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Aktuelles Gesellschaft

Selbstoptimierung – Der Fetisch einer ganzen Generation

Ein Nachtrag zur Videonale.

Ich liebe es in verrückte und außergewöhnliche Ausstellungen zu gehen, wo man sich nicht nur Gemälde anschaut. Natürlich gibt es auch sehr beeindruckende Bilder, von denen man die Augen nicht lassen kann. Aber eine ganze Ausstellung kann man sich meistens eh nicht vollständig bei voller Aufmerksamkeit geben, weshalb Abwechslung immer gut tut.

Deshalb waren meine Erwartungen an die Videonale sehr groß: Ins Museum gehen und künstlerisch ausgefallene Kurzfilme anschauen zu können, klang nach einer guten Pause vom Alltag. Leider muss ich gestehen, dass ich mir bei den meisten Filmen keinen Inhalt oder tieferen Sinn erschließen konnte und es schade war, dass manche Filme, die ohne Kopfhörer ausgestellt wurden, diejenigen, die man nur darüber hören konnte, übertönt haben. Doch ein Video ist mir dann doch hängen geblieben und zwar eins, das sich mit dem Thema Selbstoptimierung auseinander gesetzt hat.

Topic of the day: Selbstoptimierung

Für mich ein höchst brisantes Thema, weil ich in meinem Master damit überrannt werde: DU brauchst einen 1er Schnitt, sehr viel Berufserfahrung, am besten noch Auslandsaufenthalte und natürlich musst du schon in den Regelstudienzeit fertig sein, sonst bist du der größte Loser ever – dieses Bild habe ich sehr bewusst wahrgenommen und finde es einfach furchtbar! Ständig werden wir schon als Studenten an den Rande des Wahnsinns getrieben, wenn es beispielsweise darum geht minutiös auf den wissenschaftlichen Leitfaden achten zu müssen, da inhaltliche Brillanz nichts wert zu sein scheint, wenn man es auch nur wagt ein Zitat über drei Zeilen nicht einzurücken… Ich könnte noch unzählige epische Momente aufführen, aber stattdessen soll der Fokus wieder auf das eigentliche Thema dieses Nachtrages gelegt werden: Selbstoptimierung, was schon fast als Fetisch unserer Generation angesehen werden kann.

Warum sind wir so besessen?

Ich frage mich, warum sich unsere Generation tagein tagaus damit beschäftigt immer besser werden zu wollen: Das muss sich gar nicht mal auf Noten beziehen! Es gibt genügend Studis, die Perfektion in ihrem Äußeren suchen, sei es durch Sport oder den Filterwahnsinn bei Instagram und Co. Warum reicht es scheinbar nicht mehr aus einfach man selbst zu sein? Stattdessen muss man makellos sein, perfekt in jeder Hinsicht! Aber der Preis dafür ist mir zu hoch: Neben meinen Hausarbeiten und meinem Studijob habe ich leider keine Zeit mehr noch drei Stunden täglich ins Fitnessstudio zu gehen, auf meine Ernährung zu achten und dann noch einen perfekten Haushalt zu führen. Und ich habe auch den Eindruck, dass manch einer so ein perfektes Bild nur unter größter Anstrengung aufrechterhalten kann.

Perfektion vs. Gelassenheit – worauf kommt es wirklich an?

Ich bin dafür, dass wir alle mal das Chillen und erLeben wieder größer schreiben! Klar, gerade der Medienbereich zeichnet sich durch seine Schnelllebigkeit aus und wenn man mal nicht mitzieht, hat man schnell das Gefühl, dass man nicht mehr uptodate ist und schon zu ungeeignet für den nächsten hippen Job wäre. Und dann noch dieser unglaubliche Konkurrenzkampf, sobald es um den Job geht. Aber trotzdem braucht jeder einzelne Mensch mal eine Pause, gerade weil wir Menschen und keine Maschinen sind, auch wenn sich das eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Professoren oder Arbeitgebern von unserer Generation wünscht!

Wir werden uns aber am Ende unseres Lebens mit Sicherheit nicht fragen, welche Noten an der Uni besonders wichtig waren oder welche Jobchancen wir verpasst haben. Wir werden uns mit unseren Träumen und Wünschen auseinandersetzen, und wenn wir denen nicht in unseren besten Jahren nachgehen, in denen wir noch verhältnismäßig ungebunden sind, dann wird uns das in unserem späteren Leben teuer zu stehen bekommen. Ich kann mich sehr mit dem Gedanken anfreunden meinen Abschluss nicht mit einer 1,0 zu erreichen und auch keine fünf weiteren Praktika in einem Jahr zu absolvieren und stattdessen einfach das zu tun, worauf ich Bock hab – egal ob‘s meiner Karriere was bringt oder nicht. Dafür erspar ich mir später die Midlifecrisis und Verbitterung, die ich dann doch bei vielen wahrnehmen konnte, die neben ihrem Beruf nichts mehr haben, was sie erfüllt. Klar, jeder kann so leben wie er möchte! Ich möchte nur dafür appellieren, dass Perfektion vielleicht nicht das Wichtigste im Leben sein sollte, auch wenn unsere Gesellschaft uns kaum ein anderes Bild vermittelt.

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