Soziale Netzwerke schießen wie Pilze aus dem Boden und bringen uns in die ungünstige Situation der ständigen Erreichbar- und vor allem Gruschelbarkeit. Fakt ist: wer nicht drin ist, ist Out. Aber die Frage ist: Wo muss man denn überall drin sein um In zu sein?! Eine Feldstudie.
Früher haben Nina und Ida gern zusammen lustige Fotocollagen erstellt oder eine Runde Mau-Mau in langweiligen Vorlesungen gespielt. Die Zeiten sind vorbei. Nun hört Nina von Ida nur noch Sätze wie ”Ich verlink dich mal im Studi.” oder “Bist du auch im Facebook?”. Da spielt Ida nämlich neuerdings Bandenkrieg mit ihren 534 Freunden. Wie im Krieg fühlt sich Nina auch ein bisschen, wenn sie daran denkt, wie sie mit immer neuen Einladungen zu irgendwelchen Netzwerken, Gruppen und Applikationen bombardiert wird.
Wer sich für die Anmeldung in einem Social Network entscheidet, hat die Qual der Wahl. Die Grundlage eines jeden Sozialen Netzwerks ist das Erstellen eines Profils, in dem man unzählige Kategorien und Angaben machen kann. Welche Lehrveranstaltung man belegt, die Interessen, der Beziehungsstatus oder Kontaktdaten sind seit dem Siegeszug der Social Networks von öffentlichem Interesse.
In Deutschland ist das bekannteste soziale Netzwerk StudiVZ. Wie der Name schon sagt, sind hier vor allem die Studenten im Mittelpunkt des Geschehens. Das sogenannte Gruscheln hat StudiVZ bekannt gemacht. Hier kann man sein Gegenüber gleichzeitig grüßen und kuscheln. Zwei Ableger von StudiVZ, jedoch mit dem gleichem Prinzip, sind SchülerVZ und MeinVZ. Hier tummeln sich hauptsächlich Schüler und Berufstätige.
Amerika als Vorreiter
Als an StudiVZ noch nicht einmal zu denken war, erblickte das Kontaktnetzwerk Facebook in den USA das Licht der Welt. Im Februar 2004 entwickelte der Harvard-Student Mark Zuckerberg die soziale Software Facebook. Ursprünglich war das Netzwerk ausschließlich für die Kommunikation zwischen den Kommilitonen seiner Uni gedacht. Dass sich daraus das größte Social Network der Welt, mit mittlerweile 250 Millionen Nutzern entwickeln würde, hätte er damals sicher nicht gedacht.
Der größte Konkurrent MySpace ist Facebook dicht auf den Fersen. In den USA gilt MySpace als das beliebteste Netzwerk für Privates und Freizeit. Das Besondere an MySpace ist der Schwerpunkt auf Musik. Viele Künstler und Bands haben hier eine Plattform zur Selbstdarstellung gefunden. Auch viele Fanclubs und Musikliebhaber organisieren sich über dieses Netzwerk.
Eine sehr beliebte Plattform bei Workaholics ist das Netzwerk XING. Dort kann man sich auf öffentlichen Veranstaltungskalendern informieren oder sich in eine der zahlreichen Regionalgruppen eintragen, die regelmäßig Treffen veranstalten. Das Ziel von XING ist es, Geschäftsbeziehungen zu vertiefen und Online mit Offline Networking zu verbinden. Darüber hinaus bietet XING seit 2007 eine eigene Kontaktbörse an.
Die Großen sind nicht die Einzigen
Im Unterschied zu den meisten anderen Angeboten ist das soziale Netzwerk wer-kennt-wen nicht auf eine bestimmte Gruppe spezialisiert. Wer-kennt-wen wendet sich an alle User ab 14 Jahren. Es wurde von zwei Studenten der Universität Koblenz-Landau ins Leben gerufen. Der Großteil der Nutzer kommt aus Rheinland-Pfalz, Hessen oder dem Saarland. Doch auch in Berlin und Nordrhein-Westfalen steigen die Nutzerzahlen stetig an. WKW, wie es auch genannt wird, ist bereits das viertgrößte soziale Netzwerk in Deutschland.
Das Netzwerk StayFriends ist eine Website zum Wiederfinden von alten Schulfreunden. Die Basisversion ist zwar kostenlos, aber um Nachrichten versenden zu können oder Fotos ansehen zu können, muss der User hier schon mal in den Geldbeutel greifen.
Die Lokalisten befinden sich hauptsächlich in Städten wie München, Berlin oder Stuttgart. Laut den fünf Münchner Freunden, die Lokalisten.de 2005 ins Leben gerufen haben, war es als “virtuelles, gemeinsames Wohnzimmer” geplant. In diesem Wohnzimmer haben nun bereits drei Millionen Lokalisten Platz genommen.
Ob Nina dort vielleicht eine neue Freundin für das Real Life findet? Ein Versuch ist es wert.
