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#SaveYourInternet – Artikel 13 zerstört YouTube?

Ein offener Brief an alle YouTuber und Zuschauer löst eine große Panikwelle aus. Artikel 13 soll YouTube zerstören und das Hochladen von urheberrechtlich geschützten Inhalten auf allen Plattformen stark einschränken – doch wie schwerwiegend ist der Artikel wirklich? Steckt hinter dem Auslösen der Panikwelle nur die Angst davor, Geld zahlen zu müssen?

 

Von Nadja Hochholz

Artikel 13 – Was genau besagt er überhaupt?

Zunächst einmal sollte gesagt werden, dass es sich bei Artikel 13 zunächst um nichts mehr als einen Gesetzesentwurf handelt und ist nur einer von mehreren Artikeln zu der neuen EU-Gesetzgebung zum Urheberrecht. Diese trägt den Titel „Vorschlag für eine Direktive des Europäischen Parlaments und des EU-Rats zum Urheberrecht im digitalen Markt.“. Zusammengefasst besagt Artikel 13, dass große Portale wie YouTube, Facebook, Twitter oder Instagram mit den Rechteinhabern zusammenarbeiten müssen. Sie müssen dafür sorgen, dass Werke nicht wederrechtlich publiziert werden. Dazu müssen Mechanismen zur Erkennung der Inhalte und zur angemessenen Behandlung dieser erschaffen werden. Außerdem müssen sie Beschwerdestellen und Rechtsbehelfe für die Nutzer einrichten. Wichtig zu erwähnen ist ebenfalls, dass dann die Plattformen für das Veröffentlichen urheberrechtlich geschützter Inhalte haftbar gemacht werden und nicht mehr die Nutzer der Plattformen.

Kritik und ‚Warum es Youtube nächstes Jahr nicht mehr gibt‘

Ich habe, wie wahrscheinlich viele von euch, das YouTube Video zu dem Artikel 13 gesehen, ‚Warum es Youtube nächstes Jahr nicht mehr gibt‘. Das Video trifft und vertritt die Aussage, dass Artikel 13 dafür sorgen wird, dass YouTube all die Kanäle die sie nicht kontrollieren können, löschen werden. Dadurch würde YouTube zu einer reinen Mediathek werden, in welcher nur noch Videos von großen Konzernen hochgelafen werden. Auch spricht es über die Meinungsfreiheit:

„Denn bevor es YouTube und das Internet gab, konnten Menschen nicht einfach so ihre eigene Meinung in der Öffentlichkeit verbreiten. Erst das Internet und Seiten wie Twitter und YouTube ermöglichten es, dass jeder Einzelne einer größeren Masse von Menschen sagen kann, was ihm nicht passt.“

Das YouTube-Video sagt, dass Meinung dann wie früher nur von einzelnen Mächtigen gemacht wird und dass wenn wir dahin zurück gehen uns die Freiheit der Meinungsäußerung genommen wird.

Es wird also befürchtet, dass dieser Artikel das Ende des Internets in seiner heutigen Form sein wird. Kritiker stellen die Frage, inwiefern der Artikel sinnvoll, bzw. vertretbar ist, in einem Internetzeitalter, welches auf dem Veröffentlichen und Teilen von Inhalten basiert.

Doch…

…noch ist gar nicht abzusehen, welche exakten Folgen der Artikel mit sich ziehen wird. Was und wie viel die Urheberrechtsreform ändern wird, ist nämlich bisher noch unklar. Natürlich stimmt es, dass Plattformen gezwungen werden, Inhalte massiv zu filtern. Wenn ich jedoch einfach meine Meinung in einem YouTube-Video äußern möchte, ist dies durchaus noch möglich. Es geht nämlich lediglich darum, zu verhindern, dass die Portale und Millionen von Nutzern weiterhin Geld damit machen, dass sie die Werke anderer einfach publizieren. Und wie dieser Vorsatz mit der freien Äußerung seiner Meinung zusammenhängen soll, kann ich nicht wirklich nachvollziehen.

Außerdem ist die Aussage, dass Kanäle gelöscht werden müssen, auch nicht in dem Artikel erkennbar. Es wird nur gesagt, dass diese Plattformen Filter verwenden müssen und dann auf die Hinweise der Rechteinhaber reagieren müssen. Betrachten wir den jetztigen Filter Youtubes, so ist dieser vom Prinzip her nicht unbedingt anders. Der Content-ID untersucht die hochgeladenen Videos auf urheberrechtlich geschütztes Material. Sollte welches vorhanden sein, so wird das Video zunächst blockiert und der Rechteinhaber informiert. Das Video kann dann für die Öffentlichkeit wieder zugängig gemacht werden, wobei die Einnahmen dann jedoch an den Rechteinhaber gehen können.

Doch das Entwickeln dieser Filter kostet Geld, genauso wie das Nicht-Entwickeln. Außerdem müssen die großen Plattformen mit Klagen rechnen, was ebenfalls wieder Geld kostet. Vertreten die Plattformen also nur aus Angst vor den Zahlungen von Geld diese Ansicht, oder besteht wirklich die Gefahr auf eine Einschränkung der Meinungsfreiheit?

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