. Aber wie soll man bitte NEIN ausdrücken, wenn man es meint , es aber ignoriert wird?

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