Anonymous über Kino.to

Du willst mitmachen?

Willkommen beim Medienblick Bonn! Hier kannst du eigene Texte veröffentlichen und mitdiskutieren. Bei regelmäßiger Mitarbeit wird dir auch ein Zertifikat ausgestellt. Schreib uns eine Mail, dass du dabei bist und registriere dich jetzt! redaktion@medienblick-bonn.de

Log-In

Wie kommt eigentlich der Flash zum Mob?

(flash – Blitz; mob – von mobilis – beweglich, auch Blitzauflauf). Mittlerweile ist das Phänomen des Flashmobs nahezu jedem ein Begriff: eine geplante Zusammenkunft von möglichst vielen Menschen an einem Ort zu einer bestimmten Zeit mit einer gemeinsamen Aufgabe. Das kann die Party auf Sylt, eine Massen-Burgerbestellung am Drive-In oder ein plötzliches Stillstehen wie beim „Frozen“-Flashmob in der Grand Central Station in Manhattan sein. Der Flashmob hat schier unendlich viele Gesichter. Aber wie plant man einen solchen Event ohne im Vorhinein zu viel Aufmerksamkeit zu wecken? Wie motiviert man möglichst viele Leute zum Mitmachen und kommuniziert gleichzeitig präzise Anweisungen zur geplanten Aktion?

Der erste Flashmob 2003 in New York brauchte zwei Anläufe, bis er so durchgeführt werden konnte, wie Initiator Bill Wasik es sich ausgemalt hatte. Damals erkundigten sich 100 Flashmobber bei dem erstaunten Verkäufer eines Kaufhauses nach einem Teppich, den sie für ihre „Liebes-Community“ suchten. Womöglich scheiterte der erste Versuch an der nicht ganz unkomplizierten Planung und Organisation einer solchen Veranstaltung, bei der die Teilnehmer einander gänzlich fremd sind. Daher scheint es logisch, dass Flashmobs bis zur verstärkten Nutzung der Internetkommunikation eher als lokal beschränkte Ereignisse in Erscheinung traten.

In den vergangenen Jahren hat sich viel getan. In Zeiten von E-Mail und Chatkommunikation sowie diversen Diensten und Plattformen wie Skype, MySpace und StudiVZ, deren Nutzung heutzutage fester Bestandteil unseres Alltags geworden ist, bedarf es lediglich der richtigen Instrumentenauswahl zur Verbreitung der Flashmob-Informationen.

Internetkommunikation als entscheidender Faktor

Sowohl Büro- als auch soziale Kommunikation verläuft zu einem entscheidenden Teil über Mobiltelefone und Internetdienste. Eine StudiVZ-Gruppe „Flashmob im Hofgarten“ ist, als Beispiel, schnell gegründet und findet mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die gewünschte Aufmerksamkeit. Dass dieses Vorgehen vielversprechend sein dürfte, lassen die 300 Treffer bei der Gruppensuche im StudiVZ mit dem Stichwort „Flashmob“ durchaus vermuten.

Hier haben nahezu alle größeren und auch viele kleinere Städte ihre Flashmob-Gruppe. So auch Bonn. Im zugehörigen Forum werden neue Aktions-Ideen diskutiert, aber auch konkrete Termine zu bereits geplanten Flashmobs schnell verbreitet. Ähnlich verhält es sich mit Twitter. So organisierten Fans von Michael Jackson nach dessen Tod spontan über Twitter Tanz-Flashmobs, bei denen jeweils Hunderte Fans den berühmten Moonwalk des Künstlers nachmachten.

Wie die Aktionen abgelaufen sind und Passanten das unerwartete Treiben überrascht und ungläubig beobachten, kann man hinterher meist auf Videoplattformen wie YouTube bestaunen. Unter den knapp 17.000 eingestellten Filmchen zum besagten Thema findet sich alleine auf YouTube vom Kreisverkehr-Flashmob in Lübeck bis zum T-Mobile Dance alles, was den begeisterten Aktiv-Mobber oder auch neugierigen Beobachter interessiert. YouTube dient sowohl als Inspirationsquelle als auch Verbreitungsplattform des Phänomens Flashmob. Die Videos dienen als eine Art viraler Motor für die Verbreitung der Aktions-Botschaften.

Organisiert unorganisiert

Nicht wenige Flashmobs sorgen zudem über eigene Homepages für den nötigen Zulauf. Der Initiator des sogenannten „Bunten Krachmacher-Flashmobs“, das sich gegen die deutschlandweit angekündigten Nazi-Flashmobs am 17. August richtete, veröffentlichte dort Choreographie mit Zeit- und Ortsangaben bis hin zum Hinweis der Uhrensynchronisierung mit der Atomuhr. Natürlich durfte am Ende der Hinweis zur Weiterverbreitung und Werbung in Blogs, Chats, Foren, per SMS und Mundpropaganda nicht fehlen.

Dass neue digitale Verbreitungswege und klassische Mund-zu-Mund-Propaganda erfolgreich ineinandergreifen, zeigt auch das Beispiel von Christoph Stüber: Stüber rief nach seinem Beziehungs-Aus im Internet zur Strandparty auf Sylt auf. Dass diesem Aufruf 13.000 Partywütige folgten und in Sylt einfielen, dürfte ihn ziemlich überrascht haben, wollte er doch nur ein bisschen mit rund 100 Bekannten feiern.

Das Mitmach-Internet hat uns eine neue Form der realen Interaktion und Kommunikation beschert. Jeder kann sich anschließen, jeder kann einen eigenen Mob initiieren. Dass Kontrolle sowohl bei der Verbreitung als auch bei der Art des Flashmobs komplett außen vor ist, liegt in der Natur der Sache und macht den Reiz der Aktions-Form des Flashmobs aus. Um so spannender, was uns in Zukunft noch erwartet.

Leave a Reply

 

 

 

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>