Wir sind Bachelor-Studenten, das schweißt zusammen! Es geht dabei schon kaum mehr um die Studienrichtung oder die Universität. Bachelor, das ist vielmehr ein allgemeingültiges Stigma. Von vielen belächelt, von noch mehr beweint.
Sind Sie schon mal einem Bachelor-Studenten begegnet? Sie können die armen Dinger auf offener Straße entdecken. Der Kellner mit den fettigen Haaren und dem glasigen Blick, der die Rentnergruppe mit Kaffee und Kuchen versorgt. Bachelor Mathematik. Die verträumte Blonde, die ihren Blümchen-Ballon-Rock im Hofgarten ausbreitet, um wie wild geworden in ihren Laptop zu hämmern. Bachelor Kommunikationswissenschaften. Die zwei Bengel, die mit einem Kasten Oettinger und dem obligatorischen Tütchen Gras aus dem Rewe marschieren. Bachelor Agrarwissenschaften.
Wer bin ich eigentlich?
Zugegeben: Bachelor-Studenten sehen so aus wie alle anderen Hochschüler, sie feiern die gleichen Partys und beteiligen sich genauso selten an den Wahlen zum Studentenparlament. Also wo ist der Unterschied? Was macht einen Bachelor-Studenten aus?
Das weiß wohl keiner so genau. Und so entsteht bei den Bachelors ein etwas mulmiges Gefühl. Wer bin ich eigentlich und was mache ich hier? Da fehlen die klaren Vorgaben, die vorgetrampelten Pfade der letzen Jahrgänge, die Vorbilder, denen man folgen könnte.
Wir befinden uns in einem Schwebe-Zustand, irgendwo zwischen Abitur, ersten Berufserfahrungen und dem so lange herbei gesehnten Studentendasein. Ist es das jetzt, das berüchtigte Studentenleben – so sorgenfrei und unbeschwert? Bin ich schon ein Student, oder doch nur Bachelor? Beginnt das Studium nicht vielleicht erst mit dem Master?
Ich hör nur noch Master
Da kommt man gerade in das zweite Semester und hört schon nur noch Master. Schnell den Bachelor hinter sich bringen und weiter geht die Hetzjagd durch das Karriereleben.
Spätestens dann hören wir Bachelor wieder auf nachzudenken. Besuchen fleißig Kurse, die wir besuchen müssen. Versuchen in unserer Freizeit, praktische Erfahrungen zu sammeln, ohne die ja irgendwie auch nichts geht. Verdienen irgendwo noch etwas Geld für die Studiengebühren und am Abend machen wir es dann wie alle Studenten, von Diplom bis Magister: Wir betrinken uns ordentlich, schubsen uns in zweitklassigen Keller-Diskotheken taktvoll zu „Deichkind“ durch die Gegend und wissen dann spätestens am nächsten Morgen mit blauer Gewissheit: Wir sind Bachelor!
P.S. Traurig nur, dass uns selbst die Word-Rechtschreibkorrektur den Hohn nicht erspart und den Begriff „Bachelor“ konsequent rot anstreicht. Kennt es nicht, gibt es nicht. Prost!
