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Netzkultur: Revolution im Internet

NetzkulturDass die weltweite Internetnutzung eine Revolution der Kommunikation mit sich zieht,  ist heute nicht nur Fachleuten klar. Jeder kann mit Jedem im globalen Netzwerk in Kontakt treten, seine Meinung öffentlich und unzensiert kundtun. Der Zugang zu Informationen jeglicher Art ist einfach wie nie zuvor. Es ist die Rede von einer Revolution der Medienlandschaft wie es bisher nur der Buchdruck geschafft hat. Netzkultur: das kann alles sein, was im Internet geschieht, sich dort entwickelt und verbreitet- von Menschen gemacht, durch technischen Fortschritt ermöglicht. Die Menge scheint unendlich und entwickelt sich schneller weiter, als dieser Artikel online gestellt werden kann.  Die Debatten zu diesem Thema sind mindestens genauso vielfältig. Ein Einblick.

Am Anfang war…

Ja, so einfach ist es gar nicht, in einem so vernetzten, verlinkten und sich gegenseitig beeinflussenden System mit vielen Komponenten einen Anfang zu finden. Vielleicht beginnen wir bei den Bloggern, denn besonders im Bereich der social media spielen sich auch die aktuellen Debatten ab. Diese “Möchtegern-Journalisten” wie sie vor einiger Zeit noch von diversen Printmedien betitelt wurden, sind aus der globalen Medienlandschaft nicht mehr wegzudenken. Besonders in den USA  geniessen die freien Schreiber ein hohes Ansehen und haben die Macht eine öffentliche Debatte mitzubestimmen, sich sogar in den Wahlkampf einzumischen.

Im Gegensatz dazu wird in Deutschland das Bloggen immer noch als Journalismus zweiter Klasse angesehen. “Blogs in Deutschland: Man spricht nicht darüber,” schreiben Markus Brauck, Frank Hornig und Isabell Hülsen im Spiegel. Irgendwie haben sie auch recht, die politische Blogosphäre steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Und trotzdem: auch wenn es die klassischen Medien nicht immer einsehen wollen: die Revolution aus dem Netz nimmt schnellen Schrittes auch in ihre Kreise Einzug.

Blogosphäre in Deutschland

Das Mediennutzungsverhalten verschiebt sich klar in Richtung Internetanwendungen. Schon jetzt wurde für Jugendliche und junge Erwachsene das Fernsehen als Leitmedium von Computer und Internet abgelöst.  Die extremen Individualisierungsmöglichkeiten, die das Internet in diesem Gebiet unschlagbar machen, reizen jeden halbwegs fähigen Computernutzer, sich seinen persönlichen Mediencocktail zu mixen. Wenn doch die Voraussetzungen geschaffen sind, woran liegt es dann, dass die deutsche Bloggerszene weit abgeschlagen hinter Asien und USA liegt?

Einen Antwortversuch liefert der politische Blogger Bastian Dietz im Tagesschau-Interview. Fazit: Die Blogosphäre ersetzt keinen Qualitätsjournalismus, doch Blogger werden eine “ernstzunehmende, weil gut vernetzte Interessengruppe” und so dienen Blogs in Deutschland vielmehr als Quelle für Zusatz- und Hintergrundinformationen. Dietz sieht die deutschen Blogger als Ergänzung zu den klassischen Medien. Fest steht allerdings auch, dass sich die Macht der Berufsjournalisten in Zeiten des Internets nicht mehr auf eine kleine elitäre Gruppe von meinungsmachenden Profis beschränkt, sondern sich in auf viele Amateure verteilt. Dezentralisierung und Individualisierung sind eindeutige Merkmale der Netzkultur.

Social Services als zentraler Aspekt

Ein anderes Phänomen der Netzkultur sind  Social Networks. Facebook, StudiVZ, MySpace, Xing, Twitter – um nur einen Bruchteil zu nennen. Offensichtlich spielen hier besonders Fragen der Identität und das Bedürfnis zur Selbstdarstellung eine Rolle. Es ist erstaunlich, wie viel Energie Menschen darauf verwenden, ein besonders kreatives, auffälliges Profil von sich zu erstellen. Nicht selten kommt der Gedanke an den Schutz der Privatsphäre und persönlicher Daten  zu kurz. Denn: Einmal im weltweiten Netzwerk eingespeist, ist es nahezu unmöglich, Daten wieder zurückzuholen. Anscheinend ist der Wille zu einer Community zu gehören, größer als jegliches Bewusstsein seine persönlichen Daten zu schützen.

Auf der anderen Seite bleibt es jedem selbst überlassen, wieviel er von sich preisgibt. Verfechter der Freiheit im Netz plädieren daher für einen bewussten Umgang mit den eigenen Daten. Medienkompetenz ist hier das Schlagwort. Da ist auch der Ruf nach einem gleichnamigen Schulfach nicht weit und die langwierige Diskussion über Internetzensur und Datenüberwachung ist mittlerweile den meisten bekannt. Auch diese Themen zählen zur Netzkulturdebatte.

Manchmal hat man das Gefühl, sie würden sie zunehmend dominieren. Doch dann geschieht wieder etwas unerwartetes, wie die  “Twitter-Revolution” im Iran. Da sendet auch mal die Tagesschau ein Handyvideo mit dem Untertitel “Quelle: Youtube”. Wenn es um die Verbreitung aktueller Nachrichten geht, kommt es eben darauf an wer am schnellsten an die besten Bilder und Informationen kommt. Da wird das große Potential der Web 2.0 Anwendungen bewusst. Und da werden Skandale aufgedeckt, wie die frühzeitige Bekanntgabe des Ergebnisses der Bundespräsidentenwahl 2009 über Twitter. Die Diskussion wird aufs Neue entfacht, es finden sich Befürworter und Gegner, die Spirale dreht sich weiter. Und das ist auch gut so: denn genauso ist Netzkultur – sie steht nicht still und bildet immer weiter neue Zweige aus.

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