Sabine Lewitscharoff über das Schreiben

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Wie frei sind Medien heute?

Eines der Dinge, die im Westen noch relativ gut funktionieren, sind die Medien. Wenn es einmal mehr der Politik an Inhalten mangelt, oder aber die Exekutive in maßloser oder korrupter Manier ihre Befugnisse missbraucht, konnte man auf die Medien als vierte Gewalt zählen, um diese Verfehlungen zumindest aufzudecken und anzuprangern.

Eine lobenswerter Zustand, der nur allzu oft als selbstverständlich hingenommen wird. Denn die freie Betätigung von Medien war zu allen Zeiten ein Drahtseilakt. Über Jahrhunderte hinweg widerstand sie aller Ignoranz und Dogmatik und wuchs zu der heutigen, bunten Medienwelt heran. Mehr denn je wird sie heute bedrängt und bekämpft, etwa von religiösen Fundamentalisten, welche die reine Lehre propagieren und Kritik am spirituellen Status Quo nicht dulden, oder auch totalitären Strömungen. Und jedes Mal, wenn hierbei die Dinge aus dem Gleichgewicht geraten, ist mitunter eines der ersten Opfer die Meinungsfreiheit.

In unserer gegenwärtigen Welt kann man auch beim besten Willen nicht übersehen, wie sehr sich derzeit eben diese Freiheit im Rückzug befindet. Nicht ein Ereignis alleine, sondern vielmehr das Zusammenspiel aller, droht ihr die Luft zum Atmen zu nehmen. Religiös motivierter Terror hat in den USA, und somit im gesamten Westen, einen totalitären Reflex ausgelöst und ein Klima des Zwangs und der Paranoia erzeugt. Das hat unmittelbare, negative Rückwirkungen auf mediales Engagement, etwa der Verlust von kritischer Distanz der US-Medien wie etwa FOX News und deren schleichende Gleichschaltung.

Das Ende der Meinungsfreiheit naht

Gleichzeitig erlischt die Strahlkraft des westlichen Liberalismus. Moralisch suspekt seit den vielen Menschenrechtsverfehlungen der Bush-Regierung und durch das dynamischere und totalitäre China im Wettstreit der Systeme scheinbar übertrumpft, wirkt das westliche System merkwürdig hilflos und überfordert.

Der endgültige Bankrott des abgewirtschafteten Westens scheint nun durch die gegenwärtige Finanzkrise und dem damit verbundenen Aderlass vorstellbar. Zumindest in den Augen derjenigen, die es zu überzeugen gilt, den Völkern des Nahen Ostens, Afrikas, Amerikas oder Asiens, ist dies kein abwegiger Gedanke. Eine schleichende Neuorientierung all dieser „Bauern im Schach der Welt“ deutet sich an. Ein wild lavierender, tief verunsicherter und in einer Daseinskrise steckender Westen,  wird nicht verhindern können, dass Mächte wie Russland oder China systematisch ihren Einfluss auf weite Teile dieser Welt ausdehnen, mit all den bekannten Folgen für die mediale Betätigung.

Eine rauere Epoche kündigt sich an

Das Zeitalter des Pluralismus und der Toleranz neigt sich seinem Ende. Eine rauere, engstirnigere Epoche kündigt sich an. Eine Ära, in der es „richtige“ und „falsche“ Wahrheiten geben wird und eine „falsche“ Wahrheit zu verbreiten höchst unerfreulich Konsequenzen haben kann. Dies ist vielleicht die letzte Botschaft, die uns Anna Politkowskaja übermittelte.

Schlussendlich: Wo wird diese Welle der frisierten Wahrheiten und massierten Mehrheiten brechen? Und wie viele werden nicht widerstehen können, bei diesem schmutzigen Spiel mitzumachen? Dies sind Fragen, die allein die kommende Dekade beantworten kann.

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