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Wohlstand für Alle

Not macht erfinderisch. Während die Regierungen in der ganzen Welt ihrer Wirtschaft aus der Klemme helfen, haben findige Menschen nach Alternativen gesucht.So ist im Jahr 2006 in Düsseldorf das Rheingold aufgetaucht. Dabei handelt es sich nicht etwa um den Schatz der Nibelungen, sondern um eine Regionalwährung, die sich aber möglicherweise als genauso wertvoll entpuppt, wie eben jener Schatz.

von Janine Kowalke

Kunstvoll sehen sie aus, die Scheine der Rheingoldwährung. Auf der Vorderseite erstrahlen berühmte Köpfe der Stadt Düsseldorf, zum Beispiel Joseph Beuys, Clara Schumann oder Heinrich Heine. Durch ein spezielles Herstellungsverfahren sind die Scheine sowohl knitterfrei als auch reißfest. Ihre Rückseite ist frei und kann von allen, die mitmachen, gestaltet werden. Mitmachen kann jeder, egal ob Bäcker, Fotograf oder Student.

Das Prinzip ist denkbar einfach: Wie alle Regionalwährungen funktioniert auch das Rheingold als Tauschmittel. Die Scheine werden gegen Waren oder Dienstleistungen eingetauscht. So kauft der Student beim Bäcker seine Brötchen und bezahlt mit Rheingold, der Bäcker wiederum geht zum Frisör und tauscht sein Rheingold gegen einen Haarschnitt. Das Rheingold des Frisörs landet dann möglicherweise in der Kasse seiner Lieblingskneipe.

Kein Verlustgeschäft

Der Kreislauf dieses modernen Tauschhandels ist schnell: Um die Nachfrage aufrecht zu erhalten und das Sammeln und Horten von Rheingolds zu verhindern, verlieren die Scheine zwölf Monate nach Ausgabe ihre Gültigkeit. Aber sie verlieren nicht ihren Wert. Gegen eine Gebühr von 5% können sie in neue Scheine oder zurück in Euro getauscht werden. Der Wechselkurs liegt bei 1:2 Rheingold zu Euro.

Wer sich nun anmeldet und ein Rheingolder wird, bekommt ein Startguthaben, das er nach Belieben ausgeben kann. Um dann wieder an Rheingold-Scheine zu kommen, muss sich der neue Rheingolder allerdings etwas überlegen, was er dafür anbieten kann. Wer kein Handwerker oder Geschäftsmann ist, kann andere Leistungen anbieten. Künstler verkaufen ihre Werke nicht für Geld, sondern tauschen sie einfach gegen Rheingolds. Als Student kann man beispielsweise mit Kinderbetreuung oder Nachhilfe ins Rennen gehen.

Regionalwährungen in Deutschland

Gegründet wurde die Initiative Rheingold im September 2006 von Kulturschaffenden aller Professionen aus Düsseldorf mit dem Ziel, Wohlstand für alle möglich zu machen. Und das möglichst unabhängig vom Weltwirtschaftssystem, das auf Verzinsung und Dauerverschuldung basiert und so nur für die wenigsten Wohlstand bietet. Gewinner sind nur diejenigen, die von den Zinsen leben. Durch die Regiowährung bleibt der Geld- bzw. Gutscheinfluss übersichtlich und transparent. Sie hat keinen virtuellen Gegenwert, sondern einen realen, auf Arbeit beruhenden. Weil die Scheine nur für eine bestimmte Region gelten, wird somit die lokale Wirtschaft gestärkt.

Regionalwährungen sind in Deutschland keine Seltenheit mehr. Ob Havelblüte in Potsdam und Brandenburg oder die Hansemark in Hamburg, mehr als 30 solcher Währungen existieren momentan bundesweit, Tendenz steigend. Eine Regiowährung wird auch für den Raum Bonn angestrebt. Weitere Informationen beim Regiogeld e.V.

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