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Nur mal kurz versammeln und 10.000 Hamburger bestellen

Burger_PerfectWie aus dem Nichts tauchen sie an öffentlichen Plätzen auf – Menschenansammlungen, die etwas Skurriles und für Unbeteiligte höchst Irritierendes veranstalten. Hunderte fallen bei einer Fastfood-Kette ein, um alle gleichzeitig einen Hamburger zu bestellen, applaudieren ohne Grund mehrere Sekunden lang, oder legen sich spontan gemeinsam auf den Boden. Genauso schnell, wie sie gekommen sind, lösen sich die Massen auch wieder auf, als wäre nichts geschehen. Und das alles vor unwissenden Passanten. Organisiert wird das Ganze via E-Mails, Social Networks á la StudiVZ oder per Mobiltelefon. Flash-Mob nennt sich dieses Gesellschaftsspiel, das inzwischen zu einem weltweiten Phänomen geworden ist. Doch seit wann gibt es den Trend zum öffentlichen Flashmobbing überhaupt?

Flashmobs sind in Deutschland derzeit in aller Munde. Doch so neu ist die Idee gar nicht. Erste Überlegungen zu diesem gesellschaftlichen Phänomen wurden bereits 2002 durch den amerikanischen Sozialwissenschaftler Howard Rheingold angestellt, der bereits in seinem Buch Smart Mobs: The Next Social Revolution auf das Potenzial sozialer Massen verwies. Bill Wasik, Chefredakteur des New Yorker Harper’s Magazine, nahm diese Idee auf und rief im Sommer 2003 zum ersten Flashmob auf.

Der Aufruf verbreitete sich per E-Mail wie ein Lauffeuer. So kamen mehr als hundert Menschen in ein Kaufhaus in Downtown Manhattan, um sich angeblich gemeinsam einen „Liebesteppich“ zu kaufen. In New York folgten daraufhin schnell weitere Aktionen. Eine Gruppe  versammelte sich in eine Hotel-Lobby, um dort unvermittelt 15 Sekunden tosend zu applaudieren. Andere stürmten ein Schuhgeschäft, um sich als Touristen auszugeben. Wieder ein anderer Flashmob geschah im Central Park und ahmte Vogelgezwitscher nach.

Flashmobs werden weltweit zum Renner

Ausgehend von den USA verbreitete sich der neue Trend schnell nach Europa, Australien und Asien. Der erste Flashmob in Europa ereignete sich im Juli 2003 in Rom, als 300 Leute einen Musik- und Buchladen “stürmten”, um nach nicht vorhandenen Produkten zu fragen. Nachdem die ersten Aktionen ein großes Medieninteresse erzeugten, ebbte die Welle der Flashmobs vorerst wieder ab. Doch nur wenig später entdeckten politische Organisationen das Format für sich. So tauchte das Phänomen erneut in den Medien auf und inspirierte diverse Nachahmer. Die Zahl der reinen Spaß-Flashmobs stieg erneut.

Auf das steigende Interesse verweist auch  die Kurve von Google Trends, die seit Beginn 2008 deutliche Zuwächse in Bezug auf die Suchanfragen für den Begriff “Flashmob” aufweist. Seitdem haben sich zahlreiche unterschiedliche Flashmob-Arten entwickelt. So gibt es beispielsweise den Frozen Flashmob, bei dem die Flashmobber zu einem festgelegten Zeitpunkt bzw. auf ein bestimmtes Signal wie versteinert stehen bleiben, bis sich der Flashmob wieder auflöst, oder aber den Naked Flashmob, bei dem sich die Teilnehmer nackt oder spärlich bekleidet in der Öffentlichkeit unters Volk mischen. Besonderes Aufsehen erregte ein sogenannter Food Flashmob im März 2008 am Berliner Ostbahnhof, wo mehrere Hundert Menschen eine Fastfood-Kette stürmten und mit ihrer Bestellung von mehr als 10.000 Burgern sogar ein Weltrekord aufstellten.

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt

Eine weitere Spielart ist der Silent Flashmob, der häufig in der Form von Silent Discos veranstaltet wird. So versammelten sich beispielsweise im Frühjahr 2006 etwa 4000 Teilnehmer in Londoner U-Bahn-Stationen, um ausgelassen zu der Musik zu tanzen, die sie über ihren MP3-Player hörten. Ein ähnliches Ereignis in Washington D.C. erreichte große Aufmerksamkeit, weil erstmals eine Flash-Mobberin aufgrund ihres lautlosen Tanzens vor dem Jefferson Memorial von der Polizei abgeführt wurde.

Besonders großer Beliebtheit erfreut sich der Pillow Fight Flashmob. Anlässlich des jährlich stattfindenden internationalen Pillow Fight Day versammelten sich im März 2008 erstmals in über 25 Städten, von Amsterdam über Dubai, London, Los Angeles und Shanghai bis nach Sydney, Tausende von Menschen um eine gigantische Kissenschlacht abzuhalten. Mit über 5000 Teilnehmern allein in New York markiert diese Aktion den bis dato größten Flashmob.

Während Flashmobs ursprünglich als rein private Spaßveranstaltung gedacht waren, haben mittlerweile auch Firmen und Unternehmen die Idee als Marketingzweck für sich entdeckt. Aufgrund der einfachen Durchführbarkeit und dem geringen Budgetaufwand werden viele Flashmobs in Zukunft sicherlich werblich motiviert sein.

Man darf gespannt sein, welche Aktionen den Flashmobbern auf der ganzen Welt noch einfallen werden!

Stephanie Haupt

1 comment to Nur mal kurz versammeln und 10.000 Hamburger bestellen

  • Thomas

    Hallo,

    vielen Dank für den Artikel, der die Geschichte des Flashmobs detailliert aufzeigt. Allerdings muss ich anmerken, dass mir ein Hinweis auf den wohl bekanntesten Flashmob (Frozen – Central Station New York) in diesem Kontext fehlt. Ein weiterer Punkt ist die Frage der Sinnhaftigkeit bzw. auch der kritischen Auseinandersetzung mit dem sog. Food Flashmob. Auffallend ist, dass es sich hier um den einzigen Flashmob handelt, der im Zusammenhang mit Geld steht. Es stellt sich die Frage, ob nicht eines der vermeintlichen Opfer diesen Flashmob initiiert hat und es sich in dem Zusammenhang um den ersten Marketing-Gag handelt, der die Bereitschaft der Bewegung ausgenutzt und den Geist manipuliert hat.

    Grüße

    Thomas

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