Von Nadine Preibisch und Christiane Schäfer
Über einen Beitrag in einem Forum, stolperte ich über BookCrossing. Nur ein paar Klicks später war ich von der Idee angetan: Warum sollte man Bücher, die man schon längst gelesen hatte und die im Bücherregal verstauben, nicht auf die Reise schicken?
Nur selten habe ich ein Buch, das ich bereits gelesen hatte, nochmals aufgeschlagen und darin gelesen. Meist wanderten diese Exemplare in mein Bücherregal und der Buchrücken dient bis heute höchstens der Dekoration. Als ich auf die Internetseite bookcrossing.com stieß, wurde mir erst klar, wie vielen es offenbar so ergeht wie mir. Über 852.000 Menschen aus der ganzen Welt sind als BookCrosser registriert und haben über sechs Millionen Bücher aus dem heimischen Regal ausgesetzt.
„Wer sein Buch liebt, lässt es frei“
Der Gedanke, der hinter diesem Projekt steht, ist dabei keineswegs neu. Auch Nadine, selbst Autorin beim Medienblick, setzte im Alter von 15 Jahren ein Buch aus:
„Bereits vor sieben Jahren habe ich einen Zeitungsartikel über das Aussetzen von Büchern gelesen indem es sinngemäß hieß „Wer sein Buch liebt, der lässt es frei“. Zuerst von der Idee angetan merkte ich aber schnell, wie schmal der Grad zwischen romantischer Freiheit und meiner Liebe fürs Büchersammeln war. In einer ersten euphorischen Phase wollte ich mich von vielen Büchern trennen und konnte letztlich nur eines entbehren. Die meisten Bücher waren so gut, dass ich mir einredete, bestimmt noch mal in ihnen zu lesen. Der schließlich ausgewählte Krimi hatte ein Lesezeichen zwischen den Seiten: „Ich bin ein Buch, das nicht im Regal verstauben möchte und habe mich deshalb auf die Reise gemacht. Nimm mich mit und ich erzähle dir eine Geschichte. Aber danach musst du mich wieder freilassen.“ Von Internet und Book-ID war meine Aktion noch losgelöst und somit habe ich nichts mehr von meinem Buch gehört. Schade eigentlich.“
Read, Register, Release
Im April 2001 rief der Amerikaner Ron Hornbaker die BookCrossing- Bewegung ins Leben, die sich wachsender Beliebtheit erfreut. Dabei sind die drei R das Grundprinzip der BookCrossing: Read, Register, Release. Möchte man ein Buch also aussetzen, registriert man es vorher bei BookCrossing.com. Dem Buch wird eine Book-ID verpasst, die es eindeutig identifizierbar in der BookCrossing Datenbank macht. Zusätzlich legt man eine eigene Unterseite für das Buch an, auf der Kommentare und Bewertungen gesammelt werden können. Versehen mit einem BookCrossing Info-Flyer und unter Angabe der Zeit und des Ortes, setzt man das Buch schließlich aus.
Beim Stöbern auf der Internetseite war ich erstaunt über die rege Aktivität in Deutschland. Auch in Bonn ist die BookCrosser Gemeinde bemerkenswert. Hinter Solingen und Aachen belegt Bonn mit 107 Büchern, die in den letzten 30 Tagen ausgesetzt und noch nicht gefunden wurde, den dritten Platz in Nordrhein-Westfalen. Wie ich sah, fanden einige Bücher bereits nach wenigen Stunden oder Tagen einen neuen Besitzer, andere verbleiben seit drei Jahren immer noch in der „Wildnis“.
Das erste Mal als BookCrosser
Mit Hilfe der Schritt für Schritt-Anleitung auf der deutschen BookCrossing-Support Seite, habe ich mich selbst daran versucht, ein Buch auszusetzen. Die notwendigen Schritte sind dabei schnell verstanden und das Einrichten der Book-ID und der entsprechenden Unterseite hat mich nur wenige Minuten gekostet.
Anders sah es dabei mit der Auswahl des Buches aus. Schließlich sollte man sich darüber bewusst sein, dass jedes Buch auch einmal Geld gekostet hat; und nicht jedes Buch wird später auch gefunden. Ich habe mich bei meinem ersten Versuch für eine Schullektüre entschieden, die mich zum einen kein Vermögen gekostet hat und an der auch nicht allzu viele Erinnerungen hängen. Mit Info-Flyer und Etiketten beklebt, habe ich mein Buch dann ausgesetzt.
Bisher hat wohl noch niemand mein Buch gefunden und sich bei BookCrossing gemeldet. Allerdings liegen in anderen Stadtteilen noch einige ausgesetzte Bücher. Vielleicht lohnt sich die Suche?
