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Wundersalbe „Regividerm“ in den Medien: Information oder Manipulation

Helle Aufregung: Wirksames Medikament vorenthalten? Großer Aufruhr im Internet! Über den StudiVZ- “Buschfunk” erfuhr ich von einer ARD-Dokumentation, die in der Mediathek abrufbar ist. Der Titel: „Heilung unerwünscht!“ Ein wirksames und weitgehend nebenwirkungsfreies Medikament zur Behandlung von Neurodermitis und Schuppenflechte soll bereits seit 20 Jahren bekannt, aufgrund des wirtschaftlichen Potenzials, das das Leiden der Patienten für die Pharmakonzerne bedeutet, allerdings nicht auf den Markt gebracht worden sein. Mit den übrigen Medikamenten könne mehr Geld gemacht werden, so die Begründung.BirgitH_Cremen_und_salben_hilft_allenthalben

Der Erfinder, damals Student in Wuppertal, ist mittlerweile finanziell sowie psychisch am Ende. Der Glaube, dass seine rosarote (überraschend simpel zusammengesetzte) Salbe jemals Patienten helfen kann, ist bei ihm erloschen. Der Kampf um sein Lebenswerk ging verloren und das hat ihn krank gemacht. Ein Schock durchfuhr mich während der Dokumentation. Fassungslosigkeit.

10% der Menschheit kämpfen tagtäglich damit, dass ihr größtes Organ nicht richtig funktioniert und sich diese Fehlfunktion mit enormem Leidensdruck „in ihre Seele frisst“, wie eine Patientin formulierte. Eine so schwerwiegende Erkrankung wie Neurodermitis wird also für Geld absichtlich und mit allem Nachdruck am Leben erhalten. Wie kaputt ist die Welt eigentlich?

Die Kehrtwende?

Doch die große Frage, die sich im Nachhinein stellte, lautete: Ist die Situation so eindeutig, wie beschrieben oder gibt es auch eine Kehrseite? Diese wurde aufgeworfen in der „Hart aber Fair“- Sendung vom 21.10.09. Dort waren Mediziner bezüglich der Schweinegrippe und der Impfstoffkontroversen eingeladen. Nach der eingehenden Diskussion dieses Themas trat Klaus Martens, der Autor von „Heilung unerwünscht“, auf und verbreitete weiterhin seine Botschaft der diabolischen Pharmaindustrie.

Nun melden sich Vertreter der ersten Sendungshälfte und gratulieren Martens. Nicht etwa zu der Arbeit, die er zum Wohle der Patienten geleistet hat, sondern aufgrund der genialen Marketingstrategie, die von ihm verfolgt wird. Schließlich, so Siegfried Thom, Geschäftsführer des Verbands der forschenden Pharmaunternehmen, werbe Martens nicht nur für das Medikament, sondern ebenso für sein eigenes Buch, das in Kürze zur selben Thematik erscheint. Eine Geschichte vom unverstandenen Medizin-Studenten zu erzählen und an Neurodermitis erkrankte, bis zur Unkenntlichkeit mit Cremes eingeschmierte und Verbänden vermummte Kinder zu inszenieren, sei eine Idee, von der selbst die Pharmakonzern-eigenen Marketing-Abteilungen sich noch eine Scheibe abschneiden können.

Auch Professor Beda Stadler von der Universität Bern äußert unverblümt seinen Unmut: „Herr Plasberg, was Sie hier abziehen ist wirklich ‘ne Schande! Sie missbrauchen ein Kind! Das Kamerateam oder der Regisseur hätten die blöde Salbe dem Kind anstreichen sollen, dann wäre es ja anscheinend jetzt wieder gesund!“. Er bestreitet vehement die Wirksamkeit der B12-Salbe und tituliert die gesamte Produktion als „Betrug“. Die Studien, die die Dokumentation als Grundlage nimmt, seien unbekannt und eine Zulassung als Medikament ebenso nie erworben worden.

Der Streit uferte aus. Klaus Martens legte die angeblich unauffindbaren Studien der „Hart aber Fair“- Redaktion vor, welche sie im Internet veröffentlichte.

Das Abwarten beginnt

Mit Sicherheit hat Thom mit seinem Vorwurf der Vermarktung recht, allerdings geht diese Art der Vermarktung in die richtige Richtung, vorausgesetzt das Medikament ist so wirkungsvoll, wie der Film verspricht. Sollte Stadler recht behalten und die Salbe wirkungsfrei sein, so handelt es sich in der Tat um eine groß angelegte Täuschungsaktion von sehr großer Reichweite.

Das Thema infizierte die Öffentlichkeit wie ein Lauffeuer und verbreitete sich extrem schnell. Die „Heilung unerwünscht“-Story ist ein Beispiel für die Rasanz, in der heutzutage eine öffentliche Diskussion stattfinden kann und wichtige Informationen (die besprochene wirksame Linderung der Symptome vorausgesetzt) verbreiten kann.

Die rosarote Salbe befindet sich unter dem Namen „Regividerm“ in der Produktion und wird aller Voraussicht nach in diesem Jahr noch auf den Markt kommen. Erst dann wird das letzte Kapitel dieser Diskussion geschrieben. Hoffentlich mit dem positiven und unglaublich erleichterndem Ausgang für 10% der Menschheit.

3 comments to Wundersalbe „Regividerm“ in den Medien: Information oder Manipulation

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